Endlich kein Gegentreffer, endlich der erste Heim-Zähler! Doch Coach Blessin warnt: Die Fohlen sind noch nicht gerettet.
Blessin bremst die EuphorieErste Liga-Null, aber Gladbach bleibt „auf der Intensivstation“

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Trainer Alexander Blessin jubelt am Spielfeldrand.
Endlich ist der Bann gebrochen! Zum allerersten Mal in der laufenden Bundesliga-Spielzeit hielt Borussia Mönchengladbach den eigenen Kasten komplett sauber.
Die Nullnummer gegen den SC Paderborn brachte den Fohlen zugleich den ersten Zähler im eigenen Stadion ein. Zwar klemmte vor dem gegnerischen Gehäuse erneut die Säge, da die Kugel einfach nicht über die Linie wollte. Chefcoach Alexander Blessin bilanzierte nach Spielende dennoch wohlwollend – und forderte dazu auf, dieses Resultat im großen Ganzen zu sehen.
Deutliche Worte für alle, die fest mit einem Dreier gerechnet hatten
Denn der Übungsleiter der Gladbacher bewertete die gesamte Englische Woche samt ihrer drei Begegnungen. Den Auftakt machte der 3:2-Erfolg beim VfB Stuttgart, welcher endlich den ersten Saisonsieg im Oberhaus bedeutete. Kurz darauf gelang durch ein 2:0 über den Karlsruher SC der Einzug in die nächste Pokalrunde.
Jetzt kam die Punkteteilung mit den Ostwestfalen hinzu. Macht in der Summe vier Punkte auf dem Konto sowie das Überwintern im DFB-Pokal. Aus Sicht von Blessin geht die Entwicklung eindeutig voran: „Hätte man uns vor dieser Woche gesagt, dass wir vier Punkte haben und im Pokal weiter sind, dann hätten wir das sicher so mitgenommen.“ Das berichtet rp-online.de.
Herrscht am Niederrhein damit wieder eitel Sonnenschein? Keineswegs! Wer auf die Tabelle schaut, wird als Borussia-Anhänger sofort wieder geerdet: Auch nach dem 8. Spieltag trägt die Fohlenelf die Rote Laterne. Aus diesem Grund fand der Fußballlehrer äußerst mahnende Worte. „Wir müssen aber weiterarbeiten“, forderte Blessin unmissverständlich und ergänzte direkt: „Das gibt uns ein gutes Gefühl, aber wir sind weiterhin auf der Intensivstation.“
Anschließend redete der Coach Klartext. Warnend knöpfte er sich das Umfeld vor, in dem viele einen Erfolg über den Liga-Neuling als reine Formsache abgetan hatten. „Die Erwartungshaltung hier zu sagen, wir fiedeln Paderborn weg, das geht gar nicht“, schimpfte Blessin. Die Gäste seien schließlich eine extrem harte Nuss: „Es ist verdammt schwierig, gegen Paderborn zu spielen. Sie haben jetzt neun Punkte geholt und sind sehr unbequem.“
Wer auf Anhieb ein fußballerisches Feuerwerk verlangt, liegt nach Ansicht des Trainers völlig falsch. Vielmehr müsse die Gesamtsituation berücksichtigt werden. „Darum geht es erst einmal nicht“, stellte Blessin klar. „Das kommt mit der Zeit, das haben wir beim Sieg in Stuttgart gesehen. Wir sind vorangegangen und hatten eine gute Intensität drin, damit kamen dann auch die spielerischen Mittel.“ Exakt denselben Ton schlug auch Sportdirektor Rouven Schröder an. Nach dem Duell betonte der Manager ebenfalls, dass das Fundament bei der Borussia nun stehe – und exakt auf diesem Grundstein gelte es ab sofort aufzubauen.
Für den ersten Durchgang bescheinigte Blessin seiner Truppe noch ein „klares Chancenplus“. Zwischenzeitlich lag der Ball durch Joe Scally sogar zum vermeintlichen Führungstreffer im Tor, doch der Jubel wurde vom Schiedsrichter wieder einkassiert. Eine Entscheidung, die der Gladbacher Verantwortliche hinterher als „absolut richtig und nachvollziehbar“ einstufte.
Was seine Schützlinge jedoch nach dem Pausentee ablieferten, missfiel ihm gewaltig. „Wir haben die Aktivität, auf zweite Bälle zu gehen, absolut vermissen lassen“, monierte der Übungsleiter. „Da hatten wir nicht mehr ganz den Zugriff. Man hat gemerkt, dass es das dritte Spiel innerhalb einer Woche war und einige Spieler viele Minuten in den Knochen hatten.“ Darüber hinaus bemängelte Blessin, dass seine Mannschaft die Offensivaktionen deutlich zwingender hätte zu Ende bringen müssen.
Einen ganz entscheidenden Lichtblick stellte der Trainer an diesem Tag allerdings gesondert ins Schaufenster: die Abwehrarbeit. „Trotzdem möchte ich herausstellen, dass wir in so einer Phase kein Tor kassieren. Wir standen bis auf wenige Situationen stabil“, unterstrich er. Dass im Ligabetrieb endlich mal kein Gegentreffer geschluckt wurde, habe eine riesige Bedeutung. Immerhin lautete genau so sein Auftrag bei der Verpflichtung.
Seit dem 22. September 2026 schwingt er im Borussia-Park das Zepter, als er das Amt offiziell von Eugen Polanski übernahm. Davor hatte der Coach seit seinem Gang in die Zweitklassigkeit mit dem FC St. Pauli für dreieinhalb Monate pausiert. Polanski wiederum kosteten drei Niederlagen zum Saisonauftakt inklusive der heftigen 0:5-Klatsche beim SC Freiburg den Kopf, woraufhin Co-Trainer Jan-Moritz Lichte übergangsweise für ein Match (3:4 gegen Mainz) einsprang. Vier Bundesliga-Auftritte stehen für Blessin mittlerweile in der Statistik, was eine Ausbeute von durchschnittlich 1,0 Zählern bedeutet – und der Wunsch nach einem sattelfesten Abwehrbollwerk trägt nun erste sichtbare Früchte.
Ein anderer Faktor braucht hingegen noch etwas Anlaufzeit: die Impulse von der Ersatzbank. Kurz vor Schluss warf Blessin gegen die Paderborner mit Isac Lidberg, Jens Castrop sowie Nicolas Kühn ein Trio ins Getümmel, welches zuvor lange verletzt gefehlt hatte. Für neuen Schwung in der Offensive konnten die drei Akteure jedoch nicht mehr sorgen. „Wir haben versucht, mit einigen frischen Spielern neue Energie auf den Platz zu bekommen“, beschrieb der Coach seinen Plan. Gleichzeitig warb er um Verständnis für die Rückkehrer: Nach ihren Zwangspausen fehle den Profis schlichtweg noch der gewohnte Spielrhythmus.

