Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Von Achim Müller

„Diese Mannschaft ist...“ Hütter-Leaks! Verrät Ex-Coach die unangenehme Gladbach-Wahrheit?

Ex-Gladbach-Trainer Adi Hütter (r.) mit seiner Frau Sabine bei der Leonidas Sportlerwahl-Gala am 30. März 2023 in Salzburg. Hütter umarmt auf dem roten Teppich seine Sabine.

Ex-Gladbach-Trainer Adi Hütter (r.) mit seiner Frau Sabine bei der Leonidas Sportlerwahl-Gala am 30. März 2023 in Salzburg.

Seit fast genau einem Jahr ist Adi Hütter nicht mehr Fohlen-Trainer. Am 14. Mai 2022, nach einem 5:1-Sieg im letzten Saisonspiel gegen die TSG Hoffenheim, hat der 53-Jährige seinen Abschied aus Gladbach verkündet.

Adi Hütter ist als das teuerste Trainer-Missverständnis in die Geschichte von Borussia Mönchengladbach eingegangen, der Klub hatte ihn im Sommer 2021 für eine Rekord-Ablöse von 7,5 Millionen Euro mit Hilfe einer Ausstiegsklausel von Eintracht Frankfurt geholt.

Doch es wurde nicht die Traum-Liaison zwischen Klub und dem smarten Österreicher, nach der es zu Beginn noch ausgesehen hatte. 

Spricht Ex-Gladbach-Coach unangenehme Borussia-Wahrheiten aus?

Nicht eingehaltene Versprechungen, missverständliche Absprachen, persönliche Enttäuschungen, Meinungsverschiedenheiten und ein Sportdirektor (Max Eberl) als Vetrauenperson, die plötzlich ihren Abgang verkündet, dazu klimatische Störungen mit einigen Spielern – Hütter hat nicht sein Trainerglück am Niederrhein gefunden.

Mit einiger zeitlicher Distanz zu den Ereignissen hat sich der Coach im aktuellen Podcast „Kicker Meets DAZN“ nun im Gespräch mit Benni Zander und Alex Schlüter auf Nachfrage noch einmal ausführlich zu mehreren Gladbach-Themen geäußert und seine Sicht der Dinge dargestellt. 

Und es dürfte so manchen Fohlen-Fan aufhorchen lassen, was Hütter berichtet.

Dass Gladbach auch unter Hütter-Nachfolger Daniel Farke (46) eine verkorkste und überwiegend enttäuschende Saison bislang hingelegt hat, überrascht Hütter offenkundig nicht wirklich.

Vielmehr spricht er Dinge an, die auch von Farke bereits mehrfach dargelegt worden sind. Hütter berichtet unter anderem vom Wankelmut der Fohlen-Elf und der aus seiner Sicht mangelnden Wiederstandskraft.

Und er betont: „Wir haben uns sauber und einvernehmlich getrennt. Ich wurde nicht entlassen. Das habe ich nun schon das eine oder andere Mal gelesen. Und da bin ich immer ein Gerechtigkeitsfanatiker. Ich wurde nicht entlassen, sondern wir haben uns zusammengesetzt, wir hatten unterschiedliche Auffassungen, unterschiedliche Ansichten, entsprechend haben wir auch eine einvernehmliche Trennung vollzogen. Das ist Fakt.“

*Anzeige: Aktuelle Gutscheine für den Fanshop von Borussia Mönchengladbach im EXPRESS-Gutscheinportal sichern*

Dabei, so Hütter, sei er zunächst mit einem „richtig guten Gefühl“ an die neue Herausforderung VfL Borussia herangegangen.

Der Österreicher sagt: „Ich hatte gute Gespräche mit Max Eberl und bin auch voller Euphorie dahingegangen, aber es haben sich dann einige Dinge absolut verändert und verschoben. Deswegen war es auch nicht so einfach. Trotzalledem sind wir Zehnter geworden, haben jedoch keine gute Saison hingelegt.“

Er betont: „Aber die Mannschaft hatte sich auch schon dahingehend entwickelt. Platz acht, Platz zehn. Wir konnten keine neuen Spieler kaufen. Wir hatten damals schon über neue Spieler gesprochen, aber es hat sich relativ wenig getan. Warum und wieso – das ist immer schwierig zu beantworten. Da war ich auch nicht immer involviert. Ich denke, dass das für Max auch nicht immer einfach war.“

Der emotioanle Turnaround ereignete sich für Hütter wohl, als er vom Eberl-Abgang erfahren sollte.

Er beschreibt die Ereignisse inzwischen so: „Auf der anderen Seite holte mich dann Max Eberl Mitte September, Anfang Oktober (2021, Anm. d. Red.), ins Büro und ich hatte dann ein Dé­jà-vu, weil das in Frankfurt ja auch so war, mit dem Fredi (Bobic, Anm. d. Red.), dass der Max dann gekomen ist und gesagt hat, er kann nicht mehr, er ist krank – und das war für mich auch ein Nackenschlag, weil ich dort einiges bewegen wollte.“

Zur Einordnung: Fredi Bobic hatte Frankfurt nicht aus gesundheitlichen Gründen verlassen, sondern weil er ein Angebot von Hertha BSC angenommen hatte. Hütter verlor so seinen wichtigsten Ansprechpartner bei der Eintracht, was letztendlich auch zum Gladbach-Wechsel führte.

Bei Borussia ist Eberl Hütters wichtigste Vertrauensperson gewesen, bis dieser ihm den plötzlichen Abschied als Sportdirektor und Geschäftsführer verkündete.

Folgen Sie uns auf Instagram: @gladbachlive

Hütter sagt weiter zu den Hintergründen seines Scheiterns in Gladbach: „Und dann war es so, dass mit der Art und Weise, wie ich Fußball spielen lassen wollte, die Mannschaft jedoch nicht ganz einverstanden gewesen ist und ein bisschen in eine andere Richtung gedacht hat. Und dann muss man sich irgendwann zusammensetzen und einfach eine Entscheidung treffen.“

Was die aktuelle sportliche Situation im Borussia-Park betrifft, dazu sagt der Ex-Fohlen-Coach:„ (...) Borussia Mönchengladbach ist jetzt an der gleichen Stelle wie zu dem Zeitpunkt, als ich damals aufgehört habe. Sie stehen jetzt vor einem Umbruch. Den wollte ich schon einleiten, ich habe schon mit vier jungen Spielern gespielt, mit Netz, mit Scally, mit Koné, Louis Jordan Beyer, der jetzt bei Burnley ist.“

Hütter sagt, diese Profis hätten bei ihm „schon viele Spiele gemacht“. Er habe den Umbruch einleiten wollen.

Aber?

„Wir hatten unterschiedliche Auffassungen, dann bin ich immer einer, der sagt, okay, trennen wir uns fair, wie es sich gehört, dann macht es auch keinen Sinn, in die Pause zu gehen und weiterzumachen.“

Schließlich bohrten die Moderatoren Zander und Schlüter weiter nach, berichteten davon, dass diese Fohlen-Elf immer wieder Fragezeichen aufwerfe, es schwer nachzuvollziehen sei, weshalb es regelmäßig solche Leistungsschwankungen gebe.

Sie fragten Hütter schließlich:„ Ist diese Mannschaft nicht eigentlich besser? Was fehlt?“

Dieser antwortete: „Es wird jedes Jahr behauptet, dass das eine Spitzenmannschaft ist. Sie hat immer mal eine gute Phase, fußballerisch, wenn sie ihren Tag hat. Was glauben Sie, was ich sagen soll, ja? Wir haben Bayern München im Pokal mit 5:0 aus dem Stadion geschossen, mit einer überragenden Leistung. Ich glaube, drei Wochen später verlieren wir zu Hause gegen Freiburg 0:6, es hat schon zur Pause 0:6 gestanden.“

Hütter stellt schließlich die Gegenfrage: „(...) Hat der Trainer Adi Hütter beim 5:0 gegen Bayern München so einen überragenden Job gemacht? Und drei Wochen später so einen ganz schlechten?“

Die Antwort gibt er im gleichen Atemzug selbst: „Nein! Es ist einfach so, dass diese Mannschaft sehr launisch ist. Sie hat auch Probleme, mit Wiederständen zu kämpfen.“

Hütter, einmal angepikst, geht immer mehr ins Detail: „Auch wenn ich Daniel Farke sehe, wenn ich seine Aussagen höre, dann kommt es auch immer wieder dorthin, dass halt immer wieder in speziellen Auswärtsspielen, wenn es hart auf hart geht, dass die Jungs dann teilweise den Kampf nicht so annnehmen können. Weil sie halt immer wieder versuchen, fußballerische Lösungen zu haben.“

Der Fußball, so Hütter, habe sich jedoch auch verändert. „Es geht halt auch immer wieder um die Laufbereitschaft, es geht um Zweikämpfe, die muss ich annehmen. Ich muss ein Spiel annehmen.“

Folgen Sie uns auf Twitter: @gladbachlive

Er wird noch deutlicher: „Fußballerische Qualität ist auf alle Fälle da, aber jetzt nach Platz acht, Platz zehn, möglicherweise wieder Platz zehn – sie haben momentan 39 Punkte, wir haben mit 45 beendet, sie haben noch Dortmund auswärts, Leverkusen auswärts, und wenn sie nicht erneut um die 45 Punkte erreichen, ist es eigentlich wieder eine schlechte Saison. Und dann muss man sich natürlich schon irgendwann hinterfragen, ob der Kader in der Form so gut zusammengestellt ist, um zu sagen, dass das eine Spitzenmannschaft ist.“

Und spätestens jetzt dürfte auch so ziemlich jeder Gladbach-Fan einen Dé­jà-vu-Moment verspüren.

Denn ähnliche Worte samt Inhalt zum Thema Kaderstärke hört die derzeit murrende und knurrende Fohlen-Basis fast wöchentlich vom aktuellen Fohlen-Trainer, von Daniel Farke. 

Folgen Sie uns auf Facebook: @gladbachlive

Adi Hütter wird übrigens aktuell mit einem Wechsel in die englische Premier League in Verbindung gebracht. Spruchreif ist allerdings wohl noch nichts.

Hütter soll bei Crystal Palace ein Thema sein. „Ich gehe davon aus, dass ich vielleicht ein Kandidat von mehreren bin. Wenn es so, ist, wäre das super. Ob man dann am Ende den Zuschlag bekommt, steht auf einem anderen Blatt Papier.“

Und dann gibt es auch die Gerüchte, dass Hütter womöglich zur Frankfurter Eintracht zurückkehren könnte, sollte es bei den Hessen alsbald zur Trennung von Trainer Oliver Glasner (48) kommen.

Das sei auch noch erwähnt: Für den „einvernehmlichen Abgang“ in Gladbach soll Hütter im vergangenen Jahr von den Borussia-Bossen auch eine satte Millionen-Abfindung bekommen haben.