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Von Hannah Gobrecht, Achim Müller

Neuhaus' Fortuna-Rückkehr Auch Borussias Edel-Fuß kann richtig ungemütlich werden

Florian Neuhaus bejubelt sein Traumtor gegen Mainz 05.

Florian Neuhaus bejubelt sein Traumtor gegen Mainz 05.

Mönchengladbach - Borussia greift an diesem Wochenende wieder ins Bundesliga-Geschehen ein. Nach dem abgesagten Rheinderby gegen Köln steht das „kleine Derby“ bei der Fortuna (Samstag, 18.30 Uhr)  in Düsseldorf an. Für Gladbach-Profi Florian Neuhaus (22) ist das Duell mit seinem Ex-Klub ein Besonderes. „Er wird sicher spielen“, hat Trainer Marco Rose (43) angekündigt.

Im GladbachLIVE-Interview spricht Neuhaus über seine Zeit bei der Fortuna, den bedrohten Familienfrieden im Falle eines Borussen-Sieges und erklärt, was er an den Menschen und dem Leben im Rheinland so schätzt.

Sie kehren am Wochenende in das Stadion zurück, in dem Sie unter Friedhelm Funkel den Aufstieg in die Bundesliga feiern konnten. Kribbelt es schon bei Ihnen?
Ja, und ich freue mich natürlich, wieder in Düsseldorf zu spielen. Es ist für mich ein besonderes Spiel, weil ich zahlreiche alte Weggefährten treffe. Ich hatte bei der Fortuna eine tolle Zeit. In der vergangenen Saison habe ich dort mit Borussia eine 1:3-Niederlage erleben müssen – dieses Mal soll es natürlich besser für uns laufen.

Wie es der Zufall will – sollten Sie auflaufen, wäre es Ihr 50. Bundesliga-Einsatz.
Das habe ich auch auf dem Schirm. Eigentlich hätte ich diese Zahl schon gerne im Derby gegen Köln geknackt – das ist ja bekanntlich ausgefallen. Wenn dies nun in Düsseldorf der Fall sein sollte, wäre das natürlich ein schöner Nebeneffekt.

Bittere Erinnerung an Gladbachs 1:3 in Düsseldorf

Die Fortuna ist in eine sportlich prekäre Situation geraten. Wie sehen Sie Düsseldorfs Chancen im Kampf gegen den Abstieg?
Sie haben den Trainer gewechselt - und was ich seitdem von ihnen gesehen habe, war fußballerisch absolut in Ordnung. Sie haben eine neue Spielidee und ich drücke meinem alten Klub die Daumen, dass sie am Ende der Saison den Klassenerhalt schaffen. Am Samstag sollen die Punkte allerdings bei Borussia und unserer Mannschaft bleiben.

In der vergangenen Saison lagen Sie und Ihre Mannschaft in Düsseldorf bereits früh mit 0:3 hinten.
Das war ein sehr bitterer Auftritt von uns. Das wollen wir so auf keinen Fall wieder erleben. Wir sind gut vorbereitet und wissen, was uns in Düsseldorf erwartet.

Nach dem Ausfall des Erzrivalen-Derbys gegen Köln – ist bei Ihnen mit Blick auf die Fortuna dennoch das Derby-Fieber ausgebrochen?
Gegen Köln ist es natürlich das große Derby. Aber Gladbach gegen Fortuna ist allein schon ein Westduell. Das sind immer besondere Spiele mit einer besonderen Atmosphäre. Das kann man also schon als kleines Derby sehen. Viele freuen sich auf das Spiel - und unsere Aufgabe ist es, auf dem Platz zu zeigen, dass wir das Spiel richtig ernstnehmen. Es hat ebenfalls Derbycharakter.

Wäre der Hausfrieden bei Ihnen in Gefahr, wenn Borussia gewinnt und Sie womöglich sogar den entscheidenden Treffer erzielen? Der Vater Ihrer Freundin, Bernd Restle, ist schließlich eng mit der Fortuna verbunden, hat dort jahrzehntelang als Physiotherapeut gearbeitet.
(Lacht) Ich glaube, meine Freundin freut sich in erster Linie für mich, wenn ich erfolgreich bin und gut gelaunt nach Hause komme. Das ist ganz wichtig. Und am Ende denke ich, dass sie sich für mich und Gladbach schon ein bisschen mehr freut.

Ihnen ist gegen Mainz ein Tor aus fast 40 Metern Entfernung gelungen. Eine Woche später haben Sie im Topspiel bei RB Leipzig einen Treffer vorbereitet. Sind Sie ein Spielertyp, der solche Erfolgserlebnisse benötigt, um sein volles Leistungspotenzial ausschöpfen zu können?
Grundsätzlich: Erfolgserlebnisse tun jedem Spieler auf der Welt gut. Bei mir hat man in den vergangenen Wochen gesehen, dass das wichtig sein kann und noch mal zusätzliche Kräfte freisetzt. Ich habe mich auch in der Vorbereitung schon sehr wohlgefühlt, die konnte ich komplett mitmachen. Durch die Erfolgserlebnisse habe ich noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Darauf möchte ich natürlich aufbauen.

Wie oft wurden Sie seither auf das „Tor des Monats“ angesprochen?
Schon einige Male. Aber das ist natürlich etwas Schönes und Positives. Diese Gespräche sind immer nett. Es wäre schön, wenn das mit der Wahl zum Tor des Monats tatsächlich klappen würde. Mir ist für 1860 München mal ein ähnlicher Treffer gelungen, im Anschluss wurde ich in der ARD-Sportschau ausgezeichnet. Es wäre schön, wenn ich diese Medaille noch einmal in Empfang nehmen dürfte.

Florian Neuhaus belohnt sich bei besonderen Erfolgen

Sie haben in Gladbach Ihren Vertrag bis 2024 verlängert. Andere Vereine sollen auch Interesse an Ihnen gehabt haben.
Borussia ist für mich ein richtig großer Verein, mit einer hervorragenden Infrastruktur und tollen Fans. Hier wird seit Jahren konzentriert, intensiv und ohne große Töne im Umfeld gearbeitet. Das Verhältnis zum Trainer spielt auch immer eine Rolle. Ich fühle mich total wohl hier, spüre das Vertrauen von Marco Rose und deswegen gab es für mich keinen Grund, nicht bei Borussia zu verlängern.

Mit dem neuen Kontrakt dürfte sich auch Ihr Einkommen geändert haben. Gibt es etwas, mit dem Sie sich für eine gute Partie oder Spielzeit dann auch mal belohnen?
Ich habe das bislang immer am Ende einer Saison getan. Zu meiner Zeit in Düsseldorf beispielsweise haben wir nach dem Aufstieg etwas vom Verein bekommen. Im vergangenen Jahr habe ich mir nach der geglückten Qualifikation mit Borussia für den Europapokal tatsächlich auch selbst etwas gegönnt. (Lacht) Vielleicht gibt es am Ende dieser Saison auch wieder etwas zu feiern und einen Grund für eine Belohnung.

Florian Neuhaus trug 2017/18 seinen Teil zu Fortunas Bundesliga-Aufstieg bei.

Florian Neuhaus trug 2017/18 seinen Teil zu Fortunas Bundesliga-Aufstieg bei.

Verraten Sie uns, was Sie sich gegönnt haben?
Bei Fortuna haben wir eine Uhr geschenkt bekommen. Im vergangenen Jahr habe ich mir dann selbst eine gekauft.

Sie wirken bodenständig, sind eine Zeit lang immer noch mit einem ganz normalen Mittelklasse-Wagen in den Borussia-Park gefahren. Passt deswegen ein Verein wie Borussia so gut zu Ihnen?
Mir tut der Verein einfach gut. Ich kann mich in Ruhe weiterentwickeln. Das ist für mich das Entscheidende. Ich glaube aber nicht, dass es entscheidend ist, was für ein Auto man fährt.

Sie haben bei 1860 München eine kaufmännische Lehre abgebrochen, weil sie die Chance hatten, einen Profivertrag zu unterzeichnen. Käme für Sie beispielsweise auch mal so etwas wie ein Fernstudium in Frage?
Grundsätzlich finde ich das positiv, wenn jemand neben dem Fußball noch studiert. Für mich ist das aber aktuell kein Thema.

Florian Neuhaus gefällt die Mentalität im Rheinland

Gelingt es Ihnen auch schon mal, Abstand vom Kosmos Bundesligafußball zu gewinnen?
Fußball ist bei mir immer ein großes Thema, ob in der Familie oder bei den Freunden in der Heimat. Dieser Sport hat schon immer meinen Lebensmittelpunkt gebildet. Allerdings bin ich für meine Jungs von früher einfach der Flo von damals geblieben. Ab und an, wenn es mein Beruf als Profi zulässt, gehen wir alle gemeinsam einfach mal eine Runde Fußballzocken, auf einem kleinen Platz – was dann wirklich großen Spaß macht.

Sie sind gebürtiger Bayer, haben in Düsseldorf mittlerweile den rheinischen Karneval kennengelernt. Im vergangenen Jahr sind zur fünften Jahreszeit Ihre Brüder zu Besuch gewesen. Steht das nun wieder an?
Das entscheiden wir in den nächsten Tagen spontan. Grundsätzlich unterstützt mich meine Familie hervorragend, kommt so oft wie möglich zu Besuch ins Rheinland. Das finde ich total schön, diese Unterstützung ist einfach toll.

Wo gehen Sie gerne aus?
Ich bin meist in Düsseldorf unterwegs. Da gibt es schöne Ecken. Im Grafenberger Wald kann man wunderbar spazierengehen. Das kann ich richtig genießen. Das Stadtleben sagt mir zu, ich bin zuvor eher ländlich aufgewachsen.

Wie gefällt Ihnen das Leben im Rheinland?
Richtig gut. Von Anfang an hat mich hier die Freundlichkeit der Menschen positiv überrascht, ob im Supermarkt oder beim Bäcker. Ich habe meine Freundin hier kennengelernt und auch in der Mannschaft schon Freundschaften geschlossen.

Haben Sie auf dem Platz mittlerweile eine gewisse „Drecksack“-Mentalität verinnerlicht?
Ich glaube, das kommt zwangsläufig mit der Erfahrung, dem Selbstvertrauen und den Erfolgserlebnissen, die man sammelt. Ich sehe mich da auf einem guten Weg und glaube, dass Marco Rose einen großen Anteil daran hat. Am Anfang der Saison habe ich gesagt, dass er mir helfen kann, zu einem kompletteren Spieler zu werden. Und ich glaube, dass man die Fortschritte schon sieht. Daran möchte ich weiterarbeiten, um noch präsenter und noch unangenehmer, gerade defensiv, für den Gegner zu werden und dabei nicht die spielerischen Akzente zu verlieren.

Um welche Details geht es da genau, die Sie noch verbessern können?
Im Detail geht es vor allem um clevere Zweikampfführung und zahlreiche Ballgewinne. Aus meiner Sicht zählt zu meinen Stärken, dass ich die Bälle gut antizipieren und abfangen kann. Allerdings ist das natürlich auch ein wenig der Position geschuldet, auf der man eingesetzt wird. Auf der Sechs ist es ein bisschen einfacher, Bälle abzufangen, weil man kompakter und enger steht als zum Beispiel auf der Zehn.

Florian Neuhaus: Wenn er verliert, kann er richtig sauer werden

Auf welcher Position spielen Sie am liebsten?
Am wohlsten fühle ich mich im Zentrum. Da sehe ich mich als flexiblen Spieler, der auf der Zehn, Acht oder der Sechs spielen kann. Ich fühle mich dort am wohlsten, wo der Ball häufig ist. Wenn die Mannschaft den Ball hat, habe ich im Zentrum viele Aktionen und bin im Spiel drin. Das finde ich wichtig.

Sie wirken eher als der ruhigere Typ. Wann können Sie so richtig böse werden?
Zum Beispiel nach der ersten Halbzeit in Düsseldorf während der vergangenen Saison. Ich verliere nicht gerne. Da kann ich dann richtig sauer werden. Das war in dieser Saison zum Glück noch nicht häufig der Fall.

Heißt, als zweiter Sieger verstehen Sie keinen Spaß?
(Lacht) Da kann es schon ungemütlich werden.

Fliegt dann beim Zocken an der Konsole auch schon mal der Controller durch den Raum?
Ja, ich habe mir tatsächlich schon mehrere gekauft.

Hat das Topspiel in Leipzig gezeigt, dass Gladbach in dieser Saison bis zum Ende um die vorderen Plätze mitmischen kann?
Wir wollen uns oben festsetzen. Das geht aber nur über Siege am Wochenende. Die Liga ist so ausgeglichen, dass jeder gegen jeden gewinnen kann. Deshalb konzentriere ich mich, auch wenn es langweilig klingen mag, nur auf das kommende Spiel in Düsseldorf. Wenn wir das gewinnen, haben wir einen weiteren Schritt in die richtige Richtung getan.

Welche Schlagzeile würden Sie nach der Saison gerne über sich und Borussia lesen?
Neuhaus und Borussia qualifizieren sich für das internationale Geschäft.

Egal welches?
(Lacht) International ist international. Lassen wir das doch erstmal so stehen.

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