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Von Jannik Sorgatz

Dänemark als Bundesliga-Vorbild? Borussia plant neue Saison: Dauerkarten erst ab Rückrunde

3000 Zuschauer dürften beim Derby zwischen Brøndby IF und dem FC Kopenhagen ins Stadion.

3000 Zuschauer dürften beim Derby zwischen Brøndby IF und dem FC Kopenhagen ins Stadion.

Mönchengladbach - Jede zweite Reihe und dann nur jeder vierte Sitz – 3000 Fans fanden so vor einer Woche den Weg ins Brøndby Stadion zum Kopenhagen-Derby. Bald sollen es schon 10.000 sein dürfen.

Die Akustik von den Rängen erweckt in den Videos vom Spiel den Eindruck, als habe jeder der Zuschauer ein Ansteckmikro getragen. Gleichzeitig hatte die Szenerie mit den wenigen, in regelmäßigen Abständen besetzten Plätzen absurde Züge – doch ein ähnliches Szenario könnte auch für die Bundesliga im September einen ersten Schritt zurück zur Normalität bedeuten.

Gladbach-Trainer Rose macht der Bundesliga ein Kompliment

Seit Wochen arbeitet die Deutsche Fußball Liga (DFL) an einem Konzept, um wieder Fans in die Stadien zu lassen, wenn die neue Saison (sehr wahrscheinlich nicht vor dem 11. September) beginnt. Als Anfang Mai die Pläne zum Restart der Liga vorgestellt und abgesegnet wurden, hatten die Befürworter in repräsentativen Umfragen allenfalls dünne Mehrheiten.

Nach dem letzten Spieltag konnten die Protagonisten nun positive Resümees ziehen. „Ich muss allen im Fußball ein großes Kompliment machen. Es ist gut gelaufen. Wir haben eine gewisse Vorreiterrolle eingenommen“, sagte Gladbach-Coach Marco Rose (43).

Während die Top-Ligen in England, Spanien und Italien noch spielen, kann sich die Bundesliga nun noch schon konkrete Gedanken machen, wie es weitergehen soll. „Alle Mannschaften, alle Vereine, fast alle Spieler haben es unglaublich diszipliniert umgesetzt. Das Konzept war die Vorlage“, sagte Borussias Manager Max Eberl (46) im „Sportstudio“. „Wir haben große Hoffnung, dass wir, wenn alle Lockerungen so bleiben, wir die Pandemie weiter in den Griff bekommen und die Menschen fleißig die Corona-App herunterladen, in der neuen Saison auch irgendwann wieder Zuschauer im Stadion haben werden.“

Corona-App verpflichtend für den Stadionbesuch?

Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert (48) preschte am Wochenende bereits vor und mahnte an, sofort in Richtung voller Stadien zu denken: „Wir wollen nicht darauf hinaus, vor 5000 Zuschauern, sondern vor 22.000 Zuschauer zu spielen.“ Borussia-Trainer Rose gab sich da moderater: „Wir haben in den vergangenen Tagen gemerkt, dass das auf wackligen Beinen steht“, sagte er.

Der Sportmediziner Fritz Sörgel (69) sagte im „Tagesspiegel“: „Dass irgendwann in der nächsten Saison wieder 80.000 Zuschauer im Dortmunder Stadion sind, halte ich für nahezu ausgeschlossen. Ich denke, wir müssen mit dem Coronavirus für immer in irgendeiner Form leben.“ 

Bei einer ähnlichen Platzvergabe wie in Brøndby dürften zunächst 5000 bis 6000 Fans ins Gladbacher Stadion. Wäre die Corona-App verpflichtend für den Einlass? Wie würde er über die Bühne gehen? Wäre ein Mund-Nase-Schutz nötig? Würden Bier- und Würstchenbuden öffnen? Die Fragen, die es zu klären gilt, dürften mitunter noch deutlich detaillierter ausfallen.

Borussia Mönchengladbach feiert vor Pappkameraden-Kulisse

Die Perspektive ist aktuell gut: Trotz der Corona-Ausbrüche in mehreren Fleischverarbeitungsbetrieben, besonders im Kreis Gütersloh bei der Firma Tönnies, gibt es momentan nur etwa 7600 aktive Fälle in Deutschland, weniger als einen pro 10.000 Einwohner. Letztendlich ist es vor allem diese Zahl, die bestimmt, wann wieder Zuschauer in die Stadien dürfen und wie viele.

„Das wäre schon ein wichtiger Punkt für die neue Saison“, sagte Gladbach-Coach Rose. Am Samstag hatten er und seine Mannschaft den Einzug in die Champions League vor der Kulisse von 22.000 Pappkameraden im Borussia-Park feiern müssen. Draußen veranstalteten unterdessen vereinzelte Fans einen Autokorso.

Pro Geisterspiel verliert Gladbach 1,4 Millionen Euro

Borussia hat sich längst intensive Gedanken gemacht. In anderen Jahren war der Dauerkartenverkauf Ende Juni schießlich bereits beendet, nun warteten die Fans sehnsüchtig auf Infos. Am Dienstag teilte der Verein mit, dass Dauerkarten 2020/21 erst ab der Rückrunde gelten und deshalb nur halb so teuer sein werden. Mitte August sollen die Beträge abgebucht werden, ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag kommt dann in die Klubkasse.

Borussia gab zudem bekannt, von ursprünglich geplanten Preiserhöhungen abzusehen. Sollten in der Hinrunde teilweise schon wieder Fans ins Stadion dürfen, kämen zuerst die Dauerkarteninhaber zum Zug. Tageskarten im freien Verkauf wird es erst wieder geben, wenn mehr als 30.000 Zuschauer zugelassen sind. Überhaupt dürfte mindestens bis Weihnachten eine gewisse Spontanität erforderlich sein: „Zum Verkauf angeboten werden lediglich Tickets zu Spielen, bei denen die erlaubte Zuschauerkapazität laut Corona-Schutzverordnung geklärt ist.“

Parallel läuft die Abwicklung der Rückerstattungen für die fünf Geister-Heimspiele der Vorsaison an. Geschäftsführer Stephan Schippers (52) teilte auf GladbachLIVE-Nachfrage mit, dass 5500 der 30.000 Dauerkarteninhaber auf ihr Geld verzichtet hätten.

Gladbach kann nicht mit Zuschauereinnahmen kalkulieren

Borussia sind seit dem Restart rund 13 Millionen Euro an einkalkulierten Einnahmen durch die Lappen gegangen. „1,4 Millionen pro Spiel“ nannte Schippers als Größenordnung, zusammengesetzt aus Tickets, Gastronomie und Merchandising.

Bis Weihnachten fest mit Zuschauereinnahmen zu rechnen, wäre aus unternehmerischer Sicht vermessen. Auch wenn die Bundesliga auf einem guten Weg ist, im Herbst zumindest ein paar Tausend Fans in die Stadien zu lassen.