Das 101. Aufeinandertreffen steht an: Ein Rückblick auf eine Historie voller Gefühl!
Helden, Dramen, Trainer-BebenDas macht das Rheinderby so brisant

Copyright: imago/Eduard Bopp
Nach einem 0:1 in Köln warf Lucien Favre im September 2015 als Gladbach-Trainer hin.
Die Stimmung ist elektrisiert, wenn am Sonntag (15.30 Uhr) das 101. Bundesliga-Kräftemessen zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach steigt. Für die Fohlenelf, die als Schlusslicht der Tabelle kommt, steht extrem viel auf dem Spiel.
Im Mittelpunkt des Interesses: die beiden Trainer. Alexander Blessin feiert seinen Einstand als Gladbach-Trainer unter maximalem Erfolgszwang. Auf der anderen Seite ist auch René Wagner bei den Geißböcken nicht unumstritten, da vier Zähler aus vier Partien im nervösen Kölner Umfeld als zu mager gelten.
Derby wurde schon oft zum Trainer-Endspiel
Die Historie dieses brisanten Duells ist reich an Trainer-Dramen. Angeheizt wurde die besondere Feindschaft schon früh von Hennes Weisweiler, einem geborenen Kölner, der mit den Fohlen nichts mehr liebte, als seinen Heimatverein zu besiegen.
Oftmals war das rheinische Duell ein Endspiel für den Coach: Eine Niederlage im Derby besiegelte das Ende für Gerd vom Bruch, Jos Luhukay und Lucien Favre. Letzterer warf 2015 nach einer 0:1-Niederlage in der Domstadt sogar selbst das Handtuch. Das Gegenteil erlebte Eugen Polanski, der sich durch einen 3:1-Erfolg im vergangenen November für die Position des Chefcoaches qualifizierte. Das berichtet „rp-online.de“.
Aber nicht nur Übungsleiter, sondern auch Akteure stiegen bei dieser Begegnung zu wahren Helden auf. Legendär bleibt Günter Netzer, der im DFB-Pokalendspiel 1973 nach seiner legendären Eigen-Einwechslung den entscheidenden Treffer zum 2:1 markierte. Derselbe Netzer hatte die Borussia bereits 1969 mit drei Toren im Alleingang zum Triumph geführt.
In seine Fußstapfen traten später Martin Max (1993) sowie Arie van Lent (2002), welcher für seinen Dreierpack lediglich 14 Minuten benötigte. Und natürlich darf Jupp Heynckes nicht fehlen, der mit seinen elf Treffern im Derby zum größten Albtraum für die Kölner wurde.
Zusätzlich zu den Knipsern verewigten sich auch andere Protagonisten in den Annalen. Keeper Wolfgang Kleff brachte die Kölner Offensive im Pokalendspiel 1973 schier zum Wahnsinn, und Uli Sude hielt 1984 beim 5:1-Kantersieg sogar zwei Strafstöße. Wiederum andere wurden zu Last-Minute-Helden: Granit Xhaka nickte die Fohlen 2015 in den Schlussminuten zum Erfolg, und Lars Stindl war es, der 2017 zehn Minuten vor dem Abpfiff den 3:2-Sieg in der Domstadt sicherstellte.
Für das jetzige Team der Fohlen könnte sich das anstehende Derby als gewaltige Möglichkeit erweisen. Alexander Blessin setzt auf eine Trendwende: „Das Derby kann für uns eine Initialzündung sein. Genau das wollen wir für uns nutzen.“
Ähnlich sieht es Angreifer Robin Hack, der das Potenzial erkennt: „Wenn man solche Spiele positiv gestaltet, kann das sehr schnell auf die Fans und das Umfeld überspringen und wieder ein bisschen Euphorie erzeugen. Das kann auch für die Wochen danach wichtig sein.“ Ein Erfolgserlebnis könnte, ähnlich wie nach dem 3:1-Sieg in der letzten Spielzeit, eine positive Welle auslösen und die schlimmsten Nöte erst einmal beenden.
Wie unvorhersehbar diese Partie ist, hat die jüngere Historie bewiesen. Die letzte Begegnung im März war ein turbulentes 3:3, das den damaligen FC-Coach Lukas Kwasniok den Posten kostete. Bei den Fohlen überragte Jens Castrop mit zwei Treffern und einem Assist. Am Sonntag folgt nun das nächste Kapitel – und die große Frage lautet, wer sich dieses Mal zum Matchwinner krönt oder zur tragischen Gestalt wird. (red)

