Ausgerechnet Rocco Reitz netzt gegen seinen Herzensklub ein. Sein Jubel ist weniger verhalten, als es sich so manche Fans erhofft hätten.
Fan-Wut, Sonderlob und GesteGroße Aufregung um Reitz-Auftritt: „Soll er vorbeischießen?“

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Rocco Reitz, weiterer Spieler und Fans.
Ein Drehbuch, wie es nur der Fußball schreibt! Rocco Reitz, der kürzlich noch das Trikot von Borussia Mönchengladbach mit der Kapitänsbinde zierte, markiert seinen Premierentreffer für RB Leipzig – und das auch noch gegen den Klub seiner Jugend!
Der Treffer zum 3:0 in der 66. Minute war eine Augenweide: Im Mittelfeld eroberte er den Ball, wobei Philipp Sander ebenfalls involviert war. Dann ging Reitz steil, erhielt ein Traumzuspiel von Christopher Nkunku und ließ seinem früheren Teamkameraden Moritz Nicolas mit einem Tunnel keine Chance.
Reitz mit zwiespältigem Jubel – Sonderlob von Trainer Demichelis
Direkt nach dem Tor dann die zwiespältige Geste: Reitz reckte zwar entschuldigend die Hände in die Luft, konnte sich aber ein Grinsen und eine frech für die Fotografen herausgestreckte Zunge nicht verkneifen.
„Das ist für mich ein sehr besonderes Spiel gewesen“, gestand der zentrale Mittelfeldmann. Sein Plan sei gewesen, die besondere Konstellation auszublenden und „einfach Gas zu geben“. Dabei war sein Einsatz in der Startformation keineswegs gewiss, denn eine heftige Infektion hatte ihn während der Vorbereitung außer Gefecht gesetzt. Von einer „krassen Punktlandung“ sprach Reitz daher selbst. Das berichtet „rp-online.de“.
Im Gästeblock kam die Aktion des ehemaligen Publikumslieblings gar nicht gut an. Die Fans aus Gladbach reagierten mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert und Schmährufen. Transparente gab es keine, doch die feindselige Stimmung war deutlich.
Zu seinem Torjubel sagte Reitz: „Aus Respekt vor meiner ganzen Zeit bei der Borussia habe ich versucht, meine Emotionen zurückzunehmen“. Er sei auf die feindseligen Reaktionen vorbereitet gewesen, habe aber nicht bewusst hingehört.
Ganz anders die Töne von seinem neuen Coach Martin Demichelis, der nur lobende Worte fand. Bereits vor der Begegnung hatte dieser klargemacht: „Wenn er spielt oder reinkommt, muss er ein Tor machen, so einfach ist es“. Im Anschluss an das Match gab es dann Sonderlob für seinen Schützling: „Ich freue mich für ihn. Er ist ein sehr intelligenter Spieler und hat gezeigt, wie wichtig er für Leipzig werden kann.“
Rouven Schröder über Reitz-Auftritt: „Klar polarisiert so ein Tor“
Auf Seiten der Gladbacher versuchte man, die pikante Rückkehr nicht überzubewerten. Trainer Eugen Polanski erklärte: „Ich habe mich auf meine Spieler konzentriert und hatte keinen Kontakt vorher zu Rocco“.
Sportchef Rouven Schröder zeigte sich ebenfalls entspannt: „Ich habe kurz nach dem Spiel mit ihm gesprochen und wie üblich unter Sportlern zum Sieg gratuliert. Klar polarisiert so ein Tor – aber was soll er machen? Soll er vorbeischießen?“
Eine bemerkenswerte Geste von Reitz folgte allerdings noch: Er richtete Genesungswünsche an Daiki Hashioka. Der Japaner hatte sich in der 72. Minute so schlimm verletzt, dass er auf einer Trage vom Feld gebracht werden musste. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim belgischen Klub St. Truiden. „Ich hoffe natürlich, dass da nichts Weiteres passiert ist. Ich schreibe ihm gleich noch eine Nachricht“, versprach Reitz.
So ging der Abend für Reitz mit einem Sieg im ersten Aufeinandertreffen mit seiner alten Liebe zu Ende. Und die nächste Konfrontation kommt bestimmt: Schon im Januar findet das Rückspiel im Borussia-Park statt. Das verspricht, wieder eine extrem emotionale Kiste zu werden. (red)

