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Von Achim Müller

GladbachLIVE-Analyse Corona-GAU: Borussia droht (Teil-) Verlust des Tafel-Silbers

Drei Männer leiten maßgeblich die Geschicke in Gladbach (von rechts): Präsident Rolf Königs, Geschäftsführer Stephan Schippers, Sportdirektor Max Eberl. Hier bei einer Versammlung im April 2019.

Diese Männer halten den Borussia-Dampfer in ganz schweren Zeiten auf Kurs (von rechts): Präsident Rolf Königs, Geschäftsführer Stephan Schippers, Sportdirektor Max Eberl. Hier bei einer Versammlung im April 2019.

Mönchengladbach - Deutschland befindet sich angesichts der Coronavirus-Pandemie momentan im zweiten Lockdown. Auch wenn es sich dabei um eine Light-Version handelt, sind die Konsequenzen für zahlreiche Unternehmen, Firmen und Selbstständige erneut hart.

37 Millionen Euro Verlust

Und es ist am linken Niederrhein kein Geheimnis: Auch Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach trifft die Coronakrise weiter bis ins Mark.

Finanz-Boss Stephan Schippers (53) hat in einem offiziellen Statement am Samstag verdeutlicht, was der Corona-GAU in Zahlen für den VfL bedeutet: „Wir liegen aktuell für das Geschäftsjahr 2020 bei einem Verlust von rund 37 Millionen Euro.“

GladbachLIVE hat darüber berichtet, dass die Einnahmen aus der aktuellen Champions-League-Teilnahme der Fohlen nach unseren Recherchen zu einem nicht unerheblichen Teil in den 37 Millionen bereits berücksichtigt sind.

Eine Rechnung macht deutlich, wohin der Verlust-GAU sich entwickeln könnte: Am 11. März bestritt Borussia ihr erstes Geisterspiel. Es war zugleich das erste dieser Art in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Gegner war Köln (2:1). Seither hat Borussia erhebliche Verluste für das Geschäftsjahr 2020 gemacht.

Doch was bedeutet in diesem Kontext eigentlich Geschäftsjahr? Zahlreiche Fußballvereine bilanzieren entsprechend der Fußballsaison, also vom 1.7. eines Jahres bis zum 30.6. des Folgejahres. Andere Vereine bilanzieren hingegen, wie bei den meisten Unternehmen üblich, zum Ende des Jahres (31.12.).

Wie sieht das bei Borussia aus? Der Blick in den sogenannten Bundesanzeiger gibt Auskunft: Finanzberichte der „Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH Mönchengladbach“ sind dort durchgehend mit dem Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01. bis zum 31.12. eines jeweiligen Jahres hinterlegt.

Bedeutet in der Schlussfolgerung: Wenn Schippers nun outet, dass Borussia aktuell bei einem Geschäftsjahr-Verlust für 2020 von rund 37 Millionen Euro liegt, würde das umgerechnet – Stand jetzt – im Durchschnitt einen monatlichen Fehlbetrag von rund 3,1 Millionen Euro bedeuten.

In dieser Rechnung sind bereits große Teile des Zubrots Champions League enthalten. Zwar noch nicht alles, so beispielsweise die Punktprämie nicht, die von der UEFA ausgeschüttet wird. Borussia ist nach unseren Informationen in den Planungen allerdings bereits von einem Worst-Case-Szenario von rund 40 Millionen Euro ausgegangen. Zu dieser Verlust-Summe soll es im Geschäftsjahr 2020 aber nicht kommen.  Klar ist: Ohne Königsklasse wäre der Corona-GAU also noch deutlich gravierender, als er schon ist.

Was bedeutet das? Verpasst Gladbach es, die Gruppenphase der Champions League in einer Todesgruppe mit Gegnern wie Real Madrid, Inter Mailand und Schachtar Donezk zu überstehen und scheidet am Ende des Jahres sogar ganz aus dem Europapokal aus, drohen im Geschäftsjahr 2021 ebenfalls Fehlbeträge. 

In der Theorie wären das für jeden Monat, in dem Corona weiter den Verein bis in Mark träfe, sogar mehr als der momentane Durchschnittswert von rund 3,1 Millionen Euro. Schippers sagt: „Alle bei Borussia arbeiten hart daran, dieses Ergebnis so erträglich wie möglich zu gestalten, aber es dürfte jedem klar sein, dass dies für uns keine einfache Situation ist.“

Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zum jetzigen Zeitpunkt zu erahnen, dass der VfL Borussia wegen der Coronakrise in einigen Monaten angesichts der Verlust-Entwicklung in die Verlegenheit geraten könnte, sich Geld beschaffen zu müssen.

Sprich: Durch Fremdkapital, beispielsweise von Banken. Also eine Schuldenschublade zu öffnen. Oder beispielsweise etwas von dem Tafelsilber zu veräußern, welches der VfL durch die tolle Arbeit der Entscheider um Präsident Rold Königs (78) immer noch vorzuweisen hat.

Sprich: Spieler aus dem Kreis der Kategorie Ginter (Marktwert 32 Millionen Euro), Thuram (32 Mio.), Plea (30 Mio.), Zakaria (40 Mio.), Elvedi (30 Mio.) oder Neuhaus (23 Mio.) zu verkaufen. Allein diese Akteure zusammen haben einen momentanen Marktwert von rund 187 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Borussia hat in Sachen Tafelsilber also noch einige Reserven. Im Gegensatz zu zahlreichen Mitbewerbern. Nach unseren Informationen sollen die Gladbach-Granden momentan eher dazu tendieren, spätestens nach dieser Saison das eine oder andere Juwel schweren Herzens trotz gültigen Arbeitspapieres vorzeitig ziehen zu lassen.

Schuldenfalle oder verkaufen?

Zumal die seriösen Kaufleute im Klub, rund um Königs und Schippers, den hanseatischen, den grashoffschen Stil pflegen. Bedeutet: Eher in der Not Teile des Tafelsilbers, wenn vorhanden, gewieft und mit Kalkül zu guten Konditionen zu veräußern, als den gesamten Klub sehenden Auges in eine auf Jahre lähmende Schuldenfalle zu manövrieren.