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Von Jannik Sorgatz

„Keine Angst vor irgendeiner Verlockung“ Max Eberl im Interview: Diese Gladbach-Premiere will er unbedingt

Gibt Max Eberl bald wieder Interviews vor Zuschauern? Gladbachs Manager hofft, dass zum Saisonstart Fans in den Borussia-Park dürfen.

Gibt Max Eberl bald wieder Interviews vor Zuschauern? Gladbachs Manager hofft, dass zum Saisonstart Fans in den Borussia-Park dürfen.

Mönchengladbach - Max Eberl (46) ist seit einer halben Ewigkeit Borussias Sportdirektor. Doch so ein Jahr wie sein zwölftes in diesem Job hat er noch nie erlebt. Die Corona-Pandemie machte ihn zwischenzeitlich auch zum Gesundheitsmanager, die Folgen der Krise lassen ihn, angeführt von Geschäftsführer Stephan Schippers (52), noch tiefer in die Finanzen des Vereins eintauchen.

Trotzdem strahlt Eberl kurz vor dem Start der Vorbereitung extreme Gelassenheit aus. Der Manager plant Borussias dritte Champions-League-Saison und ist fest entschlossen, für ein Novum zu sorgen: Der Manager will erstmals nach einer bärenstarken Saison alle Stars halten. Das bekräftigt er im großen GladbachLIVE-Interview.

Herr Eberl, es wirkt, als sei es für Ihre Verhältnisse eine sehr ruhige Sommerpause.

Richtig ruhig ist es nie, aber ruhiger als letztes Jahr, als wir mit dem Trainerwechsel eine sehr gravierende Entscheidung getroffen hatten. Aber dann ging es an die interne Umsetzung und die externe Kommentierung. Diesmal haben wir zum Glück schon einen starken Kader, bei dem wir auch keine Sorgen haben, ob er so zusammenbleibt. Transfertechnisch ist nicht so viel möglich, muss aber auch gar nicht. Dementsprechend scheint es etwas ruhiger zu sein. Natürlich geht es trotzdem an die Vorbereitung der Saison, unseres Trainingslagers unter Hygieneauflagen, und wir wollen ja wieder Zuschauer ins Stadion bekommen. Insofern bin ich trotzdem bei vielen Themen involviert. Es ist nicht weniger arbeitsintensiv, aber öffentlich vielleicht etwas ruhiger.

Die Themen rund um Borussia kommen nicht unbedingt vom Verein selbst. Nehmen wir mal Denis Zakaria: Der ist inzwischen bei jedem Topklub Europas gehandelt worden. Sie haben sich noch vor dem Saisonende klar positioniert: Alle Stars sollen bleiben. Wie schwer wird es, diesen Plan wirklich umzusetzen? Unter gewissen Umständen könnte es doch hart werden, abzulehnen.

Es gibt keine solchen Umstände, das ist der Punkt. Denis mag medial gehandelt werden, aber er hat sich in einer Schweizer Zeitung klar positioniert und wir haben uns positioniert. Wir haben mit Platz vier die Champions League erreicht. Unabhängig von Denis ist das für uns alle ein Schritt. Wir sind zum dritten Mal dabei, Denis zum ersten Mal mit uns, das gilt für viele junge Spieler. Darauf haben wir ein Jahr hingearbeitet mit diesem Kader und haben große Lust drauf. Wir nehmen die Spekulationen wahr. Aber tatsächlich sind die beiden Partner, Spieler und Verein, die entscheidenden Faktoren. Vor allem hoffen wir jetzt, dass Denis sehr schnell und stabil nach seiner langen Verletzung zurückkommt. Bei der ganzen Thematik vergisst man immer, dass er in seiner ersten Rehaphase als Profi steckt.

Max Eberl: Gladbachs Team harmonisiert sehr gut

Wie groß ist Verlockung, bei einem „unmoralischen Angebot“, wie Sie es immer genannt haben, doch einem großen Verkauf zuzustimmen? Borussia könnte das Corona-Loch in der Kasse auf einen Schlag schließen und hätte immer noch eine starke Mannschaft.

Stand heute ist die Verlockung nullkommanull da. Mit der Champions League haben wir große Einnahmen, die nicht einkalkuliert waren. Corona kam überraschend, das kann man von der Champions League vielleicht nicht sagen, weil sie unsere guten Leistungen widerspiegelt. Aber wir können mit diesem Geld die Corona-Zeit gut überstehen und müssen niemanden verkaufen. Diese Mannschaft haben wir zwei, drei Jahre aufgebaut. Vergangene Saison kam ein neuer Trainer und mit ihm vier neue Spieler, die dem Team ein anderes Gesicht gegeben haben. Die Truppe harmonisiert in einer unglaublichen Art und Weise. Sie liegt sich nicht dauernd in den Armen, ich meine vor allem die Spielidee. Und: Sie ist extrem ehrgeizig. Ich habe deshalb keine Angst vor irgendeiner Verlockung, weil wir Gott sei Dank durch das gute Haushalten, die Champions League und diesen Kader trotz der schwierigen Zeit sehr gute Aussichten haben.

Vor einem Jahr hat intern wie extern fast jeder gesagt, dass Borussia unter Marco Rose womöglich einige Zeit benötigt, bis sich alles einspielt. Nun sind es 65 Punkte geworden. Zudem sind mehrere Stammspieler noch sehr jung. Wird diese Mannschaft nächste Saison fast von alleine noch besser?

Wir hoffen natürlich, dass junge Spieler noch stabiler werden. Sie haben viele Erfahrungen mit Drucksituationen gesammelt. Man nehme nur das 0:4 gegen Wolfsberg in der Europa League oder das 0:2 auf Schalke zum Rückrundenauftakt. Die Mannschaft ist weiter und reifer – und noch längst nicht am Ende. Es ist das erste Mal, dass wir solch einen außergewöhnlichen Erfolg wie die Champions League feiern und keinen Spieler abgeben. Das ist schon eine neue Stufe der Entwicklung.

Ein Neuer ist trotzdem schon da: Sie haben Hannes Wolf für ein Jahr mit Kaufoption ausgeliehen. Ist dieses Geschäft ein Corona-Umweg, hätte Borussia ihn unter normalen Umständen schon diesen Sommer gekauft?

Das ist eine Hypothese. Ohne Corona und mit Champions League hätten wir sicher Transfers getätigt, dann wäre Hannes Wolf ein Kandidat gewesen.

Er nimmt Raffaels Kaderplatz ein, der hat vergangene Saison nicht einmal in der Startelf gestanden. Offensiv verfügt Borussia nun über eine beeindruckende Breite.

Wir haben schon eine sehr, sehr gute Mannschaft. Mit Raffa, Fabian Johnson und Tobias Strobl verlieren wir drei Gesichter der vergangenen Jahre, renommierte und erfahrene Gesichter. Es stimmt, mit Raffa haben wir einen Offensiven verloren, und mit Hannes kommt einer dazu, der große Ambitionen hat und um Einsätze kämpfen wird. Genau das wollen wir. Bis Weihnachten werden wir sehr viele Spiele haben, für Nationalspieler könnten es an die 30 innerhalb von drei Monaten werden. Da müssen wir gut aufgestellt sein.

Anders als Raffael und Johnson hat Strobl noch zahlreiche Einsätze gehabt. Sie haben gesagt: Zwei Neue sollen kommen. Schauen Sie sich also auf seiner Position um, nach einem Ersatz, der möglichst mehrere spielen kann?

So jemanden suchen wir auf jeden Fall. Hannes Wolf kann ja auch Zehn, Elf, Sieben spielen, war schon Achter. Wir wollen flexible Spieler holen. Der Trainer soll sowohl vor dem Spiel als auch im Spiel kreativ sein können, ohne Wechsel vornehmen zu müssen. Das ist auch beim zweiten Spieler die Idee. Es wird kein reiner Sechser werden, aber es kann durchaus ein Mittelfeldspieler werden. Ob mehr Acht-Sechs oder Acht-Zehn – da müssen wir schauen, was der Markt hergibt. Wir beobachten das. Einen Transfer haben wir getätigt, mit dem wir sehr gut aufgestellt sind. Gleichzeitig machen vier, fünf Jungs aus der Akademie die Vorbereitung mit, vielleicht ergibt sich da intern noch eine Überraschung.

Borussia: Eberl bestätigt Interesse an Pedri

Wie weit sind Sie mit den Marktbeobachtungen, was den zweiten Zugang angeht?

Wir wissen schon sehr genau, was wir wollen. Es passieren aber immer Überraschungen, andere Ligen haben gerade erst aufgehört oder spielen wie in Italien noch. Die können jetzt erst ihren Kassensturz machen. Gerade in den ausländischen Ligen sind die Kader oft extrem groß. Vielleicht wird es ein Name, den ich heute noch gar nicht im Kopf habe, der aber morgen auf den Markt kommt. Deshalb sind wir sehr aufmerksam und haben zwei, drei Ziele, mit denen wir uns beschäftigen würden.

Pedri wurde bereits genannt, ein 17-Jähriger, der von Las Palmas zum FC Barcelona wechselt und ausgeliehen werden könnte.

Pedri ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Spieler. Es ist Fakt, dass wir uns mit ihm beschäftigen, daraus müssen wir keinen Hehl machen. Ob er es dann wird, müssen die Gespräche mit dem abgebenden Klub zeigen. Wie gesagt: Wir haben einige Spieler im Kopf, die auf dem Markt sind. Bei anderen wissen wir noch nicht, ob sie auf den Markt kommen.

Max Eberl hat im Jahr 2019 nicht nur Cheftrainer Marco Rose, sondern auch dessen Assistenten René Maric (links) und Alexander Zickler (hinten) nach Gladbach geholt.

Max Eberl hat im Jahr 2019 nicht nur Cheftrainer Marco Rose, sondern auch dessen Assistenten René Maric (links) und Alexander Zickler (hinten) nach Gladbach geholt.

Der nächste Punkt sind die von ihnen so bezeichneten „internen Transfers“, also mögliche Vertragsverlängerungen. Nico Elvedi und Matthias Ginter stehen da auf der Liste, beide haben einen Vertrag bis 2021 und Optionen bis 2022. Wie weit sind Sie mit Ihren Innenverteidigern?

Es ist eine komplizierte Phase. Wir sind mit beiden Spielern extrem zufrieden und beide haben eine extrem starke Entwicklung genommen. Aber wegen Corona müssen wir abwarten, wie sich der Markt und die Angebote entwickeln. Was kann ich den Spielern anbieten? Was sind die Spieler bereit, zu geben? So genau können wir das gerade noch nicht beurteilen. Erstmal sind wir froh, dass wir beide bis 2022 haben werden. Das ist Fakt. Wie es weitergeht, werden wir in den nächsten Monaten in Ruhe beobachten müssen. Beide werden auf keinen Fall im Sommer 2021 ablösefrei sein.

Borussia Mönchengladbach: Der Umsatz seit 2011

  • 2011: 72,0 Millionen Euro (3,5 Mio. Verlust)
  • 2012: 122,3 Mio. (15,2 Mio. Gewinn)
  • 2013: 91,4 Mio. (0,5 Mio. Gewinn)
  • 2014: 129,8 Mio. (12,8 Mio. Gewinn)
  • 2015: 160,6 Mio. (21 Mio. Gewinn)
  • 2016: 196,9 Mio. (26,8 Mio. Gewinn)
  • 2017: 179,3 Mio. (6,6 Mio. Gewinn)
  • 2018: 173,2 Mio. (3,6 Mio. Verlust)
  • 2019: 213,0 Mio. (12,2 Mio. Gewinn)

Die letzte Fraktion, über die wir reden müssen, sind die Spieler, deren Vertrag 2021 ausläuft. Wie sieht es aus bei Lars Stindl, Tobias Sippel oder Tony Jantschke?

Es gab, ganz offen gesagt, noch gar keine Gespräche. Mit Tony haben wir vor einem Jahr mal geredet, aber dann kam die Corona-Situation. Er ist ein Gesicht unseres Vereins, deshalb werden wir die Gespräche natürlich weiterführen. Gleiches gilt für Tobi Sippel und Lars Stindl, mit ihnen werden wir in der Hinrunde reden. Jetzt stecken wir aber erstmal in einer Phase, in der wir uns selber konsolidieren müssen. Dann müssen wir die Sommer-Transferperiode bewältigen. Aber wir reden natürlich von sehr verdienten Spielern, mit denen wir die Perspektive besprechen wollen, wie es weitergehen kann. Diese Stabilität im Kader hat uns in den vergangenen Jahren getragen. Sobald die neue Saison beginnt, beginnen auch die Planungen für die übernächste Saison.

Gladbach soll international mehr reißen

Borussia hat 65 Punkte geholt. Sollte die Mannschaft zusammenbleiben, ist das eine bessere Ausgangslage als nach den bärenstarken Spielzeiten der jüngeren Vergangenheit. Es wurde viel darüber geredet, was sehr gut gelaufen ist. Wo ist aber noch Luft nach oben?

Das ist nach so einer Saison nicht ganz leicht. Wir wissen, dass es eine andere Erwartungshaltung geben wird. Wenn der Kader zusammenbleibt, wird es dann automatisch besser? Der Herausforderung müssen wir uns stellen. Denn andere Mannschaften werden alles probieren, um uns unsere Position abzuluchsen. So haben wir es jahrelang selbst gemacht. Natürlich gibt es noch Potenzial.

Nämlich?

Unsere Europapokal-Saison fiel gegenüber der Bundesliga etwas ab. Da gilt es, mehr Konstanz reinzubringen. In der Rückrunde haben wir viele sehr gute Spiele gemacht, uns in einigen aber nicht belohnt. Ich denke da speziell an das 0:1 in Freiburg oder das 1:2 in München. Es gibt definitiv noch Potenzial. Das, was schon gut war, dürfen wir aber nicht als gesetzt betrachten. Wenn wir die bislang nicht so guten Sachen einfach on top packen, wäre die Meisterschaft das Ziel. Aber so funktioniert das nicht. Wichtig wird, das Gezeigte wieder zu zeigen, mit einer anderen Erwartungshaltung um uns herum und gegen Gegner, die uns als Spitzenteam sehen werden. Gerade im Borussia-Park werden sich viele Teams, besonders wenn wieder Zuschauer dabei sind, als Underdog sehen.

Aber war das zuletzt nicht auch schon so gegen Mainz, Freiburg oder Augsburg?

Jetzt kommen aber noch Klubs wie Hoffenheim oder Frankfurt dazu. Selbst Leverkusen hat sich als Außenseiter bezeichnet. Es ist also schon eine andere Situation. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Denn so werden wir wahrgenommen. Und das wird in der nächsten Saison noch mehr der Fall sein. Die Herausforderung ist es, trotzdem stabil zu bleiben.

Die Fans sondieren schon wieder mögliche Champions-League-Gegner, insgesamt 24 Teilnehmer stehen fest. Sind Sie nach zwei absoluten Hammer-Gruppen geneigt, zu sagen: Diesmal nehmen wir eine vermeintliche leichtere und verzichten auf Liverpool, Barcelona, Inter Mailand?

Wir können viel darüber diskutieren, was schön wäre. Am Ende werden Loskugeln gezogen, auf die wir keinen Einfluss haben. Und selbst wenn es eine Hammer-Gruppe werden sollte, wäre das genau die Herausforderung, der wir uns stellen wollen. In der Bundesliga haben wir die Spiele gegen Bayern, Leipzig und Dortmund zwar mit Höhen und Tiefen, aber auf Augenhöhe gespielt. National haben wir gezeigt, dass wir mit den Top-Teams mithalten können. Nun ist die Frage, ob wir das auch international auf den Platz bringen.

Diskussion um Fernsehgelder nimmt Fahrt auf

Wird die Champions League aus finanzieller Sicht noch etwas wichtiger? Jeder Sieg hilft, das Corona-Loch in den Kassen zu stopfen.

Für mich als Sportdirektor ist der erste Anreiz, sportlich so erfolgreich zu sein, wie es geht. Das heißt, wir wollen auch in der Champions League am liebsten jedes Spiel gewinnen. Natürlich haben wir die Situation, dass jeder Sieg, sogar jeder Punkt Löcher stopft, die bei uns zum Glück nicht so groß sind wie bei anderen. Wir haben auch geschaut, was Leicester in England macht, weil sie uns etwas mehr Geld bescheren konnten. Aber darauf haben wir keinen Einfluss. Am langen Ende müssen wir auf uns schauen. Wenn wir gut arbeiten und gute Leistungen zeigen, werden wir auch in Europa mehr Geld verdienen, um die Corona-Zeit noch besser zu verkraften.

Von außen betrachtet sind die Summen, die in der Champions League ausgeschüttet werden, fast absurd. Wenn man dabei ist, ist es wiederum ein Segen für einen Klub wie Borussia. Sehen Sie das auch als zweischneidiges Schwert?

Genau das ist der Punkt, über den wir uns viel mehr Gedanken machen müssen als über Bundesliga-Fernsehgelder. In der Champions League trennt sich extrem die Spreu vom Weizen. Wenn ein Klub in 19 von 20 Jahren dabei ist, kann die Konkurrenz das nicht wettmachen in der nationalen Liga. Über Solidarität können wir gerne reden. Aber es geht doch viel mehr um das, was Mannschaften bei internationalen Erfolgen bekommen. Wir haben freie Marktwirtschaft und keine Planwirtschaft. Wenn jemand einen guten Job macht, verdient er Geld. Doch die Verhältnisse haben sich schon sehr zementiert, wenn spätestens im Viertelfinale zu 90 Prozent dieselben Teams dabei sind.

Zumindest national können die DFL-Mitglieder Einfluss nehmen auf den Verteilungsschlüssel. Es gibt Stimmen, die sagen: 20 Millionen Euro weniger täten dem FC Bayern nicht weh, zehn Millionen mehr würden Klubs wie dem SC Freiburg aber enorm viel bringen.

Als ich anfing, waren wir in der Fernsehgeld-Tabelle 16. oder 17., heute sind wir Fünfter. Es hat also jeder die Chance, sich da hinzuarbeiten. Solidarität im Fußball ist wichtig. Ich finde aber, dass wir einen solidarischen Verteilungsschlüssel haben. Den kann man sicher modifizieren, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung von Talenten angeht. Unser nationaler Schlüssel ist im Verhältnis 2:1 von ganz oben bis ganz unten. International reden wir von einem Verhältnis 10:1. Deshalb fände ich Gleichmacherei in Deutschland im Sinne des Wettbewerbs nicht gerecht.

Die Diskussion wird vor allem vor dem Hintergrund geführt, dass der Meister seit acht Jahren durchgehend Bayern München heißt. Wie ist diese Vorherrschaft zu durchbrechen?

Wir hatten jetzt zwei Saisons, in denen die Bayern geschwächelt haben und mal sieben, acht, neun Punkte Rückstand hatten. Ich fand, dass es ein spannender Wettbewerb war. Aber diese Thematik haben fast alle Top-Ligen: Es ist immer Juventus, immer PSG, in Spanien sind es Real oder Barcelona, in England hat Liverpool sich mal vor ManCity geschoben. Es sind in der Regel auch die, die in der Champions League im Viertelfinale stehen. Wir müssen diskutieren, wie wir damit umgehen, um auch national mehr Chancengleichheit zu haben. Wenn Bayern München 15 Millionen weniger aus dem nationalen Topf bekommt, aber weiter diese exorbitanten internationalen Summen, dann schmunzeln sie darüber. Auf der anderen Seite werden Mainz, Freiburg und Augsburg zehn Millionen mehr nicht zu Bayern-Kontrahenten machen. Wir reden über die internationalen Verhältnisse, die sich in eine falsche Richtung entwickelt haben. Es wäre schade, wenn wir das nicht einfangen können. Denn dann werden diese Klubs irgendwann überlegen, ihre eigene Liga zu gründen, weil sie zu Hause sowieso alles gewinnen.

Eberl hofft auf fünfstellige Zuschauer-Zahl

Glauben Sie, dass beim ersten Heimspiel der Saison Zuschauer im Stadion sein werden?

Wir hoffen das, sind aber abhängig davon, was die Regierung und die Behörden entscheiden. Dann ist die Frage, wie sich diese Nach-Urlaubs-Welle entwickelt. Es ist oft über eine vermeintliche Sonderrolle des Fußballs gesprochen worden. Dabei haben wir uns nur gefragt: Wenn der Tag käme, was müssten wir tun, um wieder spielen zu können? Das Task-Force-Konzept haben wir auf dem Platz eindrucksvoll umgesetzt. Nun arbeiten wir daran, dass es auch neben dem Platz für alle sicher, erträglich und verständlich funktionieren kann.

Wie sehr sind Sie involviert bei diesem Thema? Sie haben mal gesagt, dass Sie zwischenzeitlich mehr mit dem Gesundheitsamt als mit Beratern telefoniert haben.

Das hat sich wieder verändert. Ich muss sagen, dass das Gesundheitsamt in Mönchengladbach einen hervorragenden Job gemacht hat. Wir haben nichts leichter bekommen, sondern eine sehr gute Beratung. Jetzt bin ich zum Teil bei den Gesprächen dabei, weil ich auch vorbereitet sein will, um etwaige Fragen beantworten zu können. Ich verstehe das so: Das Schauen des Spiels ist das kleinste Problem, weil es mit den Abständen und unter freiem Himmel gut zu organisieren ist. Ein großes Thema sind dagegen der Zugang zum Stadion, das Verlassen und vor allem die Toiletten. Im Restaurant gehst du, wenn du musst. Im Fußball gehst du in der Regel in der Halbzeit. Dahingehend wollen wir ein gutes Konzept entwickeln, das das Gesundheitsamt guten Gewissens absegnen kann.

Es kursieren viele Zahlen, wie viele Fans wieder dabei sein könnten. Einige Ihrer Kollegen sind bereits vorgeprescht. Wovon gehen Sie aus?

Ich habe mich in der Corona-Zeit anfangs medial sehr zurückgehalten. Was ist richtig, was ist falsch? Wer hat welche Informationen? Ich glaube, dass vieles gesagt wurde, was die betreffenden Personen heute bereuen. Ich will mich immer an meinen Aussagen messen lassen. Jetzt zu spekulieren, wie viele Fans ins Stadion dürfen, halte ich für sehr kompliziert. Wir müssen erst die Fragen beantworten, die ich gerade gestellt habe. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir nicht nur mit vierstelligen, sondern vielleicht schon mit fünfstelligen Zuschauerzahlen starten können.

Am 7. März gegen Dortmund waren letztmals Fans im Borussia-Park. Ist danach eine neue, unliebsame Realität eingetreten oder haben Sie bei jedem Geisterspiel noch gedacht: Das fühlt sich einfach nicht richtig an?

Ich habe es immer als Notstrom bezeichnet. Jeder weiß, dass das nicht normal ist. Wenn ich im Rückblicke sehe, zum Beispiel das Bayern-Spiel im Dezember, habe ich das Gefühl, es ist eine andere Zeitrechnung. Aber es ist die gleiche Saison. Von daher gibt es keine neue Normalität: Normalität herrscht dann, wenn das Stadion wieder voll ist.