Polanski nachdenklichGladbach-Coach wundert sich über Fan-Kritik

Eugen Polanski schaut im Gladbach-Training auf die Uhr.

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Eugen Polanski beim Gladbach-Training.

Der Coach der Fohlenelf nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Kritik geht.

Eugen Polanski startet in seine erste vollständige Spielzeit als Chefcoach bei Borussia Mönchengladbach und macht einen entschlossenen und sortierten Eindruck. Der 40-Jährige ist sich der Lage bewusst: „Ich bin der Erste, der fliegt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.“

Seine Art der Führung umschreibt er so, dass er die Richtung vorgibt. Er will als Anführer agieren, lässt aber den Spezialisten in seinem Team, etwa den Physios oder den Analysten, freie Hand in ihren Fachgebieten. Erst wenn etwas schiefläuft, fragt er nach, um unterstützen zu können. Absolut nicht ausstehen kann er Sprüche wie: „Wir haben das immer schon so gemacht, deshalb lassen wir es so.“

„Ich sage, dass Platz zwölf das Minimalziel ist“

Vor allem die kritischen Stimmen der abgelaufenen Saison haben Polanski nachdenklich gemacht. Er räumt ein, dass er „schon verwundert“ gewesen sei, wie rasant Kritik entstand, von wem sie kam und in welchem Ton sie geäußert wurde. Er zieht dabei eine scharfe Trennlinie zwischen Äußerungen im Netz und dem persönlichen Austausch.

„Ich kann mich an keinen Fan erinnern, der mir persönlich ins Gesicht gesagt hat: ‚Das und das ist Mist‘“, stellt er klar. Im direkten Kontakt sei die Wortwahl wesentlich zurückhaltender als auf Social-Media-Plattformen. Das berichtet „rp-online.de“.

Polanski plädiert für mehr Bodenhaftung bei den Erwartungen. Zwar sei vielen die glorreiche Vergangenheit mit Champions-League-Nächten noch präsent, aber für eine faire Beurteilung müsse man die derzeitigen finanziellen Rahmenbedingungen und die Kaderstärke einbeziehen.

Als ihn ein Anhänger im Trainingscamp auf das Saisonziel Platz zwölf festnageln wollte, machte er deutlich: „Ich sage, dass Platz zwölf das Minimalziel ist.“ Er versprach, alles zu geben, um „das Maximale herauszuholen“, was sehr gerne auch eine bessere Platzierung sein könne.

Wenn er auf die letzte Saison zurückblickt, in der er die Mannschaft nach dem dritten Spieltag übernahm, erkennt er zahlreiche Hürden. Die Ergebniskrise, der Trainer-Tausch und etliche Verletzungsausfälle hätten das Mannschaftsgefüge erschüttert. Deshalb zollt er den Fans besonderen Respekt.

Im Vorjahr hätten diese ein „unglaubliches Feingefühl für die Situation“ gezeigt. Als Beleg führt er die Reaktion nach der Partie bei Union Berlin an. Anstatt das Team fertigzumachen, gab es aus der Kurve eine unmissverständliche, aber aufbauende Botschaft. Die Forderung der Fans damals: Die Mannschaft solle sich „den Arsch aufreißen“.

Für die kommende Spielzeit verfolgt Polanski eine genaue fußballerische Idee. Das Team müsse „zu uns selbst unangenehm sein, um für den Gegner unangenehm zu sein.“ Im Trainingsalltag soll es auch mal an die Schmerzgrenze gehen. Taktisch soll das Spiel „deutlich vertikaler werden“.

Zu viele seitliche Pässe, die den Kontrahenten zu Druckphasen einladen, möchte er künftig vermeiden. Stattdessen liegt der Fokus auf Aktionen wie Steil-Klatsch-Pässen, dem Vorstoßen in die Tiefe und dem Herstellen von Überzahl, um gefährlicher vor das Tor zu kommen.

Dabei soll Kapitän Tim Kleindienst eine zentrale Figur werden, der nach seiner langen Zwangspause aber noch nicht wieder voll da ist. „Aktuell reicht das noch nicht für 90 Minuten Bundesliga“, sagt Polanski, hebt aber hervor, dass Kleindienst athletisch in Top-Form ist. Mit Isac Lidberg ist außerdem ein Akteur im Kader, der ihn vertreten oder an seiner Seite auflaufen kann. Die Befürchtungen um seine eigene berufliche Zukunft nach der Saison erwiesen sich für Polanski übrigens als unbegründet. Der Austausch mit Rouven Schröder sei „immer offen und ehrlich“ verlaufen, weshalb er die Situation gelassen sah.

Seine Aufgabe als Coach bei dem Klub, der seine sportliche Heimat ist, betrachtet er mit einer gewissen Bescheidenheit. Als Aktiver beging er den Fehler, „in diesem Verein alles machen zu wollen“, was sich als nicht erfolgreich erwies. Diesen Fehltritt möchte er als Übungsleiter vermeiden. Er kennt die Gesetze der Branche und weiß, dass er als Erster seinen Hut nehmen muss, wenn die Erfolge fehlen. Sein Ziel ist es, die Spieler voranzubringen und ein starkes Kollektiv zu schmieden. 

Trotz allen Drucks macht ihn dieser Job unheimlich stolz. In Deutschland einer der 18 Bundesliga-Coaches zu sein, und das ausgerechnet bei dem Verein, für den sein Herz schlägt, ist für ihn eine „Ehre und Verpflichtung zugleich“. (red)

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