„Fühlt sich alles so fremd an“Gladbach-Legende erkennt Klub nicht wieder

Arie van Lent zu Gast im Borussia-Park.

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Arie van Lent blickt mit Sorge auf seinen Herzensklub Borussia Mönchengladbach.

Die Situation bei Borussia Mönchengladbach ist brenzlig. Auch Arie van Lent betrachtet das Geschehen mit Sorge.

Nach der Derby-Pleite ist die Stimmung bei Borussia Mönchengladbach am Boden. Den Saisonstart haben die Fohlen damit endgültig komplett in den Sand gesetzt. Borussias Talfahrt geht weiter!

Eine Vereinslegende sieht strukturelle Probleme im Klub. Im Podcast „Pfostenbruch“ sprach Arie van Lent nach dem Derby über die Dinge, die sich seiner Meinung nach ändern müssen.

Van Lent kritisiert Polanski-Entlassung

Van Lent ist selbst eine Art Köln-Spezialist, hat in seiner Karriere für Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und natürlich Gladbach insgesamt acht Tore gegen die Geißböcke erzielt. Die 1:2-Pleite am 5. Spieltag verfolgte er als Fan auf dem Sofa.

„Es ist ein Muss für mich, das Derby anzugucken. Obwohl ich optimistisch war, bin ich dann doch ein bisschen enttäuscht. Denn am Ende war es, glaube ich, zu wenig um zu sagen, das hätten wir uns verdient“, sagte der gebürtige Niederländer über die 1:2-Niederlage der Gladbacher.

Nach fünf Spieltagen steht Gladbach noch immer punktlos am Tabellenende. Abstiegskampf ist angesagt. Van Lent kennt das noch selbst aus seiner Zeit als Spieler bei den Fohlen: „Wir hatten damals weniger Qualität als heute. Aber wir waren als Mannschaft vielleicht ein bisschen besser sortiert und wir wussten, worum es ging. Das war vielleicht unser Vorteil. Wir haben gekratzt, gebissen und einfach Punkte gesammelt. Und ich glaube, jetzt hat sich das in der Zwischenzeit ein bisschen verändert.“

In der jüngeren Vergangenheit spielte Gladbach in der Champions League und Europa League. Doch seit geraumer Zeit geht die Tendenz in eine andere Richtung. „Wir haben das Gefühl, wir gehören eigentlich dahin. Doch wir gehören seit fünf Jahren schon nicht mehr dahin. Weil wir es einfach nicht mehr gut machen, keine Top-Mannschaft mehr haben, um auf diesem Level zu spielen“, so van Lent. „Wir spielen seit Jahren nur noch um den Nichtabstieg. Die Spieler müssen einfach mal wieder nicht von Dingen träumen, die es gar nicht gibt.“

Die Probleme liegen aus seiner Sicht aber nicht nur bei der Mannschaft selbst. Van Lent kritisiert auch die Klub-Führung. Unter anderem hat ihm der Zeitpunkt der Entlassung von Trainer Eugen Polanski, mit dem er selbst im Nachwuchsbereich der Borussia zusammengearbeitet hat, nicht gefallen. Polanski durfte trotz gewisser Zweifel in die neue Saison gehen, nach drei Niederlagen aus den ersten drei Bundesliga-Spieltagen zogen die Borussia-Bosse die Reißleine. „Wir haben uns ja jetzt auch nicht überragend verstärkt. Wir haben in der Breite dazu gewonnen, aber Top-Qualität fehlt uns“, so van Lent. „Und dann finde ich, nach drei Spieltagen muss man dann auch die Eier in der Hose haben und sagen: Wir ziehen das durch. Eugen macht eine gute Arbeit, davon sind wir fest überzeugt. So ist es Wischiwaschi.“

Seit Jahren gebe es keine Stabilität mehr, findet van Lent: „Es ändert sich viel, auch bei den personellen Positionen. Stephan Schippers (langjähriger Geschäftsführer) ist weggegangen, ein Neuer ist dazugekommen. Schippers hat sich nie eingemischt, andere mischen sich ins Sportliche ein, solche Kleinigkeiten. Alle haben was zu sagen.“

Zwar gebe es auf der Führungsetage noch immer Identifikationsfiguren wie Rainer Bonhof, der als Präsident allerdings auch massiv in der Kritik steht, oder Uwe Kamps, aber das scheint dem früheren Gladbach-Profi nicht zu reichen. Van Lent erkennt den Klub offenbar kaum wieder. „Es fühlt sich alles so fremd an“, findet er. Unter anderem nannte er die frühere NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als jemand, der bei Borussia noch nicht recht zu greifen sei. Sie ist seit gut zwei Jahren Teil des Präsidiums.

Van Lent sieht im gesamten Verein eine „gewisse Unsicherheit und dann kommt der sportliche Misserfolg noch dazu. Irgendwann kann man dem Bereich Sport nicht mehr die Schuld geben und dann geht es natürlich weiter nach oben.“