„Macht sich genug Gedanken“Gladbach stellt sich nach Patzer-Serie hinter Nicolas

Torwart Moritz Nicolas jubelt auf dem Spielfeld

Copyright: IMAGO/HMB-Media

Torwart Moritz Nicolas durfte in Stuttgart trotz eines groben Patzers über den ersten Saisonsieg jubeln.

Drei heftige Aussetzer, 22 Buden kassiert – dennoch stärkt Borussia Schlussmann Moritz Nicolas den Rücken!

Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem gefeierten Retter plötzlich ein echtes Sorgenkind! Für Moritz Nicolas (29) läuft die aktuelle Spielzeit bislang komplett unrund. Satte 22-mal klingelte es bereits im Gehäuse von Borussia Mönchengladbach – kein anderer Erstligist musste häufiger hinter sich greifen, die Fohlen sind die Schießbude im Oberhaus.

Mitschuld an dieser verheerenden Statistik trägt ausgerechnet jener Schlussmann, welcher dem Verein im Vorjahr noch den Klassenerhalt gesichert hatte.

Nicolas-Wackler in Stuttgart nicht bestraft

Fest steht nämlich: Hätte Nicolas im vergangenen Jahr nicht derart sensationell abgeliefert, stünde der Traditionsklub heute wohl ganz woanders. Kaum auszudenken, in welcher Spielklasse die Elf vom Niederrhein ansonsten derzeit antreten müsste!

Während des 3:2-Auswärtssieges beim VfB Stuttgart unterlief Nicolas bereits der dritte gravierende Aussetzer der laufenden Runde. Obendrein wirkte er beim zweiten Stuttgarter Treffer ziemlich unglücklich, da er zögerte und auf seiner Torlinie kleben blieb. Kurz vor dem Ende folgte dann noch eine Schrecksekunde: Unmittelbar vor dem Schlusspfiff rutschte ihm eine völlig ungefährliche Hereingabe durch die Finger. Dieser haarsträubende Wackler ließ sämtlichen Borussia-Anhängern kurzzeitig das Blut in den Adern gefrieren! Allerdings blieb dem Keeper diesmal das Glück hold. Im Gegensatz zur 3:4-Niederlage gegen Elversberg sowie der herben 0:5-Klatsche im Breisgau gegen Freiburg blieben seine Aussetzer ohne fatale Folgen. Die Vorderleute schaukelten den Dreier letztlich erfolgreich nach Hause.

Wird am Niederrhein jetzt etwa über den Posten zwischen den Pfosten debattiert? Keineswegs! Am Status von Nicolas als unangefochtener Stammkraft wird überhaupt nicht gerüttelt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Verantwortlichen in der Sommerpause mit Daniel Batz (35) einen routinierten Herausforderer verpflichteten, welcher im Vorjahr noch das Mainzer Gehäuse als Stammkraft hütete. Das ist ein starkes Zeichen der Loyalität gegenüber einem Profi, der Enormes für den Verein geleistet hat und zwischendurch immer wieder sein riesiges Potenzial aufblitzen lässt.

Der Keeper erhält die volle Unterstützung. Das berichtet „bild.de“. Rouven Schröder (51) betont die enormen Leistungen des Torhüters aus der Vergangenheit: „Man muss sagen, dass wir ohne Moritz am Ende der letzten Saison nicht neun Punkte über dem Strich gestanden hätten. Er hat da 13-mal zu Null gespielt und er ist ein unfassbar toller Junge. Er macht sich jetzt genug Gedanken wegen der Gegentore, aber das verarbeitet er und wir pushen ihn alle. Er hat auch in Stuttgart einige Dinger gehalten, das darf man nicht vergessen – und am Ende haben wir zusammen gewonnen.“

Man darf bei aller Kritik eines nicht ausblenden: Wegen der löchrigen Hintermannschaft fliegt dem Schlussmann pausenlos ein Ball nach dem anderen um die Ohren. Lediglich der Leipziger Vandevoordt wehrte mit 38 abgewehrten Schüssen exakt einen Versuch mehr ab als Borussias Keeper. Hinzu gesellt sich eine weitere bittere Statistik: Gladbachs Abwehrreihe gestattet der Konkurrenz den zweithöchsten Wert der gesamten Liga bei den „expected goals“ – gemeint sind damit Treffer, die auf Basis der Chancen-Wahrscheinlichkeit errechnet werden. Dieser Wert liegt bei den Rheinländern bei alarmierenden 16,33. Einzig der FC Augsburg schneidet mit 19,74 noch mieser ab.

Allerdings offenbart sich exakt an diesem Punkt eine gravierende Differenz. FCA-Schlussmann Dahmen ließ bislang lediglich 13 Bälle passieren und schneidet somit wesentlich besser ab als statistisch befürchtet. Komplett anders stellt sich die Bilanz bei Nicolas dar: Sein Konto weist ein Defizit von 5,67 Toren auf – kein einziger anderer Erstliga-Stammkeeper schneidet in dieser Kategorie schlechter ab. Das belegt schonungslos, dass ihm zu seiner absoluten Top-Verfassung aktuell noch ein gutes Stück fehlt.

Zwar wollte sich Cheftrainer Alexander Blessin (53) noch nicht final in die Karten schauen lassen, ob Nicolas auch beim Pokal-Duell am Dienstagabend gegen Karlsruhe (20.45 Uhr, live bei Sky) aufläuft oder Vertreter Batz seine Chance erhält. Jedoch hängt diese mögliche Rotation absolut nicht mit den jüngsten Wacklern des Stammkeepers zusammen.

Hierzu bezieht der Übungsleiter unmissverständlich Stellung: „Fehler kommen vor, jetzt geht es darum, den Kopf wieder frei zu bekommen. Moritz ist die Nummer 1 und bleibt die auch, da gibt es nichts dran zu rütteln. Wir haben eine top, top, top Nummer 2, aber Mo hat das so lange richtig gut gemacht, deswegen gibt es da momentan gar keine Diskussion.“ (red)