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Von Achim Müller

GladbachLIVE-Interview Jetzt spricht Fan-Boss „Tower“: So steht es um „Die Seele brennt“ und Derby-Euphorie

Borussias Fanbeauftragter Thomas „Tower“ Weinmann steht im Borussia-Park und schaut in die Kamera des GladbachLIVE-Fotografen.

Borussias Fan-Beauftragter Thomas „Tower“ Weinmann sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass von einer Restart-Euphorie im Anhänger-Lager derzeit keine große Rede sein könne.

Mönchengladbach - Die Fans der Gladbacher Borussia müssten in diesen Tagen eigentlich auf einer Euphorie-Welle surfen. In der Champions League geht es gegen Klubs wie Real Madrid oder Inter Mailand. Am Samstag (15.30 Uhr) steht in der Bundesliga das Derby beim Rheinland-Rivalen 1. FC Köln an. Doch Borussias Fanbeauftragter Thomas „Tower“ Weinmann macht im Interview mit GladbachLIVE deutlich, warum zahlreichen Fohlen-Fans derzeit eher, bedingt durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie, das Herz blutet.

Herr Weinmann, hinter Borussia liegt der Bundesligastart mit rund 10.000 Fans, die trotz der Coronakrise wieder im Gladbacher Stadion sein durften. Wie ordnen Sie das ein?

Das ist natürlich nicht mit einem normalen Bundesligaspiel zu vergleichen gewesen, aber besser als jedes Geisterspiel. Die Fans waren im Stadion und haben die Mannschaft unterstützt. Das war gut. Natürlich ist es eine andere Stimmung, wenn Masken getragen werden müssen, man den Platz nicht verlassen und keinen Alkohol im Stadion trinken darf. Das hat nichts mit dem normalen Fußballerlebnis zu tun. Aber das ist nun mal in der Zeit jetzt so – dann muss man das auch so hinnehmen.

Hat es Probleme mit den Fans im Stadion gegeben?

Nein, überhaupt nicht. Die Fans haben gezeigt, dass sie die Maßnahmen angenommen und sich entsprechend diszipliniert verhalten haben. Klar ist, dass die Stimmung nicht die gleiche sein kann, als wenn das Stadion ausverkauft wäre.

Wie ist denn die Stimmung in der Gladbacher Fanszene? Ist wegen der Champions-League-Auslosung und dem Bundesliga-Start so etwas wie Euphorie zu spüren?

Nein. Von Euphorie kann da nicht gesprochen werden. Wenn die Fans nicht reisen dürfen nach Madrid oder Mailand, dann erzeugt das keine Euphorie. Für unsere Fans ist es eine Katastrophe, wenn sie in der Champions League nicht zu den Auswärtsspielen reisen können. Das gilt übrigens auch für die Bundesliga. Viele Fans können nicht nachvollziehen, dass in dem Konzept keine Gästefans erlaubt sind. Unsere Fans kommen aus ganz Deutschland, deshalb ist es für unsere Szene beispielsweise eine Katastrophe, dass bei den Auswärtsspielen keine Gladbach-Fans dabei sein können.

Das heißt, dass zahlreichen Gladbach-Fans momentan eher das Herz blutet? Es ist ja auch kein Geheimnis, dass die Borussia sehr reiselustige Anhänger hat.

Ja, das ist so. Wir nehmen ja immer, wenn es das volle Gästekontingent gibt, dieses auch in Anspruch. Und darüber hinaus. Es gibt kaum ein Spiel in den vergangenen Jahren, an das ich mich erinnern kann, bei dem wir nicht das komplette Gästekontingent abgenommen haben. Ob das jetzt 8.000 in Dortmund oder 7.000 in München sind. Das hat auch nicht nur mit der Reisefreudigkeit unserer Fans zu tun. Mit Bayern, Dortmund und Schalke zählen wir zu den vier Vereinen, bei denen die Fans aus ganz Deutschland kommen. Wir haben Fanklubs in Kiel, Lübeck, Berlin, München, überall – die fahren dann entsprechend zu den Spielen. Wir streiten uns da mit Schalke um die dritt- oder viertstärkste Fan-Szene Deutschlands.

Wie geht die aktive Fanszene bei Borussia damit um, dass aktuell die Ultras fernbleiben. Diese Gruppierung hat angekündigt, dann zurückzukehren, wenn im Stadion wieder alles so ist wie vor der Coronapandemie?

Da ist fairerweise zu sagen, dass es da einen guten Austausch gegeben hat. Die Ultras haben entschieden, dass sie nicht mitmachen. Das muss man respektieren. Die Ultras wiederum müssen respektieren, dass andere Fans sagen, dass sie zu den Spielen wollen und sich entsprechend an die Regeln halten.

Bis die Pandemie beendet ist, das kann allerdings noch einige Zeit, wenn nicht sogar Jahre dauern.

Sie sagen es. Da müssen die Ultras eventuell auch mal über ihre Strategie nachdenken, wie lange sie es ohne Borussia aushalten. Oder man dann irgendwann nicht doch zum Entschluss kommt, auch ins Stadion zurückzukommen.

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Am Samstag ist das Derby in Köln. Nur 300 Zuschauer, wegen Corona. Es hätten eh keine Gladbach-Fans kommen dürfen.

Die Rückmeldung, die ich aus der Fanszene bekomme, ist, dass für viele Leute das Spiel in gewisser Art und Weise gar nicht stattfindet. Keinerlei Emotionen. Wenn man nicht fahren und dabei sein kann, dann ist das irgendwie uninteressant. Klar, es sitzen viele vor dem Fernseher und gucken. Aber das Gefühl kann man nicht mit dem normalen Derby vergleichen. Das macht weder den Kölnern noch den Gladbachern Spaß. Das ist eine Katastrophe für den Fußball. Der Verzicht ist ja nicht freiwillig, wie das auch mal im Derby wegen Restriktionen des DFB gewesen ist. Die Situation wegen Corona frustriert die Fanszene.

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Heißt das, dass Sie als Fanbeauftragter, der auch schon einiges mitgemacht hat, schwer einschätzen können, wie sich die Stimmungslage in der Fanszene wegen der Coronasituation entwickelt? Die Fans können sich ja gar nicht ausleben.

Ja, absolut. Man kann ja gar nichts ausleben momentan. Es ist nichts mehr so wie vor Corona. Das Schlimmste ist aus meiner Sicht: Es gehen die sozialen Kontakte verloren. Der Austausch der Fans untereinander. Dieser hat ja sonst durch alle Schichten hinweg stattgefunden. Ob vom Anwalt bis zum Handwerker. Sie trinken sonst zusammen ein Bier und liegen sich in den Armen – das ist alles weg.  Ich gebe ihnen mal ein Beispiel. Zum Heimspiel gegen Union Berlin hatten wir im Fanhaus einen Stammgast, ein älterer Herr. Er sitzt immer ruhig da, schaut sich das Treiben der anderen an und genießt es, in der Menge zu sein. Er war vergangene Woche da, hatte sein Bier in der Hand – und plötzlich Tränen in den Augen. Er hatte es einfach sieben Monate lang vermisst, das erleben zu können. Das ist nur ein kleines Beispiel. Diese sozialen Kontakte sind sehr wichtig. Viele Menschen haben in Borussia und der Fanszene ihr Lebenselixier.

Abschließend: Beim Spiel gegen Union Berlin gab es Irritationen bei den Fans, weil die Hymne „Die Seele brennt“ nicht mehr im Borussia-Park gespielt wird. Was können Sie den Fans dazu sagen?

Nicht viel, weil es sich da um einen Rechtsstreit handelt. Was man sagen muss: Es geht nicht um das Lied. Es gibt ein Markenrechts-Problem. Es geht um die Nutzung des Spruchs „Die Seele brennt“. Da gibt es einen Streit mit den Komponisten. Das hat damals nicht B.O. alleine gemacht, sondern mit Freunden. Diese haben nun eine andere Ansicht. Das wird vor Gericht erklärt. Deswegen hat Borussia entschieden, das Lied nicht mehr laufen zu lassen, bis der Rechtsstreit geklärt ist. Es geht nicht um das Lied, nicht um Urheberrechte, sondern um Markenrechte.

Das Lied wird also irgendwann auch wieder im Borussia-Park zu hören sein?
Davon gehe ich aus. Klar. Am schönsten wäre, wenn es dann wieder gespielt wird, wenn wieder 54.000 Fans bei uns im Stadion sind. Ich glaube, dann kracht die Bude auseinander.

Sehen Sie hier die komplette Pressekonferenz von Borussia Mönchengladbach vor dem Derby in Köln: