„Es ist abenteuerlich“Lienen zerpflückt Gladbacher Defensive

Ewald Lienen mit Brille im Stadion.

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Ewald Lienen zeigt sich schockiert über das Auftreten von Borussia Mönchengladbach.

Der Gladbacher-Auftritt gegen Hoffenheim tut Ewald Lienen richtig weh. Der ehemalige Fohlen-Star nimmt sich zahlreicher Borussia-Profis zur Brust.

Die Krise von Borussia Mönchengladbach beschäftigt auch eine Vereinslegende. Ewald Lienen zeigte sich nach der 1:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim schockiert.

„Das hat wehgetan, sich das anzuschauen“, sagte Lienen im Podcast „Der Sechzehner“, den er gemeinsam mit DAZN-Kommentator Michael Born betreibt. Vor allem das Defensivverhalten der Gladbacher lässt ihn fassungslos zurück.

„Keine Kompaktheit, kein Zugriff, strategisches Untergewicht“

„Ich habe mir das hinterher nochmal 20 Minuten angeguckt. Du konntest das zehn Mal anhalten, du hast immer gesehen: keine Kompaktheit, kein Zugriff, strategisches Untergewicht in vielen Positionen“, erklärte der langjährige Bundesliga-Trainer. Das könne der neue Trainer Alexander Blessin auch nicht von jetzt auf gleich hinbekommen, „das ist eine langfristige Geschichte“.

Grundsätzlich wäre für ihn „eine Defensivorganisation gegen diese Mannschaft eine völlig andere gewesen“, erklärte Lienen, bemängelte aber auch die vielen individuellen Fehler.

Unter anderem Fabio Chiarodia fiel Lienen negativ auf. „Chiarodia, der weiß gar nicht, was er machen soll“, sagte Lienen über den jungen Innenverteidiger. „Der steht irgendwo im Raum, attackiert niemanden, läuft rum. Der Junge ist jetzt wie viele Jahre in Mönchengladbach? Klar, der spielt oft nicht“, so der Experte. Sein Podcast-Partner Born wies ihn darauf hin, dass Chiarodia erst 21 sei: „Das darfst du jetzt nicht nur an dem Jungen festmachen. Das wäre ein bisschen unfair.“

Doch auch die erfahrenen Spieler bekamen ihr Fett weg: „Jedes einzelne Tor, jede einzelne Torchance konntest du analysieren, wo Leute fehlen, wo nicht genug Leute da sind, wo Leute im Rücken weglaufen. Flo Neuhaus hat das gar nicht mitgekriegt, dass im Rücken der Conté bei dem ersten Tor reinläuft. Der guckt einfach nur zu, Uno ist auf dem Flügel und schaut zu. Ulrich versucht, nochmal einzugreifen“, schilderte Lienen seine Beobachtungen.

Und weiter: „Bei dem zweiten Tor zum Beispiel, da ist der Diks an Hlozek dran und beklettert ihn, verliert das Kopfballduell. Derjenige, der mitlaufen sollte, läuft eben nicht mit. Chiarodia war’s. Chiarodia müsste eigentlich mitlaufen, aber der guckt sich das einfach nur an. Es ist abenteuerlich.“

Nächstes Glied in der Fehlerkette: Joe Scally. „Dann kommt der Pass in die Mitte und dann kommt Scally, der ja nun schnell ist, und im eigenen Sechzehner will er den Ball wegrätschen. Diese taktischen Fehler sehe ich von ihm immer und immer wieder. Der Ball kommt zu Prass. Wenn er einfach nur durchläuft, stellt er ihn.“

Das sei ein „klassischer, krasser Abwehrfehler“ von Scally gewesen, so Lienen: „Das kommt dann noch dazu. Die Organisation, das individuelle Fehlverhalten von einzelnen Spielern.“

Am Ende habe es mit den Einwechslungen ausgesehen „wie eine Schülermannschaft, die gegen eine Männertruppe antreten musste“, so Lienen. „Klar fehlen viele Spieler, sind verletzt und nicht da. Aber das ist schwer und das tut wirklich weh, das so zu sehen in der Gesamtheit.“