Morgens um 7 Uhr reißt das Handy ihn aus dem Schlaf, am Abend folgt das Bundesliga-Debüt mit 30! Irre!
Vom Bett direkt in die BundesligaGladbachs verrücktes Debüt-Märchen um Schweers

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Lion Schweers durfte in Stuttgart sein Bundesliga-Debüt feiern.
Aktualisiert
Ein frühes Telefonat stellt plötzlich alles auf den Kopf! Am Freitagmorgen ist für Cheftrainer Alexander Blessin kein Weckerklingeln nötig. Diesen Part übernimmt nämlich sein Defensiv-Boss Kevin Diks höchstpersönlich – doch die Botschaft sorgt beim Coach für Sorgenfalten. Private Gründe zwingen den 30-Jährigen zu einer kurzfristigen Pause. Und das unmittelbar vor dem enorm brisanten Auswärtsduell beim VfB Stuttgart!
„Um 7 Uhr hat er mich angerufen“, verriet der Übungsleiter der Fohlen noch vor Spielbeginn. Durch das Fehlen von Diks wächst das Lazarett am Niederrhein auf zehn abwesende Profis an. Keiner kann in dieser Sekunde erahnen, was folgt: Durch seinen Ausfall liefert der stellvertretende Kapitän völlig ungeplant die Vorlage für das wohl verrückteste Fußball-Märchen der gesamten Partie.
Ein Neuling abseits aller Klischees
Am Ende des Tages feiert das Schlusslicht der Tabelle nämlich einen sensationellen 3:2-Triumph im Schwabenland. Eine Rolle spielt dabei ein Akteur, mit dem vorab wohl niemand gerechnet hatte: Lion Schweers. Eigentlich geht der Routinier als absoluter Leistungsträger in Gladbachs U23 voran. Doch auf einmal benötigen ihn die Lizenzspieler dringend – und bescheren ihm den größten Moment seiner Laufbahn. Das berichtet „rp-online.de“.
Natürlich bleibt diese verkorkste Spielzeit der Borussia in erster Linie wegen des verheerenden Auftakts im Gedächtnis. Sechs Niederlagen hintereinander sorgen für mächtig Frust! Auf der anderen Seite bietet die aktuelle Runde aber auch den eigenen Jungs aus dem Unterbau reichlich Gelegenheit, sich im Oberhaus zu zeigen. Ihre ersten Schritte auf diesem Niveau haben Iaia Manco Danfa, Fritz Fleck sowie Mathieu Nguefack schon erfolgreich absolviert. Beim Gastspiel im Stuttgarter Stadion folgte nun zwar der vierte Streich eines Vereins-Neulings, allerdings sprengt Schweers sämtliche Vorstellungen eines typischen Nachwuchskickers.
Sportchef Rouven Schröder fand nach Abpfiff in den Katakomben der Arena die exakt passenden Worte: „Es ist sicherlich die Geschichte des Spieltags, dass Lion Schweers heute Morgen kurzfristig aus dem Bett geholt wurde, um mitzufahren und den Sieg über die Linie zu retten.“ Was die Sache so außergewöhnlich macht? Der sonst im Regionalliga-Team eingesetzte Defensivmann zählt stolze 30 Lenze. Nichtsdestotrotz galt er nach der kurzfristigen Diks-Abmeldung als absolut sinnvolle Alternative für die Hintermannschaft. Schließlich fällt der erst 19-jährige Nachwuchs-Verteidiger Tyler Meiser aus der Zweitvertretung schon seit über acht Wochen verletzt aus. Wegen der massiven Ausfälle beorderte Blessin neben Schweers auch das Offensiv-Talent Josiah Uwakhonye in das Spieltags-Aufgebot. Rasenluft schnupperte am Ende aber lediglich der erfahrene Abwehrrecke.
Als die Uhr die 84. Spielminute anzeigt, gelingt den Hausherren der Treffer zum Anschluss – das große Nervenflattern startet. Exakt in dieser brenzligen Phase wirft Coach Blessin seinen ungewöhnlichen Einwechselspieler ins Getümmel. Warum diese Maßnahme erfolgte, legte Sportboss Schröder offen: „Wir wussten, dass beim VfB Jeff Chabot noch kommt. Lion Schweers war für uns der Gegenspieler mit dem besten Kopfballspiel auf dem Feld.“
Dieser Schachzug sticht sofort! Ausgestattet mit der ungewohnten Trikotnummer 48 bezieht Schweers direkt vor Abwehrzentrum-Spieler Philipp Sander Position und packt kräftig mit an, um den hauchdünnen Vorsprung erfolgreich ins Ziel zu retten. Seine Arbeitsnachweise können sich sehen lassen: Sechsmal berührt er das Leder, bringt zwei Zuspiele an den Mann und entscheidet starke zwei von insgesamt drei Kopfballduellen für sich. Vor allem Stuttgarts Kante Chabot spürte die enorme Präsenz des Borussen sofort am eigenen Leib, als er nach dem allerersten Luftkampf erst einmal benommen auf dem Rasen verharrte.
Über Wuppertal und Würzburg ins Rampenlicht
Aus der eigenen Jugendabteilung der Fohlen stammt der Spätstarter im Übrigen keineswegs. Erst im Jahr 2024 zog es ihn vom Wuppertaler SV zur Borussia. Seine damalige Referenz bestand aus beachtlichen 101 Einsätzen in der dritthöchsten Spielklasse. Die bis dato größten Erlebnisse seiner Fußballer-Laufbahn beschränkten sich auf ein einziges Match im DFB-Pokal im Trikot des WSV sowie einen Kurzauftritt in Liga zwei für das Team der Würzburger Kickers. Im persönlichen Ranking des Verteidigers müssen diese beiden Highlights nun aber endgültig den Spitzenplatz räumen. Ganz oben thront ab sofort seine Feuertaufe im deutschen Fußball-Oberhaus. Dass dieser besondere Abend obendrein mit einem völlig unerwarteten Auswärtsdreier gekrönt wurde, setzt dem Ganzen die Krone auf. Entsprechend begeistert äußerte sich auch Sportchef Schröder: „Er war da, als wir ihn gebraucht haben, und hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir dieses Spiel gewonnen haben.“
Einen kleinen Wermutstropfen gab es dennoch: Durch seinen Profi-Einsatz stand Schweers am darauffolgenden Samstag nicht für die U23 auf dem Platz, die sich prompt dem Liganeuling Westfalia Rhynern mit 2:3 geschlagen geben musste. Ob der Leitwolf der Reserve-Mannschaft schon in Kürze erneut oben aushelfen darf, ist momentan noch völlig unklar. Eine Verschnaufpause gönnt der Spielplan den Gladbachern ohnehin nicht. Bereits am kommenden Dienstag (27. Oktober, 20.45 Uhr) steigt im Rahmen der zweiten DFB-Pokalrunde das Flutlicht-Duell im eigenen Stadion gegen Borussia Dortmund. (red)

