Karten-Wirrwarr im Borussia-ParkRot für Chiarodia? Schiri erklärt kuriosen Patzer

Schiri Timo Gerach entschuldigt sich bei Fabio Chiarodia und klatscht mit ihm ab.

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Schiri Timo Gerach entschuldigt sich bei Fabio Chiarodia.

Irre Szene im Stadion! Referee Gerach greift zur falschen Karte. Chiarodia atmet auf und will jetzt durchstarten.

Fassungslosigkeit pur bei Fabio Chiarodia: Ungläubig reißt der Gladbacher seine Hände nach oben! Im heimischen Stadion hält ihm der Unparteiische Timo Gerach plötzlich den roten Karton direkt unter die Nase.

Vorausgegangen war lediglich ein Einsteigen gegen den Paderborner Spielführer Laurin Curda. Eigentlich war diese Aktion allerhöchstens eine Verwarnung wert. Doch noch ehe auf den Tribünen ein gellendes Pfeifkonzert ausbrechen kann, fällt dem Spielleiter sein grober Schnitzer selbst auf.

Chiarodia: Einsatzminuten als kostbares Gut

Blitzschnell packt er die Rote Karte wieder weg, welche der Fohlenelf ansonsten eine kräftezehrende Unterzahl beschert hätte. Der Schiri revidiert sein Urteil sofort, zückt stattdessen völlig berechtigt Gelb und klatscht wenig später sogar entspannt mit dem Profi ab. Somit bleibt der Verteidiger völlig regulär auf dem Rasen.

Tags darauf lieferte der Leiter der Begegnung via Instagram persönlich die kuriose Erklärung für den Vorfall: „In der Halbzeit habe ich Gelb und Rot falsch eingesteckt und prompt verwechselt.“ Schmunzelnd schob der Referee noch hinterher: „Sagen wir mal so: Auch ein Schiri braucht nach so langer Pause Eingewöhnungszeit.“ Die Ursache dafür liegt in der jüngsten Vergangenheit, denn ein erlittener Muskelfaserriss hatte Gerach zuvor außer Gefecht gesetzt. Die Begegnung an diesem Samstag markierte für ihn nun die Rückkehr ins deutsche Oberhaus. Das berichtet rp-online.de.

Dem Abwehr-Ass selbst ist nach dieser rasanten Rücknahme des Platzverweises sicher ein gewaltiger Stein vom Herzen geplumpst. Aktuell ist für den Defensivmann nämlich jeder einzelne Augenblick im Spielbetrieb von unschätzbarem Wert. Unter dem früheren Coach Eugen Polanski war er zum Saisonauftakt noch komplett außen vor, obendrein bremste ihn eine Blessur aus. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch komplett gewendet: Beim torlosen Remis am Samstag gegen die Ostwestfalen durfte er schon das dritte Punktspiel nacheinander von Beginn an bestreiten.

Begünstigt wurde sein Aufstieg allerdings auch durch das Verletzungspech eines Teamkollegen. Schon seit drei Wochen muss Jan Leszczynski wegen einer Stauchung im Kniegelenk passen. Dadurch rückte Chiarodia als naheliegende Alternative in den Fokus, um das entstandene Loch im Dreier-Abwehrverbund von Chefcoach Alexander Blessin zu stopfen. Genau auf dieser Position winkt ihm nun die große Bewährungschance. Erst im vergangenen Sommer wurde sein Vertrag verlängert, mittlerweile bestreitet er bereits seine vierte Spielzeit bei der Borussia. Nun will er sich endgültig unverzichtbar machen und im Oberhaus voll durchstarten.

Ein Blick auf die nackten Fakten verdeutlicht die Brisanz seiner Situation. Zwar stehen für das Defensiv-Talent inzwischen beinahe 50 Pflichtspieleinsätze im Borussen-Trikot zu Buche, allerdings lief er dabei lediglich 18-mal in der Startformation auf. Da seine Spielanteile in den Vorjahren äußerst überschaubar blieben, trat der hochveranlagte Profi bei seinem sportlichen Reifeprozess zuletzt spürbar auf der Stelle.

In den jüngsten Partien zeigte seine Leistungskurve jedoch steil nach oben. Während er beim Auftritt gegen die TSG Hoffenheim noch mächtig ins Schwimmen geriet, präsentierte er sich beim Gastspiel in Stuttgart sowie jüngst gegen Paderborn deutlich gefestigter. Speziell bei der Arbeit gegen das Spielgerät wirkt er mittlerweile viel abgeklärter und leistet sich kaum noch Wackler. Steigerungspotenzial besteht hingegen weiterhin im eigenen Ballbesitz: Sowohl beim Zuspiel als auch im Dribbling fehlt es mitunter noch an der nötigen Präzision.

Während des Pokalfights gegen den Karlsruher SC übernahm Chiarodia nach dem Platzverweis für Philipp Sander sogar den zentralen Part in der hintersten Reihe. Dort fing er zwar recht durchwachsen an, steigerte sich im Spielverlauf aber enorm. Mutig ging der Youngster voran und gab seinen Teamkameraden lautstark Kommandos.

Reifeprozess durch Zwangspause

Nun richtet sich der Fokus auf das Auswärtsspiel am kommenden Freitag beim Hamburger SV (20.30 Uhr, Sky). Vor der anstehenden Unterbrechung durch die Länderspiele möchte der Abwehrmann unbedingt noch einmal mit einer souveränen Leistung glänzen. Es gilt, ordentlich Argumente in eigener Sache zu sammeln, damit Übungsleiter Blessin ihm auch in Zukunft das Vertrauen schenkt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der italienische Abwehrspieler dauerhaft abliefern und vor allem körperlich unversehrt bleiben. Ob er seine Chance tatsächlich gepackt hat, wird sich dann beim Kracher im eigenen Stadion gegen Borussia Dortmund zeigen (21. November, 15.30 Uhr). Bis dahin dürfte nämlich auch Konkurrent Leszczynski wieder fit sein, was den spannenden Zweikampf neu entfacht.

Nach seinem kompletten Einsatz über die volle Distanz gegen Paderborn machte der 21-Jährige aus seiner großen Erleichterung keinen Hehl: „Ich freue mich natürlich sehr, dass ich wieder spielen kann.“ Die leidvolle Zeit im Krankenstand hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. „Verletzungen sind mit das Bitterste im Fußball, man wird daran gehindert, seinen Traum zu leben und für ihn zu arbeiten. Aber daraus wächst man, wird reifer und geduldiger“, reflektierte der Gladbacher Abwehrspieler abschließend.