Die Lage ist ernst Gladbach-Auftritt wirft heikle Fragen auf
Die Spieler von Borussia Mönchengladbach stehen enttäuscht vor der Nordkurve.
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Joe Scallys Gesichtsausdruck sprach Bände. Der US-Amerikaner saß nach dem 2:2 gegen Schlusslicht Heidenheim zusammengesackt auf der Bank, ließ den Kopf hängen.
Klar ist: Die Stimmung bei Gladbach ist am Boden. Borussia ließ am Samstag eine große Gelegenheit liegen, um mit einem Dreier für Entspannung zu sorgen.
Polanskis Ansagen verhallen – Punkteschnitt wie Seoane
Das 2:2 im Duell mit dem 1. FC Heidenheim war eine herbe Enttäuschung. Für die Fans, für die Spieler, für die Bosse. Nur für den Trainer offenbar nicht. Gladbachs Trainer konnte jedenfalls die Pfiffe der Anhänger als Reaktion auf das Remis nicht nachvollziehen. Dabei geben das Resultat sowie der Auftritt an sich Rätsel auf.
Noch am Donnerstag hatte Eugen Polanski bei der Medienrunde klargemacht: „Wir haben bis Samstag wenig Zeit auf dem Trainingsplatz. Dementsprechend musste die Besprechung heute sitzen.“ Seine Absicht war, die Mannschaft zu sensibilisieren, das Match gegen den Tabellenletzten ernst zu nehmen. Aber sein Appell verhallte ungehört.
Dabei mag der Start in die Partie ja noch okay gewesen sein, aber nach dem Gegentor zum 1:1 agierte die Fohlenelf extrem passiv, leistete sich simple Patzer und schien gedanklich nicht auf der Höhe.
Das ist nicht die Art, wie ein Team auftritt, das zu Hause vor den eigenen Fans ein klares Signal im Kampf gegen den Abstieg senden will. Wieder einmal verpufft eine deutliche Ansage von Polanski komplett wirkungslos. Das berichtet „rp-online.de“. Man denke nur an seine Appelle vor den Partien bei Union Berlin (1:3) sowie in Hoffenheim (1:5) zurück – in beiden Fällen passierte exakt das, was man unbedingt vermeiden wollte.
Hat wirklich jeder bei Borussia den Ernst der Lage begriffen? Zwar hat man ein Polster von neun Zählern auf Rang 17, aber bis zum Finale der Spielzeit wird es wohl ein Krimi bleiben. Zumindest was den Relegationsrang angeht.
Es steht mehr auf dem Spiel als nur der Ligaverbleib: Es geht um fette Prämien aus dem TV-Topf und um das Gefühl, mit dem der Verein in die Sommerpause geht. All diese Faktoren könnten auch über das Schicksal von Eugen Polanski entscheiden. Sein Punkteschnitt von 1,16 pro Partie liegt weiterhin im Bereich seines Vorgängers Gerardo Seoane (1,13).
Was wirklich Sorgen bereitet: Die Borussia kam gegen die löchrigste Defensive der gesamten Liga nur auf einen xG-Wert von 0,73. Die Offensive, die man am Ende als Powerplay verkaufen wollte, wäre von der ersten Minute an gegen das Schlusslicht nötig gewesen. Und die nächsten Gegner? Die geben kaum Anlass für Optimismus: Mit Leipzig und Mainz warten der Fünft- und Viertplatzierte der zweiten Saisonhälfte auf Gladbach.
Auch Polanskis Personalpolitik sorgt für Stirnrunzeln. Die Entscheidung für Shuto Machino in der Startelf entpuppte sich als grober Fehler. Gleichzeitig machte Hugo Bolin als Einwechselspieler mit viel Einsatz Werbung für sich und wäre eine Option für Franck Honorat auf der rechten Seite. Auch Akteure wie Joe Scally, Yannik Engelhardt oder Spielführer Rocco Reitz sind momentan keine Garanten für Sicherheit.
Positive Aspekte sind rar gesät. Moritz Nicolas bewahrte sein Team vor einem schlimmeren Ergebnis, und auf Nico Elvedi sowie Kevin Diks kann man sich verlassen. Jens Castrop und Wael Mohya lieferten ebenfalls vielversprechende Momente. Allerdings sollte die Last nicht allein auf den Schultern des 17-jährigen Mohya liegen. Für Kopfschütteln sorgte zudem, dass Polanski den Schwung von Haris Tabakovic nach seiner gelungenen Länderspiel-Tour mit einem Platz auf der Bank einfach verpuffen ließ – nicht nur der Angreifer war darüber erstaunt.
Jens Castrop konnte die Unmutsbekundungen der Anhänger verstehen, im Gegensatz zu Trainer Polanski, der für die Pfiffe kein Verständnis aufbrachte. Seine Nachbetrachtung klang auffällig bemüht, das Positive zu betonen. Die Begründungen für den Einbruch, wie der Schock nach dem Ausgleichstreffer oder die Unterbrechung durch die Länderspiele, sind zu einfach. Und das Lob für den zwar bemühten, aber ungefährlichen Machino ist der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.