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Von Achim Müller

XXL-Interview mit Max Eberl „Ich würde auch einen Spieler vom FC holen“

Gladbach-Manager Max Eberl

Gladbach-Manager Max Eberl

  • GladbachLIVE traf den Manager zum Exklusiv-Interview im Trainingslager.
  • Im Gespräch spricht Eberl auch über Meisterschafts-Ambitionen.
  • Außerdem verrät er, unter welchen Umständen er einen Spieler vom FC holen würde.

Rottach-Egern - Gladbach bereitet sich am Tegernsee auf die Saison vor. Manager Max Eberl (45) hat beim VfL einen Neustart gewagt, installierte mit Marco Rose (42) einen neuen Trainer für Dieter Hecking (54), der trotz Erfolg gehen musste. Eberl hat jede Menge zu tun, seine Transferaktivitäten sind noch nicht abgeschlossen. GladbachLIVE traf den Manager zum Exklusiv-Interview im Mannschaftshotel „Überfahrt“.

Wann stellen Sie den Gladbach-Fans die Spieler Marcus Thuram und Malang Sarr vor?
Eberl: Vielleicht nie. Vielleicht nur einen. Es ist schwer, da jetzt irgendwelche Versprechen abzugeben. Es ist tatsächlich so, dass es bei einem Spieler sehr gut aussieht. Da sind wird kurz vor der Ziellinie. Aber es gibt noch nichts zu verkünden.

Ist zumindest dieser eine Spieler Thuram?
Die Chancen stehen bei 50 zu 50. Da müssen Sie noch ein wenig spekulieren.

Gibt es Spieler im Kader, die derzeit unverkäuflich sind?
Ja!

Und die heißen?
Es sind fast alle. Unser Ansatz ist es nicht, wenn wir den Kader bauen, zwischendurch wieder Spieler abzugeben. Wir sind zwar immer wieder auf Transfers angewiesen, aber wir haben auch schon Geld eingenommen. Und jetzt müssen wir noch das umsetzen, was wir uns vorstellen, um einen schlagkräftigen Kader für die drei Wettbewerbe Meisterschaft, Pokal und Europa League zu haben. Deshalb kann ich die Aussage, mit „fast allen“ sehr klar und deutlich tätigen.

Dann können Sie es uns jetzt ja verraten: Wie konkret ist im Winter das Angebot aus China für Alassane Plea gewesen?
Es war eine Anfrage da. Aber wir haben uns dann mit dem Spieler samt Berater an einen Tisch gesetzt, darüber gesprochen – und dann war die ganze Sache auch wieder vom Tisch.

Mönchengladbachs Manager Max Eberl mit GladbachLIVE-Reporter Achim Müller im Trainingslager in Rottach-Egern

Mönchengladbachs Manager Max Eberl mit GladbachLIVE-Reporter Achim Müller im Trainingslager in Rottach-Egern

Michael Cuisance macht keinen Hehl daraus, dass er unzufrieden ist und fordert mehr Spielzeit. Müssen Sie sich den Jungen mal zur Brust nehmen?
Er ist in seinem ersten Jahr bei uns der Rising Star gewesen. Er hat dann ein kompliziertes zweites Jahr gehabt, in dem von beiden Seiten nicht alles optimal gelaufen ist. Das ist für mich aber keine völlig unnormale Entwicklung bei einem jungen Spieler, der so extrem in den Fokus gestürmt ist. Wir haben eine ähnliche Situation bei Granit Xhaka gehabt. Er war auch zu Beginn nicht zufrieden, es haben Gespräche stattgefunden, er hat sich dann durchgebissen. Wenn du heute mit Granit sprichst, wird er sagen, das war wohl eine meiner besten Entscheidungen. Das Gleiche habe ich auch Michael Cuisance gesagt. Weglaufen bringt überhaupt nichts. Weil, egal, wo man hingehen würde, man da ja auch nicht unangefochten ist. Profifußball ist eben kämpfen. Mika hat ein herausragendes Talent – das wissen wir. Wir müssen jetzt schauen, dass das alles wieder gebündelt auf den Platz kommt und dann haben wir einen sehr guten Spieler.

Wann verlängern Sie mit Florian Neuhaus?
Florian hat bereits etwas dazu gesagt. Ich habe das auch wahrgenommen. Ich habe schon in der vergangenen Saison mit seinem Berater Christian Nerlinger das erste Telefonat geführt. Es ist halt so, dass da zwei Parteien zusammenkommen müssen. Wir würden gerne mit Florian verlängern – und werden entspannt in absehbarer Zukunft die Gespräche fortsetzen.

Welcher Profi neben Michael Lang wird es noch schwer haben, in der neuen Saison auf seine Einsätze zu kommen?
Das mit Michael sind erst einmal Spekulationen. Dass es von der Kaderpolitik zu erschließen ist, dass es für ihn enger werden könnte, das ist so. Aber wir werden hier niemanden vom Hof jagen. Wir reden offen mit den Spielern, so dass sie ihre Situation immer gut einschätzen können. Nehmen wir das Beispiel Josip Drmic. In diesem Fall haben wir zu Beginn der vergangenen Saison klar kommuniziert, wie seine Situation sein würde. Wir haben jetzt auch mit anderen Spielern offen über ihre Situation gesprochen, aber welche das sind, darüber möchte ich aktuell nicht in der Öffentlichkeit sprechen.

Könnte es also sein, dass Spieler wie Lang diesen Sommer Borussia noch verlassen?
Ich schließe nichts aus.

Sie haben Stürmer Breel Embolo verpflichtet. Was sagt es über Ihren Klub aus, wenn Sie sich mittlerweile bei einem Konkurrenten wie Schalke bedienen kann?
Das sagt aus, dass wir uns in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Wir haben als ein Verein, der komplizierte Phasen durchlebt habt, wieder Schritte in die Richtung gemacht, dass wir über solche Spieler nachdenken können. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass wir mit Breel bereits vor vier Jahren an einem Tisch saßen, zu diesem Zeitpunkt auch schon sehr weit waren, aber als unmoralische Angebote an den FC Basel herangetragen wurden, da waren wir einfach raus. Nun hat sich eine Chance ergeben, die wir sehr gerne genutzt haben.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: Unser neuer Trainer Marco Rose ist für mich…
… kein Magier. Er ist ein Trainer, der mit einem klaren Plan agiert und der sehr gut mit Menschen umgehen kann.

Durchschnaufen! Marco Rose verordnet seinen Borussen nun eine Pause.

Durchschnaufen! Marco Rose verordnet seinen Borussen nun eine Pause.

Kann Gladbach mit Rose Meister werden?
Meinen Sie Meister der Herzen? Also wenn wir über dieses Thema sprechen: Natürlich wehre ich mich nicht dagegen, Deutscher Meister zu werden. Aber es sieht mir bitte jeder nach, dass das ein ganz großer Traum und letztendlich auch eine Illusion ist. Der deutsche Fußball wird von Bayern München dominiert, Dortmund hat es geschafft, heranzukommen, RB Leipzig ist mit einem unglaublichen finanziellen Aufwand auch in diesen Reigen vorgestoßen, so dass ich sage, diese drei Mannschaften werden um die Meisterschaft kämpfen. Dann ist da noch Bayer Leverkusen, die seit gefühlten 30 Jahren ein sehr großes Budget fahren, Schalke 04, Wolfsburg – das sind wir schon bei den sechs Vereinen, die ich am langen Ende oben sehe. Wenn ich dann noch die Personalkosten von Mannschaften sehe, die in der vergangenen Saison abgestiegen sind – und dann unsere dagegensetze… Ich lasse jeden Traum zu. Ich träume auch. Aber bei jedem Traum muss ich als Sportdirektor auch mit den harten Fakten der Realität arbeiten. Und die sind halt so, dass Gladbach eine Mannschaft ist, die aufgrund aller Rahmenbedingungen um Europa kämpfen kann, aber nicht automatisch gesetzt ist. Und da ist die Meisterschaft dann noch einmal sehr weit weg.

Sind Sie und Dieter Hecking noch Freunde?
Von meiner Seite auf jeden Fall und ich glaube, dass er diese Frage auch mit einem „Ja“ beantworten würde.

Stichwort Erwartungshaltung. Haben Sie das Gefühl, dass die Gladbacher Fans durch die Erfolge der vergangenen Jahre mittlerweile womöglich zu verwöhnt sind?
Nein, das ist eher der Fluch der guten Tat in einem Klub, hinter dem schwere Zeiten liegen und der einst mit eineinhalb Füßen im Bankrott stand. Das haben wir uns jetzt alles wieder aus eigener Kraft erarbeitet. Wir haben keinen Mäzen im Hintergrund, wir haben keinen seltsamen Sponsor, wir haben keinen, der uns gönnerhaft Geld zur Verfügung gestellt hat. Sondern wir haben alles aus purer, eigener Kraft erarbeitet. Deswegen glaube ich, dass die Fans das honorieren. Dass sie auch mal enttäuscht sind, wenn das Große möglich gewesen wäre, das ist legitim. Aber ich bin davon überzeugt, dass der Großteil der Menschen das sehr gut einschätzen kann, was wir geleistet haben und hoffentlich leisten werden.

Wann baut Borussia das geplante Profileistungszentrum?
Wir können nur das ausgeben, was wir einnehmen. Und wenn Stephan Schippers mir sagt: „Max du kannst auf zwei Spieler verzichten, dann baue ich dir das“, ist ja klar, wie meine Antwort lautet. Denn der sportliche Erfolg auf dem Platz steht über allem. Trotzdem dürfen wir auch das Drumherum nicht vergessen. Der nächste Schritt ist für mich, dieses Leistungszentrum für die Lizenzmannschaft zu bauen. Wir sind 2004 in den Borussia-Park eingezogen, in den Keller. Da sind wir immer noch, wir haben nicht tiefer gebaut, so dass man sich vorstellen kann, dass mit der mittlerweile vorhandenen Kadergröße und dem deutlich gewachsenen Betreuer- und Trainer-Stab die Räumlichkeiten eng geworden sind. Das ist ein Projekt, das ich gerne noch anstoßen würde. Beim Lizenzhaus werde ich hartnäckig bleiben und sein, in der Hoffnung, dass ich das noch umsetzen darf.

Direkt gefragt: Wird Max Eberl als Gladbach-Manager mal einen Pokal in den Händen halten?
Ja!

Können Sie ausschließen, dass Sie eines Tages für den FC Bayern arbeiten werden?
Nein, aber das muss ich dann auch erläutern. Sollte ich eines Tages wieder in der Region München leben und Jugendtrainer oder Jugendscout bei den Bayern werden, dann würde ich nun mit einer anderen Antwort ja lügen. Ich weiß, auf was Ihre Frage abzielt.

Max Eberl im Trainingslager in Rottach-Egern

Max Eberl im Trainingslager in Rottach-Egern

Wie lange gilt unter dem Manager Max Eberl noch das ungeschriebene Gesetz, dass Borussia keinen Spieler vom Erzrivalen 1. FC Köln verpflichtet?
Gibt es dieses Gesetz? Wenn es einen Spieler vom 1. FC Köln gäbe, der Lust und Bock hat, nach Gladbach zu kommen, dann würde ich mich auch dafür interessieren. In diesem Fall würde ich mir wünschen, dass es keine Animositäten oder Vorurteile geben würde.

Wenn es beim FC einen interessanten Spieler geben würde, dann würden Sie auch versuchen, diesen zu bekommen?
Ja! Das heißt aber nicht, dass ich den Angriff auf den FC ausrufe. Aber ich möchte nicht ausschließen, auch mal einen Spieler vom FC zu holen.