„Ich war schockiert“Gladbach-Ikone blutet nach Sieg in Stuttgart das Herz

Berti Vogts, Günter Netzer und Lothar Matthäus enthüllen eine Statue

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Berti Vogts, Günter Netzer und Lothar Matthäus enthüllen eine Statue.

Aktualisiert

Berti Vogts redet Klartext: Die Fohlen-Legende nimmt nach dem 3:2 beim VfB Stuttgart die Profis in die Pflicht.

Was für eine irre Achterbahnfahrt der Gefühle! Beim umjubelten 3:2-Auswärtscoup von Borussia Mönchengladbach beim VfB Stuttgart gab es für Fohlen-Ikone Berti Vogts (79) sowohl Licht als auch tiefen Schatten zu sehen.

Dem Rekordspieler des Klubs brennt vor allem ein ganz bestimmtes Thema unter den Nägeln, das auch Chefcoach Alexander Blessin unentwegt predigt. Und dieser Punkt betrifft längst nicht nur die Jungs auf dem grünen Rasen.

In seiner Kolumne für die „Rheinische Post“ rechnet der 79-Jährige schonungslos mit der Anfangsphase im Schwabenland ab. Vogts fand deutliche Worte für die erste halbe Stunde: „Ich war schockiert, als ich die ersten 20, 30 Minuten von Borussias Spiel beim VfB Stuttgart gesehen habe. Das war keine Borussia, die da auf dem Platz stand. Die Stuttgarter konnten machen, was sie wollten. Kein Borusse war da, um dagegen anzugehen. Ganz nach dem Motto: ,Kamerad, lauf du, ich bleibe stehen.‘“

Sorge um Freund Rainer Bonhof

Dem einstigen Weltmeister fehlte jeglicher Zusammenhalt auf dem Feld, bei dem einer für den anderen kämpft und aushilft. Schließlich sei Fußball ein reiner Teamsport, wie er unermüdlich unterstreicht. Doch dann folgte die Wende: Im weiteren Spielverlauf präsentierte sich die Elf vom Niederrhein plötzlich komplett verwandelt. Genau so wünscht sich Vogts seine Borussia – und genau diese Mentalität fordert er auch ein.

Für den Klub-Rekordspieler steht fest: Sämtliche Akteure müssen am selben Strang ziehen, und zwar im gesamten Verein, weit über den Profikader hinaus. Besonders ein Thema schmerzt den Ex-Bundestrainer aktuell enorm. Vereinsboss Rainer Bonhof muss derzeit heftigen Gegenwind einstecken. Vogts gesteht ehrlich: „Das macht mich als Freund traurig. Rainer ist durch und durch Borusse und wird es immer bleiben.“ Das berichtet „rp-online.de“.

Aus Sicht der Vereinslegende gibt es in dieser angespannten Phase nur ein einziges Rezept: kühlen Kopf bewahren! Und zwar in allen Bereichen des Klubs. Bloß mit absoluter Gelassenheit lässt sich die trotz des Stuttgarter Dreiers weiterhin brenzlige Lage bewältigen. Coach Alexander Blessin liegt laut Vogts goldrichtig mit seiner Ansage, dass der Befreiungsschlag ausschließlich über den Teamgeist funktioniert.

Vorbild Hennes Weisweiler und Günter Netzer

Auch wenn der 79-Jährige ungern ständig in der Vergangenheit schwelgt, betont er doch, dass exakt dieser unbändige Zusammenhalt die Fohlen früher so unbesiegbar gemacht hat. Reibereien waren dabei übrigens völlig normal. Vogts erinnerte an ein Plakat auf der Tribüne während der Hoffenheim-Pleite, welches Hennes Weisweiler sowie Günter Netzer hitzig debattierend und streitend auf einem Lederball sitzend zeigte. Damals zählte jedoch einzig der Erfolg des Vereins. Trotz zahlreicher Charakterköpfe stellte sich jeder in den Dienst der Mannschaft – selbst ein Superstar wie Netzer, der seine überragende Einzelklasse stets für das Kollektiv einbrachte.

Und heute? Da regieren im Profigeschäft oft pure Eitelkeiten, befeuert durch die Spielervermittler. Dennoch verlangt Vogts von jedem einzelnen Akteur im Borussia-Dress absolute Identifikation mit dem Verein und das Bewusstsein für die Tradition dieses Trikots. Selbst wenn das für manche Ohren etwas romantisch klingen mag, bleiben solche Grundwerte im Fußball für ihn unantastbar.

Für die Zukunft hofft der Ex-Profi, dass im jetzigen Kader wieder wahre Typen und Anführer reifen. Solche Leader sind für ein stabiles Mannschaftsgefüge unverzichtbar, auch wenn dieser Prozess natürlich Geduld erfordert. Ein Befreiungsschlag wie jener im Schwabenland kann solch eine Entwicklung enorm beschleunigen. Damit haben die Profis sich selbst gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt und welche Tugenden gefragt sind. Legt die Truppe diese Einstellung nun dauerhaft an den Tag, werden weitere Siege folgen.

Zunächst steht am Dienstag (27. Oktober, 20.45 Uhr) der enorm wichtige Pokal-Fight gegen den Karlsruher SC auf dem Programm. Ein Ausscheiden in der zweiten Runde wäre nicht nur für die Moral ein herber Dämpfer, sondern auch finanziell extrem bitter. Da die Fohlen-Elf nicht im Europapokal vertreten ist, stellt der DFB-Pokal eine wichtige Einnahmequelle dar. Zu Hause darf Zweitligist Karlsruhe schlichtweg kein Stolperstein sein – und wenn die Mannschaft so auftritt wie nach dem Aufwachen in Stuttgart, zieht Borussia auch souverän in die nächste Runde ein. (red)