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Von Achim Müller, Judith Malter

Keine Alibis mehr! Ex-Borusse Effenberg und Sportdirektor Eberl nehmen Gladbach-Spieler in die Pflicht

Stefan Effenberg, Ex-Spieler von Borussia Mönchengladbach und heutiger TV-Experte bei Sport1, nimmt die Spieler der Fohlen nach drei Niederlagen in Folge in die Pflicht - genau wie Sportdirektor Max Eberl.

Stefan Effenberg, Ex-Spieler von Borussia Mönchengladbach und heutiger TV-Experte bei Sport1, nimmt die Spieler der Fohlen nach drei Niederlagen in Folge in die Pflicht - genau wie Sportdirektor Max Eberl.

Borussia Mönchengladbach befindet sich in der Krise! Nach drei Niederlagen in Folge taumeln die Fohlen in der Bundesliga eher Richtung Abstiegsplätze als Richtung internationale Wettbewerbe. Und das, obwohl der VfL in der zweiten Runde des DFB-Pokals noch furios den FC Bayern München mit 5:0 aus dem Borussia-Park schoss. Kein Wunder also, dass der plötzliche Fall der Fohlen auch die Experten in der Talkrunde „Doppelpass“ auf „Sport1“ am Sonntag (12. Dezember 2021) beschäftigte. Ex-Gladbacher Stefan Effenberg (53) fand dort deutliche Worte – und nahm die Spieler der Fohlen in die Pflicht. Genau wie Fohlen-Sportdirektor Max Eberl (48), der der Sendung zugeschaltet war.

Gladbach befindet sich in einer Negativ-Spirale

Gladbach befindet sich weiterhin in der Abwärtsspirale. Nach der Derbyniederlage beim 1. FC Köln (1:4) folgte das desaströse 0:6 im heimischen Borussia-Park gegen den SC Freiburg. Auch im dritten Spiel in Folge blieben die Fohlen ohne Erfolgserlebnis: Bei RB Leipzig gab es ein 1:4.

Kein Wunder also, dass die Fußballwelt derzeit darüber diskutiert, was da gerade in Mönchengladbach los ist. Hatte das Team doch noch vor einigen Wochen ein furioses 5:0 in der zweiten DFB-Pokal-Runde gegen den FC Bayern München geholt und damit eindrucksvoll bewiesen, wozu sie im Stande ist.

In der Liga hinken die Fohlen den eigenen Erwartungen allerdings hinterher, müssen nach drei Pleiten sogar befürchten auf einen Abstiegsplatz abzurutschen. Doch was muss sich ändern, damit das nicht passiert?

„Sport1“-Experte Stefan Effenberg, selbst ehemals Spieler der Fohlen, sieht die Probleme der Fohlenelf vor allem in der Abwehr. Er sagte am Sonntag (12. Dezember) in der Talkrunde: „Die Defensive ist der erste Step, die wieder stabil zu bekommen. Das heißt vielleicht im Umkehrschluss auch mal hinzugehen, und zu sagen, ‚vielleicht muss ich einen Offensiven mal opfern, damit ich diese Kompaktheit wieder hinbekomme und so in die nächsten Spiele reingehe‘.“

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Er fuhr fort: „Ich glaube, dass ist erstmal wichtig, dass man ein Spiel vielleicht mal kein Gegentor mehr bekommt und dann von da mal ein Spiel aufbaut. Wenn das Selbstvertrauen angeknackst ist – und das ist es ja definitiv bei den Gladbachern – suchst du auch nach Führungsspielern.“

Effenberg nach habe ihm die Körpersprache der Borussen nach der Halbzeitpause nicht gefallen, habe diese doch deutlich gemacht, dass man das Spiel bereits abgeschrieben habe – obwohl beim Stand von 0:2 ja noch alles möglich gewesen wäre.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl war am Sonntagmorgen (12. Dezember 2021) im Sport1-Doppelpass zugeschaltet.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl war am Sonntagmorgen (12. Dezember 2021) im „Sport1-Doppelpass“ zugeschaltet.

Gladbachs Manager Max Eberl jedoch sieht das Problem nicht darin begründet, dass der Fohlenelf möglicherweise Typen fehlen. Der 48-Jährige war am Sonntag der Sendung live zugeschaltet und betonte, dass seiner Meinung nach, die Zusammensetzung der Mannschaft vollkommen in Ordnung sei.

Eberl: „Es ist ein guter Ansatz, auch ich werde oft mit dem Thema  Führungsspieler konfrontiert und habe auch schon öfter gesagt, dass mir mit Joshua Kimmich in Deutschland ein Spieler einfällt, der das verkörpert. Der nicht nur die Führungsqualität, sondern auch die Qualität als Fußballer mitbringt. Diese wirklichen Typen fehlen im Fußball. Aber ich bin auch ein Freund, der gerne den Fußball als Spiegelbild der Gesellschaft nimmt und sich fragt: wo gibt's die Typen in der Gesellschaft, der Politik, überall? Sie fehlen uns einfach, ich weiß nicht, was da los ist“.

Er ergänzte: „Die Jungs werden anders erzogen, haben andere Präferenzen. Das ist heute eben anders, da in den NLZs sehr gut und systematisch gearbeitet wird. Die Jungs bekommen viel Unterstützung und sind in der Regel viel besser ausgebildet als damalige Spieler. Aber diese Bereitschaft für etwas zu kämpfen, sich aufzuopfern, alles zu geben, das ist heute eine Problematik in der Gesellschaft, dass die Jugend das eben nicht mehr muss und das kommt dann auch im Fußball an. Und dann kommt es eben dazu, dass wir nicht mehr diese Typen haben.“

Dennoch betonte Eberl, dass es nicht jedem Spieler freistehe, die vom Trainerteam geforderten Aufgaben zu erledigen. „Trotzdem steht es nicht jedem frei, auch wenn er vielleicht nicht der extrovertierte Typ ist, auf dem Platz Aufgaben zu erledigen, die der Trainerstab vorgibt. Verantwortung zu übernehmen für Gegenspieler, in der Offensive den Mut zu haben, das Tor zu machen, das hat für mich nichts mit Führungsqualität zu tun, sondern mit Bereitschaft. Und das kann man schon von jedem einzelnen erwarten.“

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Spieler, die in den schweren Zeiten vorangehen könnten, habe man genug, betonte der VfL-Manager. „Wir haben genug, ich will da gar keinen rausholen. Wir haben mit Yann Sommer, Matthias Ginter, Lars Stindl, Breel Embolo, Christoph Kramer, Stefan Lainer, Ramy Bensebaini  – das sind alles Nationalspieler ihrer Länder. Auch ein Nico Elvedi  hat schon sehr viele Spiele gemacht. Das sind vielleicht alles nicht so extrovertierte Typen, wie es ein Stefan Effenberg war, die sind weniger geworden. Aber trotzdem haben sie die Qualität, Eier zu zeigen, in der Aufgabe das Tor verteidigen zu wollen, sich gegenseitig auch zu feiern, wenn du auch mal ein Tackling hattest und nicht nur einen brillanten Spielzug nach vorne. Diesen Willen, diese Gier, das ist das, was wir wieder reinbekommen müssen. Und das war in den letzten Jahren weniger unsere Qualität, aber das ist das, was nun in den schwierigen Phasen gebraucht wird. Und dass die Jungs das können, das haben sie auch schon gezeigt.“

Daran, dass Trainer Adi Hütter der Richtige ist, die Gladbacher aus der Krise zu holen, hat der Manager der Fohlen keinen Zweifel: „Er hat eine unglaubliche Qualität und Erfahrung“, so Eberl, der nochmals betonte, dass man in den schwierigen Zeiten als Verein zusammenstehe.

Doch an welchen Stellschrauben muss gedreht werden, um die Fohlen nach drei Niederlagen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen? Eberl pflichtete in seiner Ausführung vor allem Effenberg bei, der die Defensive als Hauptproblem des VfL sieht. Dort müsse man daran arbeiten, die alte Stabilität zurückzugewinnen, so Eberl. „Ich denke, wir müssen das wiederfinden, was wir in den zehn Spielen zuvor hatten. Da haben wir nämlich in zehn Spielen nur sieben Gegentore bekommen. Und da waren wir genau auf dem Weg, den sich Adi vorgestellt hat. Dass wir neben unserer Qualität nach vorne es auch geschafft haben, die Abwehr zu stabilisieren. Und da wird Adi wieder ansetzten, wie auch nach der Niederlage, die wir in Augsburg hatten und der Niederlage gegen Hertha, wo wir richtige Reaktionen gezeigt haben und da müssen wir wieder hin.“

Die Ausgangslage sei nun allerdings schwieriger, gab Eberl zu, blieb aber dennoch zuversichtlich. „Es ist natürlich ein bisschen schwieriger mit drei Niederlagen jetzt im Rücken als mit einer Niederlage. Aber, wenn wir die Ansätze und die Abläufe einfach halten, dahin kommen, wo wir waren, dann haben wir die Chance, und daran glauben wir dann auch. Ich bin keiner, der dann alles in Frage stellt. Natürlich hinterfragen wir uns und schweigen auch nichts tot. Wir sind genauso unzufrieden und sind uns bewusst darüber, was wir tun müssen.“

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Besonders darin, dass nun jeder Spieler gefordert sei, pflichtete Effenberg Eberl bei. Er nahm in der Folge nochmals die Spieler der Fohlen in die Pflicht. Effenberg: „Max hat ja was ganz wichtiges gesagt. Er hat gesagt ‚Adi Hütter ist unser Trainer und wir glauben an ihn und daran, dass er auch diesen Turnaround hinbekommt‘. Und damit gibt er den Spielern ja keine Alibis mehr. Also jetzt sind die Spieler in der Verantwortung und nicht der Trainer. ‚Ihr könnt euch nicht drauf verlassen, dass er in ein, zwei oder vier Wochen weg ist, sondern wir halten an dem Trainer fest, weil wir an ihn glauben. Jetzt seid ihr Spieler gefordert‘. Und damit ist der Druck da und damit müssen sie jetzt auch umgehen.“

Auch Eberl betonte abermals, dass man weder den Spielern noch dem restlichen Verein Alibis geben dürfte. „Wir sind alle in der Verantwortung und haben uns alle in diese Situation gebracht.“

Eberl hofft auf Erfolgserlebnis gegen Frankfurt

Nun gelte es, sich im Heimspiel gegen Frankfurt endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu holen, so Eberl. „Frankfurt ist jetzt ein pikantes Spiel, da wir Adi Hütter von Frankfurt verpflichtet haben. Du hast aber jetzt die Chance in diesem Heimspiel, mit den Menschen, die uns im Stadion begleiten können. Dann hoffe ich, dass wir dann ein Stück weit wieder nach vorne machen. Und wie wir dann erfolgreich sind, ist mir dann ehrlich gesagt egal. Hauptsache wir holen wieder ein Erfolgserlebnis.“