Borussias Trainerbank war zuletzt ein echter Schleudersitz. Kommt unter Alexander Blessin die Wende?
Gladbachs Trainer-FriedhofDiese Statistik ist eine Warnung für Blessin

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Stoppt Rouven Schröder mit Alexander Blessin den Gladbacher Trainer-Trend?
Der Nächste, bitte! Alexander Blessin übernimmt das Ruder bei Borussia Mönchengladbach und ist damit bereits der 29. Coach in der Bundesliga-Historie des Vereins.
Seine Ankunft soll endlich wieder für Beständigkeit und ruhigere Zeiten sorgen. Die Realität der letzten Jahre spricht aber eine andere Sprache: Der Posten bei den Fohlen gleicht einem Schleudersitz. Mit Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane und Eugen Polanski ist die Liste der schnell verbrauchten Trainer lang. Eine knallharte Bilanz: Drei der vier letzten Coaches mussten nach nur etwa einem Jahr wieder ihre Koffer packen.
Rose-Abschied als Brandbeschleuniger
Diese Statistik ist ein Weckruf, passt aber gleichzeitig perfekt zu einem brutalen Trend in der gesamten Bundesliga: Im Schnitt überlebt ein Trainer seinen Job nur noch knapp elf Monate. Gladbach hat sich zu einem Musterbeispiel für dieses rasante Geschäft entwickelt. Das berichtet „rp-online.de“.
Die hohe Personalrotation weckt unschöne Erinnerungen an die finsteren 2000er-Jahre, als der Klub permanent gegen den Abstieg kämpfte. In der Zeit nach der Ära von Hans Meyer schaffte es fast kein Trainer mehr, eine ganze Spielzeit im Amt zu bleiben.
Dabei war der Verein vom Niederrhein früher eine absolute Bastion der Verlässlichkeit und ein Muster an Geduld. In den ersten 22 Bundesliga-Jahren saßen mit den Ikonen Hennes Weisweiler (zehn Jahre), Udo Lattek (vier Jahre) und Jupp Heynckes (acht Jahre) insgesamt nur drei verschiedene Männer auf der Bank. Weisweiler war der Architekt, der die Fohlenelf ins Oberhaus brachte und mit seinem Vollgas-Fußball den Kontinent aufmischte, während Lattek und Heynckes diese glorreiche Ära fortsetzten.
Auch in der Zeit danach gab es immer wieder Perioden, in denen auf der Trainerbank Ruhe herrschte. Coaches wie Bernd Krauss, der den DFB-Pokal 1995 an den Bökelberg holte, Hans Meyer, der den Verein reanimierte und wieder nach oben brachte, oder Lucien Favre haben dem Klub über Jahre ihren Stempel aufgedrückt. Insbesondere der Schweizer Favre gilt als Gesicht der letzten großen Erfolgsphase, die er mit dem sensationellen Einzug in die Champions League 2015 krönte.
Die Talfahrt, die bis in die Gegenwart reicht, nahm in der zweiten Saison von Marco Rose langsam Fahrt auf. Dessen verkündeter Abschied in Richtung Borussia Dortmund wirkte wie ein Brandbeschleuniger und stürzte den Verein in eine tiefe Krise. Keiner seiner Nachfolger, ob Adi Hütter, Daniel Farke oder Gerardo Seoane, schaffte es, die Abwärtsspirale dauerhaft zu durchbrechen. Das Wagnis der Klubführung, an Seoane trotz eines miesen ersten Jahres festzuhalten, ging komplett in die Hose und führte nur zum nächsten Rauswurf.
Jetzt liegt es an Alexander Blessin, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der Stuttgarter hat 30 Partien Zeit, um die Gefahr des dritten Abstiegs aus der Bundesliga zu bannen und die Vereinsführung zu beeindrucken, damit aus der Notlösung eine Dauerlösung wird. Sein Auftrag ist eindeutig: Die löchrige Abwehr muss dichtgemacht und das Image des Klubs aufpoliert werden. Scheitert er, wird er wohl genauso schnell Geschichte sein wie die Trainer vor ihm.
Im Umfeld des Borussia-Parks ist der Wunsch nach einem Sommer ohne die ewige Trainer-Diskussion greifbar. Für Blessin geht es daher um mehr als nur um das Sammeln von Zählern. Er muss dem Klub ein Stück seiner verloren gegangenen DNA zurückbringen: die Kultur der Beständigkeit. (red)

