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Von Achim Müller, Hannah Gobrecht

EXKLUSIV-Interview vor Leverkusen Starke Fohlen: Patrick Herrmann verrät Gladbach-Geheimnis

Volle Kanne nach vorne: Patrick Herrmann hat mit Borussia noch einiges vor. Und plant zudem schon die Zukunft als Familienvater in Mönchengladbach.

Volle Kanne nach vorne: Patrick Herrmann hat mit Borussia noch einiges vor. Und plant zudem schon die Zukunft als Familienvater in Mönchengladbach.

Mönchengladbach - Die Borussia trifft am Samstag (15.30 Uhr) in heimischer Arena zum Rheinland-Geister-Gipfel auf Bayer Leverkusen. Ein brisantes Nachbarschafts-Duell, in dem es für beide Klubs um womöglich schon vorentscheidende Punkte für ein Ticket zur Champions League geht.

Im GladbachLIVE-Interview gibt Eigengewächs Patrick Herrmann (29) einen exklusiven Einblick in seine ganz persönliche Fohlen-Welt. Er verrät, was Gladbach so stark macht in dieser Saison, wie er den nahenden West-Kracher gegen den Werksklub sportlich einschätzt – und wie die Coronavirus-Pandemie selbst alle gewohnten Abläufe vor einem Ligaspiel so ziemlich auf den Kopf stellt. Dazu hat Fan-Liebling Herrmann noch eine emotionale Botschaft – Stichwort Geisterspiel –  an die VfL-Anhänger.

Herr Herrmann, die Geisterspiel-Phase nach dem Restart der Bundesliga mag für so manchen Beobachter noch so surreal erscheinen. Nichtsdestotrotz hat Borussia am Samstag mit Bayer Leverkusen einen Schlagabtausch um das Millionen-Geschäft Champions League vor der Brust. Wie sehen Sie das?

Das ist ein sehr wichtiges Spiel, keine Frage. Wir treffen auf einen direkten Konkurrenten, der nur wenige Punkte hinter uns in der Tabelle steht. Wir wissen um den Stellenwert dieser Partie. Allerdings ist, egal wie es enden wird, im Anschluss noch nichts entschieden. Ich gehe davon aus, dass es am Samstag ein spannendes und enges Duell werden wird.

Heimsieg wäre ein wichtiger Schritt

Aus Ihrer Sicht wäre noch keine Vorentscheidung im Rennen um die Champions-League-Plätze gefallen, sollte Borussia als Sieger vom Platz gehen?

Es sind im Anschluss ja immer noch 21 Punkte zu vergeben. Von Entscheidung mag ich noch nicht sprechen. Aber natürlich wäre ein Sieg ein sehr wichtiger Schritt.

Es wird nach dem siegreichen Heim-Derby gegen Köln für Sie und Ihre Teamkollegen am Samstag das zweite Geisterspiel im eigenen Stadion sein, sprich es werden keine Zuschauer kommen. Dafür sind über 12.000 „Pappkameraden“ da, die derzeit fleißig aufgestellt werden. Sie haben jüngst wiederholt im Borussia-Park trainiert. Wie wirkt das auf Sie als Spieler?

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn, als ich zum ersten Mal davon gehört habe, etwas skeptisch gewesen bin. Aber nun, da sie aufgestellt sind, wir als Mannschaft haben ja auch welche von uns machen lassen – das ist ein richtig cooles Bild von unten. Ganz ehrlich. Das sieht wirklich cool aus. So haben die Fans auch die Möglichkeit, irgendwie dann doch dabei zu sein, auch wenn es nur in der Form eines Pappkameraden ist. Es sieht richtig stark aus und ist auf jeden Fall viel besser, als wenn das ganze Stadion komplett leer wäre. Dass es die Fans und die Stimmung nicht ersetzen kann, ist aber auch logisch.

Borussia unter Rose unberechenbar

Borussia hat sich zum Restart in Frankfurt auf Anhieb in guter Verfassung und als Einheit präsentiert. Was wir oben von der Tribüne aus beobachten konnten: Es sieht so aus, als würde die Chemie im Team stimmen.

Definitiv. Das macht uns auch so stark, dass wir uns untereinander richtig gut verstehen. Wir haben eine super Truppe beisammen, die Erfolg haben will. Dann ist es auch mal egal, wer auf dem Platz steht oder auf der Bank sitzt. Wir haben super Spieler in den eigenen Reihen. Da gönnt man es jedem. Egal, wer das Tor macht, egal, wer von Anfang an spielt. Das steht alles an zweiter Stelle bei uns – schon die ganze Saison über. Das macht uns auch in gewisser Weise unberechenbar – und eben auch stark.

Welche Rolle spielt da der Trainer. Ist Marco Rose jemand, der Ihre Kollegen und Sie richtig pusht?

Auf jeden Fall. Er versteht es, uns als Mannschaft sehr gut zu erreichen. Er pusht uns noch mal richtig. Das hat man in Frankfurt erneut gesehen, als wir von der ersten Sekunde an da waren und das Spiel mehr oder weniger bereits in den ersten zehn Minuten entscheiden konnten. Das ist in so einer Phase besonders wichtig, in einem Spiel ohne Fans, dass du als Spieler dann noch mal durch den Trainer besonders motiviert wirst und von der ersten Sekunde an bereit bist. Das setzen wir als Mannschaft auch einfach gut um.

Neue Wechsel-Regel kommt gut an

Wie bewerten Sie es als Spieler, dass nun fünf Wechsel pro Partie in der Bundesliga möglich sind?

Ich sehe das sehr positiv. Gerade mit Blick auf die Tatsache, dass wir wegen der Coronakrise lange Zeit aus dem normalen Trainingsbetrieb heraus gewesen sind, nicht diesen üblichen Rhythmus und keine normale Vorbereitung hatten. Allein aus diesem Gesichtspunkt ist das schon sehr sinnvoll mit den fünf Wechseln. So kann der Trainer noch mal Frische bringen. Ich finde auch gut, dass diese fünf Wechsel in drei Blöcken über die Bühne gehen müssen. So wird die Möglichkeit, Zeitspiel mit fünf Wechseln zu begehen, eingeschränkt.

Kommen wir zum Ablauf vor dem Rheinland-Duell gegen Leverkusen. Sie und Ihre Teamkollegen werden im Hotel im Borussia-Park sein. Ziehen Sie sich auf dem Hotelzimmer statt in der Kabine um, gehen dann die wenigen Schritte durch den Glas-Tunnel rüber ins Stadion?

Den genauen Ablauf kann ich noch nicht sagen, aber so ungefähr dürfte es sein. Davon gehe ich aus. In Frankfurt haben wir das ja auch so gemacht, dass wir bereits umgezogen am Stadion angekommen sind.

Pandemie sorgt für ganz neue Abläufe

Ist es in Frankfurt das erste Mal in Ihrer Profi-Karriere gewesen, dass Sie bereits komplett umgezogen zum Spiel angereist sind?

Ja, auf jeden Fall. So etwas kannte ich sonst nur aus dem Trainingslager, wenn man dann zum Trainingsplatz gefahren wird oder ein Trainingsspiel hat. Sich für ein Bundesligaspiel im Hotel umzuziehen, dann zum Stadion zu fahren und nur für eine ganz kurze Zeit in der Kabine zu sein, um schließlich direkt zum Aufwärmen ins Stadion zu gehen, das war schon sehr ungewohnt.

Mal bewusst provokativ gefragt: Wird in diese Geisterspiel-Atmosphäre von außen mittlerweile zu viel hineininterpretiert? Nehmen Sie als Spieler, wenn Sie im sogenannten Tunnel und voller Adrenalin sind, das alles in Gänze überhaupt noch wahr?

Keine Frage, es ist komisch. Dieser komplette Ablauf, angefangen vom Umziehen im Hotel bis hin zum Mundschutz und nur kurz in die Kabine zu gehen – das ist absolut kein normaler Ablauf. So kenne ich das aus meinen bislang fast 300 Spielen nicht. Alles ist völlig anders, wir müssen uns als Spieler umstellen und diese ganze Situation annehmen, wie sie ist. Aus meiner Sicht haben wir das hier bei Borussia auch ganz gut hinbekommen.

Bei den Masken noch Luft nach oben

Thema Mundschutz – wer hat denn den verrücktesten oder schrillsten Mundschutz in Ihrer Mannschaft? Gibt es da einen, beispielsweise Marcus Thuram, der ein Batman- oder Avengers-Logo oder andere ausgefallene Dinge aufgedruckt hat?

(Lacht) Wir haben, was das Thema Masken-Optik anbelangt, auf jeden Fall noch jede Menge Luft nach oben, wie ich festgestellt habe. Meist haben wir ja diese Art OP-Masken auf. Langsam müssen wir mal schauen, dass wir auch mal was Ausgefalleneres reinbekommen. Obwohl, einen Fall hatten wir ja schon. Tobias Sippel hat einen schwarzen Mundschutz, auf dem, glaube ich, Pfalzkind steht. Es haben auch schon einige Jungs von uns gesagt, dass wir uns mal nach neuen Ideen umschauen sollten. Ich bin mal gespannt, was da noch kommen wird.

Sie haben sich in den vergangenen Monaten nicht nur zur Borussia, sondern auch zu der Region Niederrhein und der Stadt Mönchengladbach in sehr offener Art und Weise bekannt. Sie sagten, dass sie nach der Karriere in der Vitusstadt wohnen möchten. Wie sieht es denn aus, haben Sie bereits eine Art Ruhesitz gefunden?

Ja, das kann ich Ihnen jetzt verraten. Meine Frau und ich, wir haben uns ein Grundstück in Mönchengladbach gekauft und werden in naher Zukunft hier ein Haus bauen. Wir sind in den Planungen, es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis die Bagger rollen.

Herrmann mag Borussia nicht missen

Warum Gladbach?

Weil ich mich einfach richtig wohl hier fühle. Ich sehe Mönchengladbach als meinen Lebensmittelpunkt, ich will nach meiner Karriere einfach in dieser Stadt leben. Ich muss auch eingestehen, dass ich den Bezug zur Borussia weiter brauchen werde.

Wirklich?

Ja! Es ist so. Nehmen wir an, ich würde zurück in meine Heimat, ins Saarland gehen. Und würde dann zwei Wochen am Stück kein Heimspiel von Borussia mehr erleben können. Das würde ich nicht aushalten, das ist wirklich so.

Abschließend eine Frage, die Sie sicherlich en passant beantworten werden. Der Samstag wäre für Borussia und Sie ein perfekter Tag, wenn...?

(Lacht) Wenn wir die drei Punkte gegen Leverkusen holen. Ganz einfach. Das ist mein Wunsch. Und ich möchte doch noch etwas hinzufügen.

Emotionale Botschaft an VfL-Fans

Gerne...

Leider haben wir in Frankfurt nicht mit den Fans im Stadion gemeinsam feiern können. Wir wussten im ersten Moment nach dem Schlusspfiff auch gar nicht, wo wir hingehen sollten. Normalerweise bedanken wir uns für die Unterstützung und Hilfe. Sollten wir am Samstag etwas zu feiern haben, sind die Fans auch nicht da. Aber ich hoffe, dass die Fans in nicht allzu weiter Ferne wieder bei uns sind. Darauf freue ich mich jetzt schon. Das wird auf jeden Fall ein unbeschreibliches Erlebnis sein.