Diskussion um Mohya: Effenberg fordert die U21, doch Freund widerspricht energisch!
Zu früh für die A-Elf?Effenberg stellt Mohyas DFB-Ticket infrage

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Kampf um den Ball zwischen Fabio Chiarodia, Wael Mohya und Martin Adeline.
Aktualisiert
Direkt im Anschluss an Weltfußballer Harry Kane stand plötzlich Wael Mohya im Fokus!
Während der sonntäglichen Talkrunde „Doppelpass“ auf Sport1 besprach die Runde zunächst den Triumphator des Ballon d’Or, ehe unmittelbar danach die erstmalige DFB-Berufung des Gladbach-Profis zum großen Thema gemacht wurde. Einen prominenteren Rahmen gibt es kaum. Erst 17 Jahre zählt das Fohlen-Juwel und befindet sich jetzt schon auf der allergrößten Bühne, welche Fußball-Deutschland bereithält.
Effenberg sieht oben kaum Platz für das Fohlen-Juwel
Genau dieser Umstand sorgt aktuell für mächtig Zündstoff. Über die rasanten Ereignisse der letzten Woche debattierten die ehemaligen Auswahlspieler Steffen Freund sowie Stefan Effenberg kontrovers. Dabei drehte sich alles um den Knackpunkt, ob die Einladung ins A-Aufgebot für Mohya übereilt erfolgt oder absolut passend ist. Das berichtet „rp-online.de“.
Vor allem Effenberg, der früher ebenfalls als verheißungsvoller Nachwuchskicker bei der Borussia galt, beäugt den Entschluss durch Bundestrainer Jürgen Klopp mit Zweifeln. Die Ansage des Ex-Profis lautet: „Ich glaube, dass der Schritt U21 besser gewesen wäre. Direkt in die A-Mannschaft zu springen, das ist schon ein enormer Sprung. Die U21, bei der man ihn ja auch weiterhin beobachten kann, wäre sinnvoll für ihn, allein weil die EM im nächsten Jahr ist.“
Sein wichtigster Punkt dabei: Bei den Großen ganz „oben“ herrscht extremes Gedränge für den Youngster. Welche Rivalen dort warten, rechnet Effenberg direkt vor: „Auf der Position hast du zwei, drei Spieler, die vor ihm sind: Scherhant, El Mala, Wirtz, der auf der Position an erster Stelle spielen kann. Musiala kommt auch irgendwann mal wieder. Wo soll Mohya da hin? Für ihn ist Spielpraxis enorm wichtig. Deswegen habe ich gesagt, es wäre der logische und der richtige Schritt, in der U21 Spielpraxis zu sammeln und dann von da aus den nächsten Schritt zu gehen.“
Bestens vertraut ist dem Offensivmann die Junioren-Auswahl ohnehin schon. Während der letzten Länderspielpause im späten September lief Mohya nämlich erstmals für Deutschlands U21 auf.
Komplett gegensätzlich schätzt hingegen Steffen Freund diese Situation ein. Obwohl das 1:3 beim Auswärtsspiel in Hamburg auch durch Mohya nicht abgewendet werden konnte, traut der Europameister aus dem Jahr 1996 und einstige DFB-Jugendcoach dem Rohdiamanten das A-Aufgebot absolut zu. Mit Blick auf das harte Ringen um den Klassenerhalt im Oberhaus sowie die Funktion des Jungen als großes Gladbacher Zugpferd betont Freund: „Er macht schon jetzt bei Mönchengladbach in der schwersten Situation mit nur vier Punkten den Unterschied.“
Obendrein erkennt Freund hinter der Maßnahme des Bundestrainers ein echtes Meisterstück der Strategie. Schließlich baggert auch der Verband aus Marokko intensiv an Mohya! Als mahnendes Beispiel dienen diverse Fälle aus jüngster Zeit, in denen potenzielle DFB-Nationalspieler wie Josip Stanisic (Kroatien), Ibrahim Maza (Algerien) sowie Can Uzun (Türkei) letztlich für andere Fußballverbände votierten. Aus seiner früheren Tätigkeit kennt Freund diese Problematik genau: „Ich hatte 2011 in meinem WM-Kader der U17 13 Spieler mit Migrationshintergrund. Du hast Spieler, die für mehrere Länder spielen können, da muss man aufpassen, dass man die Spieler für unsere Nationalmannschaft nicht verliert. Und wir schwächeln gerade.“ Deshalb stellt er unmissverständlich klar: „Da muss man um die Spieler kämpfen.“
Wird der Youngster während der anstehenden Länderspieltage nun wirklich seinen Einstand geben und sich dadurch als 44. DFB-Akteur in die Geschichtsbücher der Fohlen eintragen? Diese Frage ist derzeit noch ungeklärt. Laut eigener Aussage beabsichtigt Klopp primär, das Talent im Training genau unter die Lupe zu nehmen. Trotzdem sendet die bloße Einladung bereits eine unmissverständliche Botschaft an Mohya: In den langfristigen Überlegungen für Deutschlands Fußball-Zukunft ist er fest verankert.
Für dieses Vorgehen erntet der Coach von Freund massiven Beifall: „Ich ziehe den Hut vor Jürgen, dass er den Mut hat, einen Kaderplatz freizugeben für so eine Situation. Damals wollten alle anderen Nationen meine Spieler haben. Sie schlafen nicht und schauen ganz genau, welche Spieler auch für sie spielen können. Aus unserem Anspruch heraus, dass wir Weltklasse spielen, müssen wir an diese Spieler relativ früh rangehen. Zum Glück haben wir jetzt so einen Bundestrainer, der das macht.“
Anders sieht das Effenberg, der rund um die Duelle der Nations League gegen die Auswahl der Niederlande sowie in Serbien lediglich von einem kurzen Reinschnuppern des Borussia-Talents „oben“ ausgeht. „Darauf wird es wahrscheinlich hinauslaufen. Ich hoffe es für ihn. Für seine Entwicklung wäre das der richtige Schritt, mit der U21 da zu spielen“, ergänzt der TV-Experte. (red)


