Immer mehr Ausfälle, immer größere Zweifel.
Derby-AlarmDie Fitness-Krise spitzt sich in Gladbach dramatisch zu

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Trainer Alexander Blessin mit Mannschaft im Training.
Die Woche des Derbys hat begonnen, und bei Borussia Mönchengladbach ist die Anspannung förmlich greifbar. Für die erste Trainingseinheit vor dem hochexplosiven Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Köln am Sonntag versammelte Alexander Blessin sein Team am Dienstag (6. Oktober 2026).
Nach dem enttäuschenden 1:1 im Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli legte der neue Trainer den Fokus direkt auf mehr Biss in der Abwehr. Der Auftakt ins Training erlebte jedoch einen herben Dämpfer. Nach lediglich 30 Minuten musste Spielführer Tim Kleindienst das Training beenden; er ging mit Muskelbeschwerden vom Platz. Ein denkbar schlechtes Vorzeichen für das bedeutendste Spiel der Hinrunde.
Blessins Plan und die knallharte Wirklichkeit
Der Verlust des Spielführers ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Fohlen sind vom Verletzungspech heimgesucht. Ein ganzes Quartett fehlt sowieso schon: Enzo Leopold (Kreuzbandriss) und Jens Castrop (Schulter-OP) sind ebenso außer Gefecht wie Franck Honorat (Muskelverletzung) und Nicolas Kühn (Muskelbündelriss).
Die Liste der Profis, die in dieser Saison schon mit Muskelbeschwerden kämpften, ist schockierend lang und stellt eine brutale Frage in den Raum: Haben die Gladbacher überhaupt die nötige Fitness für den intensiven Fußball, den Blessin spielen lassen will? Das fragt „rp-online.de“.
Am Niederrhein soll ein Fußball etabliert werden, der von Kraft und hoher Intensität lebt – das ist der Wunsch von Alexander Blessin, genau wie von seinem Vorgänger Eugen Polanski. „Wir haben aber gemerkt, dass für uns die Grundbasis Intensität sein muss“, hatte Polanski im Sommer noch unterstrichen. Die Wirklichkeit zeichnet jedoch ein düsteres Bild. Die permanenten Ausfälle lassen vermuten, dass die Mannschaft diesen Ansprüchen momentan nicht gerecht werden kann. Beinahe zynisch wirken da die Aussagen von Blessin, die er bei seiner Vorstellung vor zwei Wochen tätigte: „Was wir natürlich nicht brauchen, sind irgendwelche muskulären Verletzungen.“
Ein Blick auf die Zahlen stiftet allerdings große Verwirrung. Die Werte deuten nämlich nicht auf ein grundsätzliches Fitnessdefizit hin. Ganz im Gegenteil: Bei der zurückgelegten Distanz kletterte Gladbach in der Liga von Position 17 auf Rang zwölf. Bei den Sprints verbesserte sich das Team sogar von Platz 13 auf neun. Lediglich bei den intensiven Läufen ist der Unterschied kaum messbar. Blessin kommentierte dies selbst mit den Worten: „Die Laufwerte waren in den ersten Spielen so, dass man sagen kann, dass es akzeptabel und auf einem guten Niveau ist.“
Anscheinend kommt es also nicht nur auf die Quantität, sondern vor allem auf die Qualität der Laufwege an. Im Verein müssen jetzt entscheidende Fragen beantwortet werden: Ist die Belastungssteuerung ideal? Lassen sich bei den Verletzungen wiederkehrende Muster erkennen? Oder fehlt den Spielern am Ende die mentale Frische? In den ersten Saisonspielen machten zahlreiche Akteure einen behäbigen, erschöpften und matten Eindruck – sowohl körperlich als auch geistig.
Wie sehr diese Frische fehlt, wird in der Endphase der Partien gnadenlos deutlich. Kein anderes Team der Bundesliga hat nach der 76. Spielminute mehr Gegentreffer hinnehmen müssen als die Borussia (sieben). Blessin muss dringend einen Weg finden, seine Spieler mental zu erreichen und ihnen klarzumachen, dass sie bis zum Schlusspfiff voll da sein müssen. Seine Ansage nach dem Test gegen St. Pauli war eindeutig: „Ein tiefer Block heißt nicht, dass wir inaktiv sein dürfen. Das müssen wir einfach lernen.“
Die Uhr tickt jedoch. Die Borussia befindet sich im Tabellenkeller und benötigt dringend Zählbares. Das bevorstehende Derby in Köln bietet die erste große Möglichkeit für eine Wende. Dafür muss das Team aber endlich die verlangte Power auf den Rasen bringen, ohne dabei einzubrechen. Für den neuen Coach ist das eine gewaltige Herausforderung. (red)

