„Wissen jetzt, wer mitmachen will“Gladbach-Boss mit Brandrede nach historischem Fehlstart

Rouven Schröder schaut leicht genervt.

Copyright: Harry Langer/dpa

Rouven Schröder findet deutliche Worte.

Borussia Mönchengladbach in der Krise! Sportdirektor Rouven Schröder stärkt dem neuen Trainer trotzdem den Rücken.

Was für ein Horror-Auftakt für Borussia Mönchengladbach! Fünf Partien, kein einziger Zähler – der Verein legt den miesesten Start seiner gesamten Historie hin. Die Lage spitzt sich nach der schmerzhaften 1:2-Derby-Schlappe gegen den 1. FC Köln am fünften Spieltag dramatisch zu.

Dieser Saisonbeginn ist sogar noch schlimmer als der unter Lucien Favre 2015. Seinerzeit musste das Team in den ersten fünf Begegnungen „nur“ zwölf Gegentreffer schlucken, heute sind es schon heftige 18. Favre warf damals das Handtuch, was den Startschuss für eine unglaubliche Aufholjagd mit André Schubert gab, die die Fohlenelf am Schluss sogar in die Champions League katapultierte.

Rouven Schröder sieht positive Ansätze

Den Wechsel auf der Trainerbank hat Gladbach nun schon vollzogen. Jetzt stärkt Sportdirektor Rouven Schröder dem neuen Coach, Alexander Blessin, demonstrativ den Rücken. Er erkennt schon erste vielversprechende Entwicklungen im Auftreten der Mannschaft. „In der ersten Halbzeit haben wir es ordentlich gemacht“, analysierte Schröder nach der Derby-Pleite laut „rp-online.de“. „Da waren Dinge dabei, die sich Alexander Blessin vorstellt, zum Beispiel das aggressive Verteidigen nach vorne.“

Bis zum Pausenpfiff sei die Partie absolut ausgeglichen gewesen. Schröder hebt außerdem die direkte Art des neuen Übungsleiters hervor: „Alex ist sehr klar und weiß, was besser werden muss.“ Sein Eingreifen während der Partie sei ebenfalls stark. „Und was wichtig ist: Er scheut sich nicht vor Entscheidungen“, meint Schröder. Dabei sei es egal, „welcher Name auf dem Trikot steht“.

Schröder benannte aber auch die schwache Phase kurz nach der Pause. „Wir müssen allerdings auch die 15 Minuten nach der Halbzeit ansprechen, in denen wir stark unter Druck geraten sind“, warnte der Manager. In diesem Abschnitt hatte die Borussia anfangs noch Dusel. Ein wachsamer Jan Leszczynski parierte gleich zweimal in brenzligen Momenten. Aber dann kam Said El Mala und schoss die Kölner mit seinem Tor zum 2:1 doch noch ins Glück.

Trotz des Debakels gab es positive Aspekte. Blessin zeigte Courage und verhalf dem 19-jährigen Fritz Fleck in der Endphase zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Dafür gab es von Schröder Anerkennung: „Natürlich würde man solche Entscheidungen am liebsten mit einem Punkt oder sogar mehr belohnen.“ Der junge Spieler gehörte gemeinsam mit den ebenfalls ins Spiel gekommenen Zento Uno und Wael Mohya zu den raren Lichtblicken an diesem Tag.

Trotz der heiklen Position in der Tabelle zeigt sich Schröder als Kämpfer und hält eine emotionale Ansprache. „Wir werden wiederkommen“, versicherte der 50-Jährige. „Da bin ich felsenfest von überzeugt.“ Er nannte die aktuelle Phase „eine ganz, ganz schwierige Situation und die Challenge im Leben“. Es höre sich vielleicht übertrieben an, aber man müsse sich da nun befreien. Mit einem starken Bild verdeutlichte er, was er jetzt von jedem erwartet: „Wenn die Sonne scheint, macht es super Spaß, im Fußball unterwegs zu sein. Sich beschimpfen lassen und selbstkritisch zu sein, ist das andere.“

Um aus einer solchen Krise zu entkommen, müsse man eben „aus dem Holz geschnitzt sein“. Er schloss mit einer deutlichen Ansage: „Und jetzt wissen wir genau, wer mitmachen will“, ließ dabei aber offen, wen er meinte.

Gegen Hoffenheim im nächsten Heimspiel sind deshalb wohl Umstellungen in der Anfangsformation zu erwarten. Besonders Akteure wie Daiki Hashioka, Florian Neuhaus und Isac Lidberg zeigten gegen Köln erhebliche Schwierigkeiten und ihre Plätze könnten wackeln. Weitere Zuversicht zieht Schröder aus der personellen Lage, die sich bald bessern dürfte.

„Mit einem fitten Tim Kleindienst haben wir mehr Möglichkeiten“, erläuterte der Sportdirektor. „Auch Jens Castrop kommt zurück, Nicolas Kühn ist ebenfalls bald wieder dabei.“ Entschuldigungen lässt er jedoch nicht zu. „Wir arbeiten mit den Spielern, die zur Verfügung stehen“, machte er unmissverständlich klar. „Wir müssen uns steigern, noch besser werden und dürfen keine Ausreden suchen.“

Der Kessel bei der Mannschaft und dem neuen Coach steht gewaltig unter Druck. Die erhoffte Wirkung des Trainerwechsels zu Blessin könnte sonst rasch verpuffen. Die nächsten Begegnungen sind absolut entscheidend für die restliche Saison. Am Sonntag (17.30 Uhr) steht das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim an. Anschließend geht es zum VfB Stuttgart (23. Oktober, 20.30 Uhr), dann im DFB-Pokal wartet der Karlsruher SC (27. Oktober, 20.45 Uhr) und schließlich kommt der SC Paderborn (31. Oktober, 15.30 Uhr). In diesen Duellen sind die ersten Zähler Pflicht, um die Talfahrt endlich zu beenden. (red)