Mega-Alarm vor dem Derby Politik macht Druck – Fan-Proteste häufen sich
Gladbach gewann das erste Derby der Saison. Vor dem Rückspiel kündigt die Polizei massive Präsenz an.
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Das wohl explosivste Duell der Bundesliga rückt näher! Am Samstag (15.30 Uhr) kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach – und die Anspannung ist riesig. Die Behörden kündigen ein „konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter“ an und malen ein düsteres Szenario. Erwartet werden „jeweils etwa 500 gewaltbereite Störer aus Köln und Mönchengladbach“.
Aber ist die Situation wirklich derart brisant? Ein Sprecher der Polizei in Köln rückt die Einschätzung auf Nachfrage von „FAZ.NET“. etwas zurecht. Das Risiko sei im Vergleich zu vergangenen Derbys nicht gestiegen, zudem existierten keine handfesten Anzeichen für geplante Ausschreitungen. Der massive Einsatz von Beamten sei zudem durch zwei Kundgebungen im Stadtzentrum begründet.
Dennoch ist die allgemeine Situation spürbar angespannter als früher. Der Auslöser: Einigen Innenministern reicht es jetzt. Die andauernden Regelverstöße im Fußball, angefangen bei Pyrotechnik über Sachbeschädigung bis hin zu Gewaltexzessen, sollen nicht mehr toleriert werden. „Der Druck auf mich angesichts des Verhaltens spezieller Fans und des Nichteingreifens des Fußballs steigt und steigt“, sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) unter der Woche dem „Kicker“. Vereine, DFB und DFL seien einfach zu lasch.
Die Beziehung zwischen den Ultras und den Sicherheitskräften ist zum Zerreißen gespannt. Proteste der Fanszenen häufen sich, da sie sich ungerecht behandelt fühlen und mit Schweigen oder Abwesenheit reagieren. Im Anschluss an das Topspiel Dortmund gegen München vor zwei Wochen beklagte das Fanprojekt des FC Bayern einen Polizeieinsatz von bisher unbekannter „Intensität und Undifferenziertheit“. Die Gegenseite, die Polizei, gab an, dass Randalierer ohne Eintrittskarten versucht hätten, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Am Ende steht Wort gegen Wort.
In dieser Auseinandersetzung verschaffen sich die sogenannten Fanhilfen zunehmend Gehör. Jene Vereinigungen, die als Stimme der kompromisslosen Fans in den Stadien gelten, beschuldigen die Innenminister Herbert Reul (CDU) und Armin Schuster (CDU), mit „gefühlter Wahrheiten, haltloser Behauptungen und Drohungen“ die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Ihre Begründung: Offizielle Polizeistatistiken belegen, dass Stadionbesuche über die letzten Jahre hinweg stetig sicherer wurden.
Der wahre Streitpunkt ist die Diskussion über Stadionverbote. Forderungen nach personalisierten Eintrittskarten und stärkerer Überwachung sind zwar leiser geworden, doch um die genauen Regeln wird ein harter Kampf geführt. Für große Empörung sorgte ein vor Kurzem geleakter Entwurf, der zügigere Stadionverbote ohne die Einbeziehung lokaler Gremien erlauben würde. Die Fanhilfen beschuldigen die Minister, den „Dialog und die versprochene Transparenz“ zu verweigern.
Mitten zwischen den Fronten befinden sich die Fußballverbände DFB und DFL, deren Schlichtungsversuche wiederum die Politik erzürnen. Hamburgs Innensenator Andy Grote sprach schon von einem drohenden „Kipppunkt“. Die Positionen scheinen festgefahren. Eines ist jedoch sicher: Falls die etwa 1000 als risikobereit geltenden Anhänger aus Köln und Mönchengladbach am Samstag für unschöne Szenen verantwortlich sind, spielen sie genau den Politikern in die Karten, deren Standpunkte sie eigentlich ablehnen. (red)
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