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Von Jannik Sorgatz, Achim Müller, Hannah Gobrecht

„Wir waren alle Leistungssportler“ Vize-Boss Bonhof hat mit Borussia noch einiges vor

Rainer Bonhof stellte sich im GladbachLIVE-Talk den Fragen unserer Reporter.

Rainer Bonhof stellte sich im GladbachLIVE-Talk den Fragen unserer Reporter.

Mönchengladbach - Die Liste der Erfolge, die Rainer Bonhof (67) als Spieler gefeiert hat, ist so lang, dass Konzentration angesagt ist, wenn man komplett vorliest. Seit 2009 ist der Welt- und Europameister, deutsche Meister, Pokalsieger und UEFA-Cup-Sieger Vize-Präsident bei Borussia Mönchengladbach. Eine Zeit, die – gemessen an der sportliche Lage vor elf Jahren – ebenfalls höchst erfolgreich verläuft.

Im GladbachLIVE-Talk, mit dem wir den Start unserer neuen Webseite gefeiert haben, sprach Bonhof über seine Arbeit im Gladbacher Präsidium, das Topspiel bei RB Leipzig, sein persönliches Derby-Feeling und einen Besuch am Bökelberg-Denkmal in Eicken.

Rainer Bonhof über ...

... die ersten sieben Monate unter Marco Rose:

„Grundsätzlich bin ich relativ unaufgeregt. Gott hat mich da mit einer Gabe gesegnet, die zur heutigen Zeit gar nicht mehr richtig passt. Der andere Punkt ist, dass man natürlich Geduld haben muss, wenn man eine neue Richtung einschlägt. Wir hatten uns jahrelang mit Lucien Favre gut konsolidiert, wir hatten gute Erfolge, waren stabil. Dieter Hecking hat sehr gute Arbeit geleistet, aber wir waren in einer Situation, in der wir eine Neuausrichtung wollten. Dann kam Max Eberl und sagte, dass wir Marco Rose von RB Salzburg kriegen können. Dann war auch kein Halten mehr bei uns, wir wollten diese Neuausrichtung. Das, was wir im Moment erleben, war aber nicht zu erwarten. Wenn du den ganzen Apparat umstellst, die Art und Weise zu spielen umstellst, musst du auch wissen, dass du Geduld brauchst und Rückschläge wegstecken musst. Wir haben relativ wenige Rückschläge erlitten.“

… das Gefühl, wenn die Fans von der Meisterschaft singen:

„Im Prinzip empfinde ich dabei gar nichts, weil wir ja wissen, dass es noch viele Spiele gibt. Man freut sich für die Beteiligten, die auf dem Platz stehen. Sie sind für die Energie, die sie im ersten halben Jahr reingesteckt haben, belohnt worden. Das ist Freude, die einen dann auch in eine Winterpause trägt. Ob du Herbstmeister oder Jägermeister bist, das ist völlig egal. Der Punkt ist: Die Jungs haben es sich mit harter Arbeit verdient. Aber es ist einem eben noch nie etwas geschenkt worden. Deswegen arbeiten wir weiter hart daran, dass das, was wir im Moment haben, eben auch bestätigt wird.“

… seine privaten Ziele:

„Privat möchte ich erst mal meine sportliche Laufbahn weiterführen. Ich habe noch so eine Nichtangriffspakt-Gruppe. Vor jedem Heimspiel spielen wir morgens um elf Uhr eine Stunde lang Fußball. Das letzte Spiel haben wir mit zwei Toren verloren. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen, das geht nicht.“

… seine beruflichen Ziele:

„Alle Beteiligten wissen, was wir vor zehn, zwölf Jahren hatten. Wir waren aber alle Leistungssportler und sind das im Geiste auch geblieben. Das führt dazu, dass man, wie Max Eberl immer so schön sagt, irgendwas Blechernes in der Hand haben will. Daran arbeiten wir jeden Tag. Dummerweise sind andere Mannschaften auch dabei, daran zu arbeiten. Dieses Jahr war der kürzeste Weg im DFB-Pokal leider durch Dortmund im DFB-Pokal versperrt. Jetzt arbeiten wir weiter daran, dass wir bestimmte Dinge erreichen wollen. Klar ist: Sollten wir die Champions League dieses Jahr erreichen, dann ist das wie ein Titel für uns.“

… die Arbeit im Präsidium:

„Wir wissen, was wir machen müssen, was wir zu leisten haben, was wir zur Verfügung haben – und diese Dinge bearbeiten wir Woche für Woche in den Präsidiumssitzungen. Ich glaube, dass wir im Präsidium wirklich gute Köpfe zusammen haben, die wissen, wie Dinge zu regeln sind. Die werden dann auch mit der Geschlossenheit geregelt, die nicht nur das Präsidium, sondern den ganzen Verein ausmacht. Ich denke, jeder Besucher, der in den Borussia-Park kommt, wird bestätigen, dass bei uns keiner ausflippt. Wir haben überall kurze Wege. Jungs, die uns verlassen haben, sind traurig, weil es einfach so schön ist.“

… sein persönliches Derby-Feeling:

„Es kribbelt nicht mehr so doll wie früher. Ich weiß ja, dass ich heute maximal noch eine Minute selbst auf dem Platz stehen könnte. Aber man freut sich immer aufs Derby. Früher wurden Busse gestohlen und um die Ecke geparkt. Oder andere Dinge wurden versteckt. Heute ist die Vorfreude zwar da, aber eigentlich freue ich mich jetzt erst mal darauf, am Samstag in Leipzig zu spielen. Mal gucken, was wir da bewegen können.“

… die schlechte Bilanz gegen RB Leipzig:

„Ein dummer Spruch ist immer: ‚Serien sind da, um gebrochen zu werden.‘ Wir haben in den letzten Jahren viele gute Spiele in Leipzig gemacht. Manchmal waren wir zu gierig und haben die Leipziger stark gemacht. Dieses Jahr werden wir sehr gut vorbereitet sein. Ich glaube auch, dass Leipzig respektvoll mit Borussia Mönchengladbach umgeht. Deswegen schauen wir mal, wer zuerst den Respekt verliert und auf dem Platz ein paar Törchen macht. Eins reicht ja eigentlich. Für uns.“

… Borussia als potenzielles FC-Vorbild:

„Als ich Mitte der 90er-Jahre beim DFB war, ist hier mal einer Weltmeister geworden, da ist ein anderer Europameister geworden. Dann ist jeder hingedackelt und hat gefragt: ‚Wie macht ihr das?‘ Mal war Holland die Nummer eins, mal Frankreich. Dann haben die Italiener gute Arbeit gemacht. Der Punkt ist: Du musst dich auf dich selbst konzentrieren. Und wir haben gute Mitarbeiter, die absolut brillant in ihrer Position sind und die darüber hinaus Visionen haben, die mit aller Akribie umgesetzt werden können. Das macht Borussia stark, das macht uns auch im Präsidium stark. Wir können in Ruhe arbeiten und deswegen habe ich nicht so arg viel davon, wenn der 1. FC Köln sagt, dass Borussia ein Vorbild ist. Der Effzeh muss seine Probleme bewältigen, ähnlich wie andere Mannschaften auch. So haben wir das in der Zeit gemacht und dementsprechend sind wir jetzt ganz gut aufgestellt.“

… das neue Bökelberg-Denkmal:

„Ich war am vergangenen Freitag noch dort. Das ist die Spielfeldgröße, die mir liegt. Da fehlt nur noch ein Tor. Aber das wäre jetzt übertrieben, dass wir da auch noch anfangen, Fußball zu spielen. Es ist ein absolut brillanter Ort, um in die Vergangenheit zu schwelgen. Es ist ein schöner Ort, an dem Borussia schöne Dinge erreicht hat, in die man noch mal gedanklich verfallen kann. Ich finde es sehr gut gelungen. Es nimmt jeden auf, es zieht jeden in seinen Bann. Den Jungs, die das entworfen und gebaut haben, muss man ein großes Lob aussprechen.“

… seine früheren Titel und Erfolge:

„Wenn eine Weltmeisterschaft ist, wird man alle vier Jahre davon eingeholt. Das ist so. Aber alles andere ist Schnee von gestern. Da darfst du auch nicht sagen: ‚Das war ich mal‘, das wäre Blödsinn. Es ist verpulverte Energie, die ich für heute brauche. Ich bin heute froh, dass ich das machen darf, und ich bin froh, dass ich so gute Leute um mich herum habe. Darüber hinaus, denke ich, dass wir ständig versuchen, ein bisschen besser zu werden. Aber in alter Nostalgie zu schwelgen, das obliegt Ihnen, mir zu sagen, was ich irgendwann gewonnen habe. Damit ist es aber auch gut.“

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