Nach der sportlichen Talfahrt teilt ein Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach schonungslos aus.
„Absolute Hauptverantwortung“Effenberg-Attacke auf die Gladbach-Bosse

Copyright: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Stefan Effenberg blickt kritisch auf seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach.
Ein schlimmes Déjà-vu am Niederrhein: Der Coach muss gehen und der Verein findet sich nach lediglich drei Partien auf Rang 17 wieder. Für Eugen Polanski war am letzten Sonntag Schluss, was Borussia Mönchengladbach bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Spielzeit in eine ernste Notlage bringt.
Das Ganze weckt düstere Erinnerungen an die Saison 2025/26: Damals musste Gerardo Seoane nach drei Spielen ohne Sieg seinen Hut nehmen, woraufhin Polanski den Job bekam. Jetzt traf es ihn selbst – der Schlusspunkt war ein katastrophales 0:5 gegen den SC Freiburg nach drei Pleiten zum Auftakt.
Stefan Effenberg: „Die Mannschaft hat keine Führungsspieler“
Die Vereins-Ikone Stefan Effenberg hält das Aus für den Trainer nach den katastrophalen Vorstellungen für die einzig logische Konsequenz. Der heute 58-Jährige, der von 1987 bis 1990 sowie von 1994 bis 1998 für die Gladbacher aktiv war, spricht Tacheles. Er fand es zwar „nicht verkehrt“, mit Polanski in die neue Spielzeit zu starten, allerdings habe es schon während der Vorbereitung an vielversprechenden Signalen gefehlt. Überdies habe sich Polanski mit seiner Pressekonferenz nach dem Debakel in Freiburg, als er sich „quasi selbst infrage gestellt hat“, keinen Dienst erwiesen. Das berichtet „t-online“.
Doch für Effenberg liegt die Ursache viel tiefer, er schlägt mit Blick auf den drohenden Kampf um den Klassenerhalt Alarm. „Die Mannschaft hat keine Führungsspieler, keine richtig feste Achse innerhalb des Teams“, lautet seine Analyse. Seine düstere Prognose: „So spielst du bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg, wenn sich da nichts ändert.“ Von den glorreichen Jahren unter der Regie von Max Eberl, in denen zwischen 2011 und 2020 dreimal die Teilnahme an der Champions League gelang, ist man meilenweit entfernt.
Der Verein hat seit dem Weggang von Eberl im Januar 2022 und dem folgenden Exodus von wichtigen Spielern wie Breel Embolo, Matthias Ginter, Jonas Hofmann, Marcus Thuram, Yann Sommer, Manu Koné, Alassane Pléa sowie jüngst Rocco Reitz und Nico Elvedi komplett den Faden verloren. Nach der finalen Teilnahme an der Königsklasse 2020 schloss die Borussia die Spielzeit nur noch ein einziges Mal in der oberen Tabellenhälfte ab. Es mangelt nicht nur an Transfereinnahmen, sondern auch an den Mitteln aus dem internationalen Geschäft.
Effenberg ist auch von den aktuellen Neuzugängen alles andere als begeistert. „Man hat mit Reitz einen Spieler verloren, der eine höhere spielerische Qualität mitgebracht hat – den kannst du nicht mit Nachwuchsspielern ersetzen“, moniert er. Er bezweifelt außerdem, dass der zurückgekehrte Ko Itakura tatsächlich ein „gleichwertiger Ersatz für Nico Elvedi“ sein kann.
Die Fohlen-Legende sieht die primäre Verantwortung jedoch nicht allein beim Coach oder der Mannschaft. „Die Spitze des Vereins steht für mich in der absoluten Hauptverantwortung“, stellt Effenberg klar. Er meint damit explizit Vereinspräsident Rainer Bonhof, Präsidiumsmitglied Uwe Kamps und ebenso Stefan Stegemann und Markus Aretz. Sein Vorwurf an sie lautet, dass sie in der Notlage unsichtbar bleiben: „Mir fehlt, dass sich diese Personen in so einer Situation auch mal öffentlich äußern. (...) Ich habe da eher das Gefühl, man geht in Deckung.“
Ebenso gerät Sportdirektor Rouven Schröder in den Fokus seiner harschen Worte. „Rouven Schröder hat in seiner bisherigen Karriere als Vereinsfunktionär nicht immer das beste Händchen bewiesen“, findet Effenberg und spielt damit auf Schröders frühere Engagements in Mainz und bei Schalke an, wo Coaches auch nicht lange im Amt blieben. (red)
Der Teufelskreis aus Abgängen von Leistungsträgern, dem sportlichen Absturz und der Unbeständigkeit auf dem Trainerposten – der kommende Trainer ist bereits der fünfte innerhalb von fünf Jahren – beschleunigt sich zusehends. Es gibt genügend abschreckende Beispiele von Traditionsklubs wie Schalke 04, dem HSV oder Werder Bremen, die den Kampf gegen den Abstieg zu lange auf die leichte Schulter nahmen. Sollte in Mönchengladbach nicht umgehend eine Kehrtwende eingeleitet werden, steht der erste Gang in die 2. Bundesliga seit dem Jahr 2007 bevor. (red)

