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Schwaches Gladbach-Remis in Bremen Taktik-Experte entsetzt: „Hätte ich nicht gedacht“

Haris Tabakovic kniet mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen.

Haris Tabakovic hatte nach seinem Führungstreffer in Bremen erst einmal Schmerzen. Der Treffer war eine von ganz wenigen Offensivaktionen der Gladbacher.

Bitterer Nachmittag für Borussia Mönchengladbach. Bei Werder Bremen musste die Fohlenelf in der Nachspielzeit noch den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen, blieb im vierten Spiel in Folge ohne Sieg.

Ein Kontertor durch den sonst gänzlich unauffälligen Haris Tabakovic (62.) reichte nicht, weil Keke Topp (90.+4) nach einer Ecke von der Strafraumgrenze abzog.

Taktik-Experte Escher: „Offensiver Totalreinfall“

Beiden Teams war anzumerken, dass das Selbstvertrauen aktuell nicht groß ist. Vor allem vor der Pause war das Spiel ein Offenbarungseid. Der Taktik-Experte und Journalist Tobias Escher war regelrecht entsetzt.

„Nach dem Hamburg-Derby vergangene Woche hätte ich nicht gedacht, in dieser Saison noch ein langweiligeres Spiel schauen zu dürfen“, schrieb er nach der ersten Hälfte in Bremen und bezog sich dabei auf das 0:0 zwischen St. Pauli und dem Hamburger SV am 19. Spieltag. „Ich habe die Rechnung ohne Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach gemacht. Das ist ja ein offensiver Totalreinfall.“ 

Nach der Pause agierten vor allem die Bremer dann etwas mutiger, Borussia lauerte auf Konter. Ein Leckerbissen war die Partie aber auch in der zweiten Halbzeit nicht.

Die wochenlange Werder-Krise hinterließ ihre Spuren im Weserstadion. Die Hanseaten sind schon seit zehn Spielen sieglos. Anders als in den Tagen zuvor vermied Geschäftsführer Clemens Fritz vor dem Anpfiff ein klares Bekenntnis zu Trainer Horst Steffen und sagte: „Ich werde jetzt nicht vor dem Spiel über irgendwelche Eventualitäten sprechen.“

Bei den Fans steht der Sportchef aufgrund der missglückten Transferpolitik ohnehin noch mehr in der Kritik als der Trainer. Bei den organisierten Anhängern in der Ostkurve hing deshalb auch ein Protestplakat gegen die sportliche Leitung („Das Schöngerede muss jetzt enden“). Im Rest des Stadions herrschte eine auffällig verhaltene Atmosphäre. Kein „Jetzt erst recht“. Keine feurige und bedingungslose Unterstützung.

Auch bei der Mannschaft war die Angst vor Fehlern größer als der Drang nach vorn. Beide Gegner in diesem Krisenduell setzten auf Risikovermeidung.

Werder war in einer ersten Halbzeit auf schwachem Niveau noch das aktivere und engagiertere Team. Die Strategie war offensichtlich: Die beiden schnellen Stürmer Justin Njinmah und Samuel Mbangula ins Tempo zu bringen.

Doch das ließen die arg passiven Gladbacher vor der Pause nur einmal zu: Nach einem Freistoß für die Borussia tief in der Bremer Spielhälfte trieb Mbangula den Ball nach vorn, passte zu Njinmah, doch der scheiterte an Torwart Moritz Nicolas (20.). Viel mehr passierte in beiden Strafräumen nicht.

Die Bremer kamen allerdings mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine. Erst scheiterte der Japaner Yukinari Sugawara mit einem Distanzschuss an Gladbachs Torwart (47.). Dann verpasste er am zweiten Pfosten lauernd nur knapp eine Kopfball-Verlängerung von Karim Coulibaly (49.).

Werder schaffte es nun zumindest kurzzeitig, das Publikum mitzunehmen. Nur fiel mitten in diese stärkste Bremer Phase hinein das völlig überraschende 0:1. Beim ersten gefährlichen Gladbacher Angriff des Spiels brach Franck Honorat auf der rechten Seite durch und passte im Strafraum quer zu seinem Sturmpartner Tabakovic. Aus kurzer Distanz schoss der 31-jährige Bosnier sein zehntes Saisontor.

Ein solcher Vollstrecker fehlt Werder schon die ganze Saison. Wie schon beim 0:2 am Dienstag gegen 1899 Hoffenheim fiel den Bremern trotz drückender Überlegenheit in der letzten halben Stunde nur wenig ein. Trotzdem war der späte Ausgleich verdient. Schon vorher hatte Senne Lynen nur den Pfosten getroffen (84.). Auch Oliver Deman scheiterte nochmal am starken Nicolas (87.), ehe Topp  traf. (are/dpa)