„Ganz gut Scheiße gefressen“Erste Gladbach-Punkte: Sander beschwört Aufbruchstimmung

Philipp Sander am Ball im Spiel gegen Hoffenheim

Copyright: IMAGO / STEINSIEK.CH

Philipp Sander am Ball im Spiel gegen Hoffenheim.

Der Knoten ist geplatzt! Nach dem Triumph in Stuttgart gibt Philipp Sander sofort den Takt vor.

Was für ein Gefühlsausbruch am späten Abend im Ländle! Direkt nach dem Abpfiff zeigten die Akteure von Borussia Mönchengladbach Reaktionen, die tiefer blicken ließen als jede Taktik-Besprechung.

Während etliche Kicker völlig fertig auf das Grün sanken, brüllten andere den gesamten Ballast einfach aus sich heraus. Mittendrin statt nur dabei: Philipp Sander. Als Spielführer war der 28-Jährige mit der Fohlen-Elf eingelaufen und rang nach diesem Krimi um die passenden Begriffe für sein inneres Beben – wobei er schnell Klartext redete. „Es hatte sich eine Menge Druck und Frustration angestaut. Wir haben ganz gut Scheiße gefressen in den vergangenen Wochen. Ich bin jetzt einfach nur unfassbar glücklich und stolz auf die Truppe“, brach es aus dem Mittelfeldakteur hervor. Das berichtet der „Kicker“.

Dieser 3:2-Triumph schmeckt für Sander vor allem wegen des dramatischen Spielverlaufs noch mal deutlich süßer. Immerhin verpennten die Gäste die Anfangsphase komplett und gerieten mit 0:1 ins Hintertreffen – und zwar auf dem Rasen eines Klubs, der in der Königsklasse antritt. Dennoch bewies das Team echte Moral und drehte das Match. „Wir haben nicht aufgesteckt“, jubelte der Ersatzkapitän sichtlich gelöst. „Und wir haben uns zum ersten Mal in dieser Saison belohnt. Das fühlt sich richtig gut an.“

Steht nun die große Trendwende bevor? Nach einer rabenschwarzen Serie von sechs Niederlagen hintereinander lechzte der arg gebeutelte Traditionsverein förmlich nach einem derartigen Lebenszeichen. Dieser unverhoffte Auswärtscoup im Schwabenland hat definitiv das Zeug dazu, für die anstehenden Aufgaben neue Kräfte freizusetzen. Deshalb gibt Sander auch sofort die Marschroute vor: Bloß keinen Gang zurückschalten, sondern die neue Euphorie konservieren! „Mut und Vertrauen können wir aus diesem Spiel mitnehmen. Aber wir alle müssen auch wissen, dass es nicht mit einem Schritt weniger geht. Die Messlatte ist gesetzt“, warnte der Leader eindringlich. Zudem schob er unmissverständlich hinterher: „Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Davon müssen jetzt weitere folgen. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns.“

Fohlen-Elf ackert für die Punkte – und ein Youngster glänzt

Worauf basierte dieser lang ersehnte Auswärtserfolg eigentlich? Auf einem immensen Pensum, wie man es vom Niederrhein sonst kaum kennt! Unglaubliche 128 Kilometer ackerte das Aufgebot von Übungsleiter Alexander Blessin auf dem Platz ab. Auch Sportdirektor Rouven Schröder geriet angesichts dieser Zahlen ins Schwärmen: „Auf jeden Fall Bestwert, seit ich in Gladbach bin.“

Auch Sander unterstrich diesen unbändigen Willen. „Wir sind dem Gegner unfassbar auf die Nerven gegangen. Wir waren eine Einheit, die von ganz hinten bis nach vorn geschlossen verteidigt hat. Wir wollten immer den Meter mehr gehen“, resümierte er begeistert. Exakt diese Tugenden hatte Trainer Alexander Blessin im Vorfeld der Begegnung von seinem Kader vehement verlangt – kein Wunder also, dass der Cheftrainer hochzufrieden auf das Endresultat blickte. „Es geht nur über die Basics“, machte der Coach unmissverständlich deutlich. „Und jeder hat alles reingeworfen.“ (red)